Vier Schweizerinnen in Österreich – ein Interview
Amira Arfaoui, Lorena Barth, Alena Bienz und Julia Stierli bilden die Schweizer Fraktion bei den SC-Frauen. In Österreich haben wir mit ihnen über die Vorbereitung, das Trainingslager und neue Eindrücke gesprochen.
Am vergangenen Samstag war in der Schweiz Nationalfeiertag. Ihr aber musstet in Österreich mit vielen Deutschen gemeinsam für eure Vorbereitung schuften. Wie schlimm war’s?
Amira Arfaoui: (Schmunzelt) Nicht so schlimm.
Julia Stierli: Der Tag hat in der Schweiz schon eine große Bedeutung. Ich glaube, im Vergleich zu Österreich und Deutschland wird der Tag deutlich mehr gefeiert.
Alena Bienz: Für die Schweiz ist der 1. August schon ein wichtiger Tag, aber es ist jetzt auch nicht so schlimm, wenn man ihn hier verbringt (lacht). Ist ja auch ganz schön in Schruns.
Seid ihr als Schweizer Fraktion auch unabhängig vom heutigen Interview schonmal in dieser Viererkombination zusammengesessen?
Amira Arfaoui: Nur zu viert ist das jetzt das erste Mal. Aber auch ganz schön!
Julia, du kennst von euch vieren den SC mittlerweile am besten. Musstest du unsere beiden Neuzugänge nochmal extra einlernen – zum Beispiel auf Schweizerdeutsch?
Julia Stierli: In den vergangenen Jahren waren ja noch ein paar andere Schweizerinnen da, da hat sich vieles auf vielen Schultern verteilt. Amira und Lorena sind zwei sehr selbstständige und offene Charaktere, dass es da gar nicht viel Hilfe gebraucht hat.
Amira Arfaoui: Aber Julia hat schon geholfen. Sie hat uns schon bei einigen Abläufen an die Hand genommen, das ist immer ganz angenehm, wenn man neu in ein Team kommt.
Amira, Lorena – ihr seid seit Sommer neu im Team. Wie ist denn nach rund fünf Wochen nun euer Eindruck?
Amira Arfaoui: Am Anfang ist es nie ganz so einfach. Aber hier in Freiburg haben es uns wirklich alle sehr leicht gemacht, sich gar nicht so neu zu fühlen. Oder, Lorena?
Lorena Barth: Total. Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt und schnell Anschluss gefunden.
Wie unterscheidet sich Freiburg denn von Bremen beziehungsweise Aarau?
Amira Arfaoui: Hier verspüre ich schon eine gewisse Lockerheit und Offenheit. Im Norden ist es etwas kühler, etwas distanzierter.
Lorena Barth: Es fühlt sich hier wirklich gut an. Ich hatte schon Respekt vor diesem Schritt: Das erste Mal alleine wohnen, im Ausland sein, ein neues Team kennenlernen. Aber alle waren von Anfang an sehr offen. Es ist schön, hier sein zu dürfen.
Fühlt es sich denn in Freiburg wie im Ausland an?
Amira Arfaoui: Für mich nicht. Bei meinen Stationen in Leverkusen und Bremen schon eher. Mit Freiburg bin ich aber so nah an meiner Heimat dran, dass es sich schon ein bisschen wie zu Hause anfühlt.
Lorena Barth: Ich muss mich ein bisschen korrigieren und kann mich Amira anschließen: Die Distanz nach Hause ist nicht so groß, es ist alles schon recht ähnlich.
Alena Bienz: Ähnlich trifft es gut. Auch landschaftlich und von der Mentalität her, fühlt es sich in Freiburg einfach nah an der Heimat an.
Julia Stierli: Ich sage immer gerne, es ist wie eine „Ausland-light-Version“ (alle lachen).
Die Zeit im Trainingslager soll ja auch immer nochmal enger zusammenschweißen. Merkt ihr davon schon was?
Alena Bienz: Man merkt das schon auch auf dem Platz. Wir hatten jetzt viel Zeit miteinander, einige taktische Besprechungen. Die Rädchen greifen immer mehr ineinander. Daher würde ich schon sagen, dass wir einen Step gemacht haben, auch als Mannschaft.
Julia Stierli: Wir sitzen auch abends viel zusammen, spielen gemeinsam Spiele.
Amira Arfaoui: Das verbindet dich. Du isst auch täglich drei Mal zusammen, sprichst dabei auch mal über andere Themen. All das trägt dazu bei, dass wir enger zusammenwachsen.
Lorena Barth: Generell sind wir ja fast 24 Stunden am Tag zusammen. Da lernst du dich automatisch besser kennen, ohne dass man zwingend nochmal über irgendwelche anderen Aktivitäten ins Gespräch kommen muss.
Was war denn bisher euer Highlight im Trainingslager?
Julia Stierli: Für mich war es das Rodeln beim gestrigen Teamevent. Das hat schon sehr viel Spaß gemacht.
