Finaltraum platzt in der Verlängerung
In einer hochspannenden Halbfinalbegegnung im DFB-Pokal ist der Sport-Club dem VfB Stuttgart nach 120 Minuten mit 1:2 (1:0, 1:1) unterlegen. Maximilian Eggestein brachte den SC zwischenzeitlich in Führung.
Bis tief in die Verlängerung hatten die Breisgauer alles gegeben, sich in jeden Zweikampf geworfen, gegen die schweren Beine angekämpft – nur um in der 119. Minute doch noch den späten Gegentreffer zu kassieren, der die Hoffnungen auf das Finale in Berlin spät beendete. Dass nach Spielende die hängenden Köpfe dominierten, war angesichts des Spielverlaufs mitsamt aberkanntem regulärem Tor nur allzu verständlich.
„Es ist hart, dass die Reise im DFB-Pokal so endet“, stellte auch Julian Schuster einige Minuten später fest, hob anschließend aber die für ihn positiven Aspekte des Abends hervor: „Es war für mich heute der nächste Schritt in unserer Entwicklung, dass wir diese Leistung gegen diesen Gegner und dieses Stadion abrufen konnten. Dieser Abend wird uns stärker machen! Es ist erlaubt zu trauern, aber danach geht es mit mehr Selbstvertrauen und Kraft an die nächsten Aufgaben.“
Wieder mit Müller im Tor
Bereits im Vorfeld der Begegnung hatte Julian Schuster bekannt gegeben, dass wie in den vorherigen Pokalrunden Florian Müller anstelle von Noah Atubolu das Freiburger Tor hüten würde. Neben der Rotation auf der Torwartposition nahm das Trainerteam der Breisgauer im Vergleich zum Heimsieg gegen Heidenheim fünf Wechsel vor: Philipp Treu, Philipp Lienhart, Jordy Makengo, Niklas Beste und Yuito Suzuki starteten für Lukas Kübler, Bruno Ogbus, Christian Günter, Derry Scherhant und Lucas Höler.
Der VfB Stuttgart – am Wochenende beim alten und neuen deutschen Meister aus München unterlegen – wartete mit vier Änderungen in der Startelf auf. Anstelle von Tiago Tomás, Bilal El Khannouss, Finn Jeltsch und Josha Vagnoman begannen Maximilian Mittelstädt, Deniz Undav, Ermedin Demirovic und Nikolas Nartey.
Hitziger Beginn
Wie bereits in den Vorwochen häufig gesehen, startete der Sport-Club auch in das Derby um den letzten verbliebenen Finalplatz mutig und giftig. Ähnlich ambitioniert gingen die Gastgeber, bei denen Undav einen ersten Warnschuss aus der Distanz deutlich über das Tor setzte, in den Anfangsminuten zu Werke.
Angeheizt von den beiden Fanlagern entwickelte sich eine Begegnung, in der Schiedsrichter Tobias Welz schnell alle Hände voll zu tun hatte und frühe Gelbe Karten an Makengo, Johan Manzambi sowie Nartey und Josha Leweling verteilte. Dass der Unparteiische dem Sport-Club nach einem Kontakt an Maximilian Eggestein im Sechzehner einen Strafstoß verwehrte sorgte ebenfalls für Diskussionen (17.).
Eggestein trifft zur Führung
Nach guten zwanzig Minuten ließ sich festhalten, dass der Sport-Club zwar gut in der Partie war, es aufgrund der zahlreichen Unterbrechungen aber kaum Phasen gab, in denen Spielfluss aufkam. Dass der Freiburger Führungstreffer nach einer Standardsituation fiel, war daher fast folgerichtig. Eine Ecke von Niklas Beste erreichte am langen Pfosten Matthias Ginter, dessen Kopfball Eggestein am Fünfer mit dem langen Bein im Tor unterbrachte (28.).
Der ohnehin euphorisierte Freiburger Anhang, der die Mannschaft vor Spielbeginn mit einer „Unser Team – unser Traum“ betitelten Choreografie aufs Feld geschickt hatte, feierte das 1:0 ausgelassen. Ganze 6.000 Breisgauer hatten der späten Anstoßzeit an einem Arbeitstag getrotzt und sahen auch nach der Führung ein clever verschiebendes Gästeteam, dass bis tief in den ersten Durchgang keine echte gegnerische Torchance zuließ.
