Neuer Rasen im Stadion: "Pflegeleichter & strapazierfähiger"
Im Juli wird im Europa-Park Stadion ein neuer Spielbelag verlegt – Hybridrasen. Greenkeeper Florian Haeber erklärt, was diesen Belag ausmacht und welche Aufgaben das Greenkeeper-Team während der Sommerpause hat.
25 Heimspiele hat der Sport-Club in dieser Saison im Stadion absolviert – wie viel hält ein Fußballrasen aus und wie entscheidend ist der Boden, auf dem der Rasen wächst?
Florian Haeber: Ein Fußballrasen ist robust und hält viel aus. Entscheidend ist dabei aber auch, wie viele Tage zwischen den Spielen liegen. Wir hatten in der vergangenen Saison das Glück, in der kalten Jahreszeit nicht viele dicht aufeinanderfolgende Spiele zuhause zu haben. Der Rasen hatte damit immer wieder Zeit, sich zu regenerieren. Zur Unterstützung in den Wintermonaten haben wir außerdem die Beleuchtungseinheiten aufgestellt, die im Winter durch das Licht die Photosynthese der Pflanzen unterstützen.
Direkt nach dem letzten Heimspiel gegen RB Leipzig haben im Innenraum Bauarbeiten begonnen – was passiert genau während der Sommerpause im Stadion?
Haeber: Die aktuellen Bauarbeiten haben mit dem neuen Rasen nichts zu tun. Aufgrund der Arbeiten rund um das Spielfeld, kümmern wir uns aktuell um die Regeneration der Trainingsplätze und müssen den alten Rasen im Stadion auf einer gewissen Mähhöhe halten, damit wir hier nicht bald eine Wiese haben. Der kurz gehaltene Rasen ist außerdem Vorarbeit für den Rasentausch in ein paar Wochen. Je kürzer die Halme sind, desto weniger Arbeit ist es, den alten Spielbelag abzufräsen.
Warum Hybridrasen, was sind die Unterschiede zum Naturrasen?
Haeber: Wir sind in Bezug auf die Spielfläche im ständigen Austausch mit dem Trainerteam und der Mannschaft und in den vergangenen Jahren war Naturrasen für uns die richtige Wahl. Dennoch haben wir das Verhalten des Untergrunds natürlich beobachtet. Hybridrasen ist deutlich belastbarer als Naturrasen. Gerade in den Sommermonaten, in denen wir beim Naturrasen immer mal wieder Probleme mit dem Wurzelwachstum hatten, ist Hybridrasen von Vorteil. Das Gemisch aus Naturrasen und Kunststofffasern macht den Rasen in den heißen, aber auch in den kalten Monaten pflegeleichter. Die Kunststofffasern des Hybridrasen, die drei bis fünf Prozent ausmachen, werden in 12 bis 13 Zentimetern Tiefe in den Boden eingearbeitet und unterstützen somit die Stabilität des Naturrasens im Boden. Hybridrasen vereint die Spieleigenschaften und Nachhaltigkeit von Naturrasen mit der Strapazierfähigkeit von Kunstrasen.
Warum stellt der SC als einer der letzten Vereine in der Bundesliga auf Hybridrasen um?
Haeber: Bislang hat Naturrasen für uns in Freiburg immer gut funktioniert und wir haben beobachtet, ob sich Hybridrasen durchsetzt und bewährt. Daraufhin haben wir entschieden, dass dieser Belag auch für uns eine gute Option sein kann. 15 von 18 Bundesligisten spielen bereits auf einem Hybridrasen, die Mannschaft kennt diesen Belag bereits von Auswärtsspielen und hat uns das Feedback gegeben, dass die Plätze sehr gut zum Bespielen sind. Die Spieler merken also auch einen Unterschied und tatsächlich ist die Ebenflächigkeit auf Hybridrasen deutlich stabiler als auf Naturrasen. Egal zu welcher Jahreszeit: der Rasen bleibt stabil und eben. Dadurch rollt der Ball schneller, das Spiel wird etwas schneller und manche Situationen können sicherlich auch besser eingeschätzt werden. Beim Hybridrasen entstehen nicht so tiefe Löcher in stark frequentierten Bereichen, wie zum Beispiel dem Fünfmeterraum.
Was sind den Sommer über Eure Aufgaben, damit die Mannschaft zum Trainingsstart wieder einen perfekten Trainingsuntergrund hat?
Haeber: Direkt nach dem letzten Saisonspiel beginnen bei uns immer die Regenerationsmaßnahmen für den Rasen. Wir vertikutieren den Rasen, entfernen also Rasenfilz und abgestorbene Pflanzenreste aus dem Boden. Anschließend wird der Platz gesandet und eine Nachsaat gezogen, damit sich junges Gras auf der vorhandenen Grasfläche etablieren kann. Nach all diesen Schritten hat die Mannschaft zum Trainingsauftakt am 12. Juli wieder eine schöne, frische und dichte Rasenfläche. In diesem Jahr führen wir die Regenerationsmaßnahmen nur auf den Trainingsplätzen durch, weil der Rasen im Stadion getauscht wird.
Wie ist der Austausch mit dem Trainerteam, der Mannschaft bezüglich des Rasens?
Haeber: Im Grunde ist Julian Schuster unser erster Ansprechpartner und der Austausch mit ihm funktioniert sehr gut. Als ehemaliger Spieler kann er gut beurteilen, welche Anforderungen für einen guten Fußballplatz erfüllt werden müssen. So bekommen wir im Greenkeeper-Team auch mit, wenn die Schnitthöhe angepasst werden soll oder andere Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Manchmal bekommen wir aber auch Rückmeldung von den Spielern oder wir fragen nach, ob die Mannschaft mit den Plätzen zufrieden ist.
Interview: Isabel Betz
Foto: SC Freiburg
