Herr Heinrich, ohne lange zu überlegen: Welches Spiel im SC-Trikot ist für Sie bis heute unvergessen?

Heinrich: Hier würde ich gerne zwei nennen, weil sie zusammenhängen – meine ersten beiden Bundesligaspiele für den SC Freiburg: gegen den Karlsruher SC und den FC Bayern. Gleich am ersten Spieltag der Saison 1994/95 wurde ich in der Auswärtspartie gegen den KSC für Oliver Freund eingewechselt, eine halbe Stunde vor Schluss. Wenig später spielte ich einen fatalen Fehlpass, der zum 0:2 führte, bei dem es am Ende auch blieb. Nach dem Abpfiff war ich wahnsinnig niedergeschlagen.

Aber schön, wenn man die Pleite dank Englischer Woche direkt drei Tage später wieder ausbügeln kann, gegen die Bayern ja ein Klacks …

Heinrich: (lacht) Die Bayern waren damals nicht so dominant wie heute, aber natürlich ein großer Gegner. Umso überraschter war ich, als mich Trainer Volker Finke direkt von Anfang an spielen ließ. Und dann gelang mir auch noch ein Tor und eine Vorlage, und dem ganzen Team eine legendäre Partie, die wir am Ende mit 5:1 gewannen.

Sie waren in jenem Sommer von Kickers Emden zum SC Freiburg gewechselt, also von der Amateurliga in die Bundesliga. Wie gelang es Ihnen, sich so schnell dem Niveau der höchsten deutschen Spielklasse anzupassen?

Heinrich: Also nach dem Auftakt gegen den KSC fragte ich mich schon, ob ich überhaupt in die Bundesliga passte. Aber ich hatte großes Vertrauen in meine Fähigkeiten, wusste, dass ich zwei gute Füße hatte, schnell und ausdauernd war, dass das Kopfballspiel auch nicht verkehrt war. Und dann sagte ich mir: Hau alles rein, zeig den Trainern und Gegnern, was du kannst – mehr konnte ich ja nicht tun.

Das gelang so gut, dass schon nach der ersten SC-Saison der amtierende Meister Borussia Dortmund anklopfte …

Heinrich:  Es war für einen jungen Spieler natürlich eine Riesenchance, zur damaligen Nummer eins in Deutschland zu wechseln. Aber der SC hatte sich in der Vorsaison durch einen fantastischen dritten Platz für den Europapokal qualifiziert, Trainer und Team wollten mich unbedingt weiter dabei haben. Also blieb ich, …

… bis das kurze Europa-Abenteuer des Sport-Club rum war.

Heinrich: Im Winter wechselte ich nach Dortmund. Viele SC-Fans dankten mir für die anderthalb Jahre, wünschten mir viel Glück. Andere nahmen mir den Wechsel krumm. Dafür hatte ich auch Verständnis, aber für mich war die Chance, zu wechseln, einmalig – auch das musste man verstehen.

Und so wurden Sie direkt in jenem Sommer 1996 noch Deutscher Meister. Und ein Jahr später folgte die Krönung mit dem Titel in der Champions League.

Heinrich: Leider gelang es dem BVB in der Saison 1996/97 nicht, zum dritten Mal in Folge Deutscher Meister zu werden, aber dafür holten wir mit dem Champions-League-Sieg auch einen ganz besonderen Titel. Im Viertelfinale besiegten wir AJ Auxerre, im Halbfinale Manchester United. Im Finale ging es gegen den Titelverteidiger. Juventus Turin war sicherlich favorisiert, die „Alte Dame“ hatte fantastische Spieler in ihren Reihen: Stürmer Christian Vieri, Zinédine Zidane, Didier Deschamps, Alessandro Del Piero, an der Seitenlinie Trainer Marcello Lippi.

Der Borussia-Kader musste sich aber auch nicht verstecken …

Heinrich: Mit Stefan Klos, Jürgen Kohler, Matthias Sammer, Stephan Chapuisat, Karl-Heinz Riedle und vielen anderen hatten wir auch wahnsinnige Qualität auf dem Platz. Im Finale war unser großer Vorteil, dass Juve uns wohl doch ein wenig unterschätzte. Zur Pause führten wir mit 2:0, und im zweiten Durchgang hatten wir hier und da auch ein wenig Glück, dass Juve nur eine seiner vielen Großchancen nutzte. 20 Minuten vor Schluss gelang uns das 3:1 – und der erste Champions-League-Triumph in der Geschichte des Vereins war gesichert.

… und das ausgerechnet im Münchner Olympiastadion.

Heinrich:  Ein Jahr zuvor waren wir dort vorzeitig Meister geworden, am vorletzten Spieltag durch ein 2:2 bei 1860 München. 1997 dann der Triumph in der Champions League an gleicher Stelle – ein bedeutsamer Ort für mich.

Sie wurden Deutscher Meister, holten die Champions League, machten 37 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft.Welchen Anteil an diesen Erfolgen hat Ihre erste Profi-Station beim SC Freiburg?

Heinrich: Vor allem das Vertrauen der Trainer um Volker Finke war von großer Bedeutung. Sie waren überzeugt, dass sie einen Amateurligaspieler wie mich in sechs Wochen Trainingslager fit kriegen würden für die Bundesliga, stärkten mir nach schlechten Leistungen den Rücken. Sie unterstützten mich im Glauben, an der richtigen Stelle zu sein, gaben mir Spielpraxis. Dafür bin ich Finke und dem SC bis heute sehr dankbar.              

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift: Jörg Heinrich absolvierte nach seinem Wechsel vom SC Freiburg zum BVB im Winter 1996 wettbewerbsübergreifend 195 Pflichtspiele für die Schwarz-Gelben. Er wurde Deutscher Meister, gewann die Champions League. Heute ist Heinrich als Nachwuchstrainer für die Borussia aktiv.

 

 
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