Erst in der 40. Minute sorgte Demirovic mit einer Volleyabnahme aus 15 Metern knapp über die Latte für erste Stuttgarter Torgefahr. Da zudem Igor Matanovic gegen den einschussbereiten Undav nach bereits deutlich abgelaufener zweiminütiger Nachspielzeit kurz vor der Linie blocken konnte, ging es mit der knappen Führung in die Kabinen.
Suzuki verpasst, Undav trifft im Gegenzug
Wenige Minuten nach Wiederanpfiff geriet das Freiburger Tor abermals unter große Bedrängnis. Nach einem gut getimten Querpass durch den Fünfer stand Chris Führich am langen Pfosten völlig blank, verpasste den sicher geglaubten Ausgleich aber um einen halben Meter (48.).
Zwar spielte der Sport-Club gegen die anrennenden Schwaben weiterhin gut mit und hatte seine Offensivaktionen, musste Mitte der zweiten Halbzeit aber zwei weitere Schreckmomente überstehen. Rettete Müller zunächst noch stark auf der Linie gegen Stiller (60.), war der Keeper beim nächsten Abschluss des Mittelfeldmannes geschlagen (62.). Da Demirovic bei der Entstehung des Treffers im Abseits gestanden war, währte der Jubel der Gastgeber nur kurz.
Der Ausgleich in der 70. Minute war angesichts der Chancendichte für den VfB daher zwar nicht unverdient, dass er durch eine Freiburger Großchance eingeleitet wurde, aber umso ärgerlicher. Nachdem Suzuki aus kürzester Distanz am für seinen Torwart rettenden Jeff Chabot scheiterte, ließ Undav Müller am Ende des folgenden Konters mit einem Schuss ins lange Eck keine Chance.
Zehn Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit stellten sich wohl nicht wenige Fans im Gästeblock die Frage, wie lange die Kräfte der Breisgauer nach den zehrenden englischen Wochen noch ausreichen würden. Zumal der amtierende Pokalsieger dem zweiten Treffer näher und der SC bei Lienharts beinahe-Eigentor (83.) mit dem Pfosten im Bunde war.
Höler wird zurückgepfiffen
Zweimal musste Müller in der Nachspielzeit noch stark reagieren, bevor Welz die beiden Teams in die Verlängerung schickte – die mit einem Aufreger beginnen sollte. Suzuki schickte Höler in die Tiefe, der sich im Laufduell mit Chabot robust durchsetzte und frei vor Nübel zum vermeintlichen 2:1 traf. Dass der Unparteiische dem Treffer wegen eines Stürmerfouls die Anerkennung verweigerte, erzürnte Spieler wie Trainerteam der Breisgauer zurecht. „Luci setzt seinen Körper ganz normal ein. Wir haben ein reguläres Tor geschossen“, ärgerte sich Schuster im Nachhinein.
Zeit, die Szene zu verarbeiten, blieb nicht, da Führich das Kunstleder im Eins-gegen-Eins mit Müller an den Pfosten setzte (96.) und der Keeper wenige Zeigerumdrehungen später mit einem tollen Reflex gegen den durchgebrochenen Bilal El Khannouss rettete (103.).
Die letzten 15 Minuten der Verlängerung wurden aus Freiburger Perspektive zum Abwehrkampf. Entlastung gab es kaum noch, stattdessen galt es Angriffswelle um Angriffswelle auf das Freiburger Tor im Kollektiv zu verteidigen. Lange Zeit hielt die Defensive dem Druck stand, bevor Tiago Tomás den Finaltraum mit seinem Treffer zum Platzen brachte.
David Hildebrandt
Foto: SC Freiburg
Stenogramm
| Aufstellung VfB Stuttgart: Nübel - Hendriks (98., Jaquez), Chabot, Mittelstädt - Leweling, Karazor, Stiller, Führich (118., Bouanani) - Nartey (63., El Khannouss), Demirovic (91., Tiago Tomas), Undav (118., Vagnoman) | |
| Trainer: Sebastian Hoeneß | |
| Bank: Bredlow, Assignon, Zagadou, Chema | |
| Aufstellung SC Freiburg: Müller - Treu (113., Ogbus), Ginter, Lienhart, Makengo (102., Günter) - Beste (102., Kübler), Eggestein, Manzambi, Grifo (71., Scherhant) - Suzuki, Matanovic (84., Höler) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Atubolu, Höfler, Irié, Philipp | |
| Tore: 0:1 Eggestein (28.), 1:1 Undav (70.) | |
| Gelbe Karten: Nartey, Leweling, Hendriks, Tiago Tomás - Makengo, Manzambi, Grifo, Höler | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichter: Tobias Welz | |
| Zuschauer/innen: 60.000 (ausverkauft |