Lorena Barth: Ganz unspektakulär: Die Spaziergänge nach dem Abendessen, wenn es dämmert und kühler wird. In der Natur sein, bisschen quatschen.
Amira Arfaoui: Wir haben uns gestern mit der gesamten Mannschaft zusammengesetzt und das Motto für unsere Saison besprochen. Das war mein Highlight.
Alena Bienz: Stimmt, da waren wir alle eine Einheit und jede hat sich eingebracht.
Wird das Motto verraten?
Julia Stierli: Nein, das bleibt intern (schmunzelt).
Lasst uns mal ein bisschen über euch sprechen… Wie würdet ihr denn Alena charakterisieren?
Julia Stierli: Ich schätze Alena als Mensch sehr. Sie ist nicht die lauteste, bereichert ein Team aber ungemein. Sie ist eine Person, der man immer vertrauen kann und die einer Mannschaft eine gewisse Stärke gibt.
Lorena Barth: Sie bringt immer gute Laune mit, ich habe sie noch nie schlecht drauf gesehen. Ihr Lachen steckt an, man kann gut mit ihr reden.
Und was zeichnet Lorena aus?
Julia Stierli: Ich habe dich als sehr schlauen Menschen kennengelernt.
Alena Bienz: Da muss man anmerken: Sie ist hochintelligent (schmunzelt). Davon bin ich überzeugt.
Julia Stierli: Es tut uns sehr gut, wenn wir auch mit Leuten über den Fußball hinaus sprechen können und das kann man mit Lorena auf jeden Fall. Sie ist generell eine sehr reife und lustige Person.
Wie sieht’s bei Julia aus?
Alena Bienz: Julia bringt auf wie neben dem Feld eine Ruhe in unsere Mannschaft, die uns extrem guttut. Wenn sie im Raum ist, weiß man einfach, dass alles gut ist. Sie ist ein herzensguter Mensch.
Amira Arfaoui: Sie hat eine sehr feine, schöne Art. Ich glaube es gibt niemanden, der mit Julia Stress haben könnte. Sie will das Beste für alle und gibt immer das Beste. Sie meint es immer gut, das spürt man.
Und was sagt ihr über Amira?
Julia Stierli: Amira ist eine total offene Person, die mit jedem gut kann. Sie ist wie so ein Verbindungselement im Team, was ich schon jetzt nach wenigen Wochen sehr schätze. Sie hat sich extrem schnell eingefunden und ist eine totale Bereicherung für uns.
Lorena Barth: Da kann ich mich nur anschließen, genau so habe ich das nämlich auch wahrgenommen. Ob junge oder erfahrene Spielerin, jede kommt mit Amira gut klar.
Alena Bienz: Wir kennen uns schon seit unserer Jugendzeit im Schweizer Ausbildungszentrum. Mit Amira kann man sich einfach über Gott und die Welt unterhalten. Und gleichzeitig bringt sie gute Stimmung mit.
Klingt ja insgesamt nach einer sehr ausgewogenen Mischung. Die braucht’s ja auch, um in der Bundesliga zu bestehen. Worauf liegt denn der Fokus in den verbleibenden Trainingslager-Tagen?
Julia Stierli: Mit Nürnberg wartet am Donnerstag der erste Test gegen einen Bundesligisten. Das Spiel wird zeigen, wo wir wirklich stehen. Die Vorbereitungsspiele zuvor waren zwar gut, um sich einzuspielen und in die Abläufe zu kommen, die Ergebnisse wissen wir aber schon richtig einzuschätzen.
Gibt’s Ziele, die ihr euch als Schweizer Quartett für die neue Spielzeit vornehmt?
Amira Arfaoui: Wir wollen schon besser als in der vergangenen Saison abschneiden und andere Klubs hinter uns lassen, damit wir nicht unten mitspielen. Persönlich habe ich zuletzt nicht so viele Tore geschossen, daran will ich auf jeden Fall arbeiten.
Alena Bienz: Als Offensive ist es unsere Aufgabe zu scoren. Ich persönlich nehme mir keine Anzahl an Toren oder Vorlagen vor, weil mich das eher unter Druck setzt. Aber ich will dennoch den nächsten Schritt gehen und mich verbessern, um dem Team zu helfen.
Wie ist eure Stimmungslage gegen Ende der Vorbereitung?
Amira Arfaoui: Der Ligastart rückt immer näher. Ich freue mich darauf, weil es immer das Schönste ist, wenn die Liga beginnt und es endlich wieder um Punkte geht. Ich bin mir sicher, dass wir die kommenden beiden Wochen noch gut nutzen werden, um bestmöglich für das erste Spiel in Hamburg vorbereitet zu sein.
Julia Stierli: Wir haben als Team gut zusammengefunden, es macht auf jeden Fall Spaß. Es gibt allerdings auch noch ein bisschen was auf dem Platz zu tun.
Interview: Niklas Batsch
Foto: SC Freiburg
