Ausgliederung der Frauen-Bundesliga bestätigt
Auf dem Außerordentlichen DFB-Bundestag haben die Delegierten die vertraglichen Regelungen zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), der DFB GmbH & Co. KG und dem FBL e.V. zur neuen Trägerschaft der Google Pixel Frauen-Bundesliga einstimmig bestätigt.
Mit dem Grundlagenvertrag und dem Pachtvertrag regeln der DFB, die DFB GmbH & Co. KG und der Frauen-Bundesliga FBL e.V. die künftige Organisation der höchsten Frauenfußball-Liga in Deutschland. Die Vereinbarung gilt vom 1. Juli 2027 bis zum 30. Juni 2034 und überträgt dem FBL e.V. die Verantwortung für die Ausrichtung, Durchführung und Vermarktung der Frauen-Bundesliga. Das neue Modell orientiert sich in seinen Grundzügen an der Struktur im Männerfußball im Verhältnis zwischen DFB und Bundesliga. Anders als dort verbleibt die 2. Frauen-Bundesliga unter dem Dach des DFB.
Ein wesentlicher Punkt der Vereinbarungen ist das Zusammenwirken und die Stärkung der Verbindung zwischen FBL, Nationalmannschaften und Nachwuchsförderung. So verpflichtet der FBL e.V. seine Vereine zur Abstellung von Spielerinnen für die Frauen- und Juniorinnen-Nationalmannschaften sowie zur Mitwirkung an Vermarktungsmaßnahmen der Nationalteams. Im Gegenzug dafür zahlt die DFB GmbH & Co. KG jährlich 1,4 Millionen Euro an den FBL e.V. In Jahren mit Frauen-Europameisterschaften oder -Weltmeisterschaften erhöht sich der Betrag um 200.000 Euro. Zudem wird der FBL e.V. mit 50 Prozent an einem möglichen wirtschaftlichen Überschuss aus den Endturnieren der A-Nationalmannschaft der Frauen beteiligt.
Die vertraglichen Regelungen stellen zudem sicher, dass erhebliche Mittel in die Nachwuchsförderung fließen. Für zertifizierte Leistungszentren im Frauen- und Mädchenfußball sagt die DFB GmbH & Co. KG je Verein jährlich mindestens 100.000 Euro zu. Hinzu kommen jährlich 500.000 Euro für die gezielte Förderung junger Spielerinnen durch Einsätze in der Frauen-Bundesliga.
Der FBL e.V. bekennt sich seinerseits im Rahmen der Verträge zur Solidarität mit dem Amateur- und Breitenfußball. Der FBL e.V. wird einen Pachtzins in Höhe von 3 Prozent der Medienerlöse entrichten. Darüber hinaus wird die FBL 1 Prozent der Medienerlöse für Ausbildungsentschädigungen an die ausbildenden Vereine bereitstellen. Zudem werden ab der Spielzeit 2030/2031 Spielabgaben in Höhe von 1,5 Prozent an die Regional- oder Landesverbände geleistet sowie der Masterplan Amateure wirtschaftlich unterstützt.
Die Inanspruchnahme des Schiedsrichterwesens bei den Spielen der Frauen-Bundesliga erfolgt auf der Grundlage einer gesonderten Vereinbarung zwischen FBL e.V. und der DFB Schiri GmbH. Die Parteien sind sich dabei darüber einig, dass die Kosten für das Schiedsrichterwesen grundsätzlich vollständig von den Vereinen der Frauen-Bundesliga zu tragen sind. Vor dem Hintergrund notwendiger Investitionen in die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens vereinbaren die Vertragsparteien abweichend von diesem Grundsatz, dass die Kosten des Schiedsrichterwesens der Frauen-Bundesliga während der Vertragslaufzeit anteilig auch von der DFB GmbH & Co. KG degressiv mitfinanziert werden. Der DFB unterstützt so den Aufbau eines professionellen Schiedsrichterinnenwesens für die Frauen- Bundesliga.
Stimmen zur Ausgliederung
DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich: "Die Ausgliederung der Google Pixel Frauen Bundesliga entspricht dem Wunsch der Vereine und des FBL e.V. Diesem Wunsch sind die Delegierten heute nachgekommen, und das begrüße ich sehr. Mein Dank gilt auch all denjenigen, die sich in den vergangenen Jahrzehnten an der Entwicklung der Frauen-Bundesliga aktiv beteiligt haben und sie zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Der DFB wird den Frauenfußball in Deutschland weiter mit großer Kraft fördern, unter anderem durch eines der größten Investitionspakete in seiner Geschichte von rund 100 Millionen Euro für unterschiedlichste Bereiche des Frauenfußballs, von der Basis bis zur Spitze."
FBL-Präsidentin Katharina Kiel: "Die heutige Entscheidung ist ein starkes Signal für den Frauenfußball in Deutschland. Wir danken den Delegierten für ihr Vertrauen. Für uns ist damit ein klarer Auftrag verbunden: Wir werden die Frauen-Bundesliga sportlich und wirtschaftlich erfolgreich weiterentwickeln und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Wurzeln der Frauen-Bundesliga liegen im DFB. Die neue Eigenständigkeit werden wir mit klarem Gestaltungsanspruch nutzen und die Entwicklung der FBL konsequent vorantreiben."
DFB-Präsident Bernd Neuendorf: "Ich bin sicher, dass mit dem heutigen Votum der Delegierten alle Klubs und die Verantwortlichen des FBL e.V. den Weg der Professionalisierung der Frauen-Bundesliga konsequent weitergehen werden. Das Miteinander der Akteure war in der Vergangenheit gerade auch im Frauenfußball eine Voraussetzung für dessen stetige Entwicklung. So soll und wird es in Zukunft auch im Zusammenspiel zwischen dem FBL e.V. und dem DFB sein. Die Ausgliederung der Google Pixel Frauen Bundesliga kann helfen, deren Potenzial noch besser auszuschöpfen. DFB e.V. und DFB GmbH & Co. KG werden auch in Zukunft ihren Teil dazu beitragen, den Frauen- und Mädchenfußball in Deutschland umfassend und nachhaltig zu fördern."
DFB-Generalsekretär Dr. Holger Blask: "Die heute geschlossenen Verträge stellen die organisatorische und wirtschaftliche Grundlage zwischen DFB und FBL e.V. dar. Der DFB unterstützt die Professionalisierung des nationalen Frauenvereinsfußballs erheblich. Die FBL bleibt ihrerseits vergleichbar der Bundesliga der Männer auch weiterhin fest in das Gesamtsystem des deutschen Fußballs eingebunden und bekennt sich im Rahmen der Verträge auch wirtschaftlich zur Solidarität mit dem Amateur- und Breitenfußball. Die Ligapräsidentin wird im DFB-Präsidium vertreten sein. Mit Blick auf die Zusammensetzung der weiteren Gremien haben wir vereinbart, die Erfahrungen mit der neuen Struktur auszuwerten und bis zum Ordentlichen DFB-Bundestag 2029 einen ergebnisoffenen Prozess zu führen, der die Belange der FBL, aber auch die berechtigten Interessen und Stimmenverhältnisse der Regional- und Landesverbände berücksichtigen wird."
Foto: Achim Keller
