1928
Das Winterer-Stadion als Chance und Last
Nachdem der SC im Jahr 1923 von der FT gelöst hatte und wieder eigenständig wurde, entstand der Wunsch nach einem eigenen Platz. In dieser Situation bot sich dem SC die Chance, sich einem Großprojekt des Polizeisportvereins (PSV) anzuschließen, der seinen Platz im nördlichen Bereich des Exerzierplatzgeländes ausbaute und den Sport-Club einlud, sich an dem Vorhaben zu beteiligen. Benannt wurde das im Frühjahr 1928 fertiggestellte Stadion nach dem in seiner Amtszeit (1888-1913) sehr prägenden Freiburger Oberbürgermeister Otto Winterer.
Im neuen Winterer-Stadion kam es am 12. Februar 1928 zu einem sensationellen 2:1-Sieg gegen den amtierenden Deutschen Meister 1. FC Nürnberg.
Das neue Stadiongelände hatte für Freiburger Verhältnisse enorme Ausmaße. Die große Holztribüne fasste 1.200 Zuschauer/innen. Integriert waren in das Tribünengebäude zehn Umkleideräume und ein Restaurant. Auf dem Gelände umschloss eine der größten Aschenbahnen Süddeutschlands zwei Spielfelder, ergänzt durch weitere Sportanlagen für Leichtathletik und Ringtennis.
Nachdem der PSV Freiburg seine Beteiligung am Stadion schon 1930 wieder gekündigt hatte, musste der Sport-Club unversehens allein für den Unterhalt des Winterer-Stadions aufkommen. Dies hatte zur Folge, dass sich der SC in den 30er-Jahren permanent in finanziellen Schwierigkeiten befand.
Nachdem die Nationalsozialisten 1933 auch in Freiburg an die Macht gekommen waren, wurde das Winterer-Stadion nicht nur für Fußballspiele, sondern auch mehrfach für paramilitärische Übungen genutzt. Die Nationalsozialisten sahen in dem in der Nähe des Flugplatzes gelegenen großen Stadions aber auch ein Hindernis für die Aufrüstung ihrer Luftwaffe. Da der Sport-Club zudem mehrfach die Stadionpacht nicht bezahlen konnte, musste der Verein zum 1. April 1937 das Winterer-Stadion auf Anweisung der nationalsozialistischen Stadtverwaltung räumen, das danach vollständig abgetragen wurde. Als einziges Relikt des Stadions blieb der 1929 errichtete Gedenkstein für die Weltkriegstoten erhalten, der mittlerweile im Dreisamstadion steht. An das große Winterer-Stadion erinnert an seinem früheren Standort heute nichts mehr.
