Mit Kunstfasern zu mehr Stabilität

Hybridrasen im Europa-Park Stadion

Verein
28.07.2026

Das Europa-Park Stadion hat einen neuen Rasen - mit Kunstoffanteil. Greenkeeper Florian Haeber erklärt, warum der Sport-Club sich nun auch für Hybridrasen entschieden hat und wie der Kunststoffanteil in den Boden kommt. 

Seit dem 21. Juli herrscht im Innenraum des Europa-Park Stadions Hochbetrieb. Traktoren, Bagger und andere Maschinen zur Bearbeitung des Spielfeldes fahren auf und ab. Ständig waren neue Farben auf dem Spielfeld zu sehen. Von grün zu dunkelbraun zu sandfarben, zurück zu braun und schließlich wieder zu grün. Im ersten Schritt wurde der alte Rasen abgetragen, der Platz für den neuen Belag vorbereitet und schließlich der Rollrasen verlegt. Dieser kommt aus der Slowakei. "Wir haben mit dem Rasen in den vergangenen Jahren gute Erfahrungen gemacht und ihn deshalb wieder dort bestellt", sagt Haeber. 

Der Greenkeeper beobachtet den entscheidenden Schritt beim Verlegen des Hybridrasens. Mit einer speziellen Stitching-Maschine werden die Kunstfasern in den Naturrasen eingesetzt. Alle drei Zentimeter werden die Fasern wie von einer großen Nähmaschine in den Boden eingestochen. "Stitchen" nennt sich der Vorgang, erklärt Florian Haeber. Fachpersonal der italienischen Firma Verdemix stellt die Maschine ein und beobachtet das Stitchen Tag und Nacht, bis die 8000 Quadratmeter Rasenfläche vollständig gesticht ist. Haeber erläutert, wie der Prozess funktioniert und nennt die Gründe für den Wechsel zu Hybridrasen.

25 Heimspiele hat der Sport-Club in der vergangenen Saison im Stadion absolviert – wie viel hält ein Fußballrasen aus und wie entscheidend ist der Boden, auf dem der Rasen wächst?

Florian Haeber: Ein Fußballrasen ist robust und hält viel aus. Entscheidend ist dabei aber auch, wie viele Tage zwischen den Spielen liegen. Wir hatten in der vergangenen Saison das Glück, in der kalten Jahreszeit nicht viele dicht aufeinanderfolgende Spiele zuhause zu haben. Der Rasen hatte damit immer wieder Zeit, sich zu regenerieren. Zur Unterstützung in den Wintermonaten haben wir außerdem die Beleuchtungseinheiten aufgestellt, die im Winter durch das Licht die Photosynthese der Pflanzen unterstützen.

Warum Hybridrasen, was sind die Unterschiede zum Naturrasen?

Haeber: Wir sind in Bezug auf die Spielfläche im ständigen Austausch mit dem Trainerteam und der Mannschaft und in den vergangenen Jahren war Naturrasen für uns die richtige Wahl. Dennoch haben wir das Verhalten des Untergrunds natürlich beobachtet. Hybridrasen ist deutlich belastbarer als Naturrasen. Gerade in den Sommermonaten, in denen wir beim Naturrasen immer mal wieder Probleme mit dem Wurzelwachstum hatten, ist Hybridrasen von Vorteil. Das Gemisch aus Naturrasen und Kunststofffasern macht den Rasen in den heißen, aber auch in den kalten Monaten pflegeleichter. Die Kunststofffasern des Hybridrasen, die drei bis fünf Prozent ausmachen, werden in 12 bis 13 Zentimetern Tiefe in den Boden eingearbeitet und unterstützen somit die Stabilität des Naturrasens im Boden. Hybridrasen vereint die Spieleigenschaften und Nachhaltigkeit von Naturrasen mit der Strapazierfähigkeit von Kunstrasen.

Wie funktioniert das Einsetzen der Fasern?

Haeber: Auf dem Naturrasen werden die Kunstfasern alle drei Zentimeter zwölf Zentimeter tief in den Boden eingearbeitet. Eine große Maschine sticht die Fasern in den Naturrasen ein. Sechs Fasern sind an einem Strang gebündelt und werden von der Maschine nach unten gedrückt, so dass am Ende ein kleiner Büschel entsteht, der etwa zwei Zentimeter aus dem Boden herausteht. Diese Fasern unterstützen dann die natürliche Pflanze und geben ihr mehr Stabilität. 

Warum stellt der SC als einer der letzten Vereine in der Bundesliga auf Hybridrasen um?

Haeber: Bislang hat Naturrasen für uns in Freiburg immer gut funktioniert und wir haben beobachtet, ob sich Hybridrasen durchsetzt und bewährt. Daraufhin haben wir entschieden, dass dieser Belag auch für uns eine gute Option sein kann. 15 von 18 Bundesligisten spielen bereits auf einem Hybridrasen, die Mannschaft kennt diesen Belag bereits von Auswärtsspielen und hat uns das Feedback gegeben, dass die Plätze sehr gut zu Bespielen sind. Die Spieler merken also auch einen Unterschied und tatsächlich ist die Ebenflächigkeit auf Hybridrasen deutlich stabiler als auf Naturrasen. Egal zu welcher Jahreszeit: der Rasen bleibt stabil und eben. Dadurch rollt der Ball schneller, das Spiel wird etwas schneller und manche Situationen können besser eingeschätzt werden. Beim Hybridrasen entstehen nicht so tiefe Löcher in stark frequentierten Bereichen, wie zum Beispiel dem Fünfmeterraum.

Wie ist der Austausch mit dem Trainerteam, der Mannschaft bezüglich des Rasens?

Haeber: Im Grunde ist Julian Schuster unser erster Ansprechpartner und der Austausch mit ihm funktioniert sehr gut. Als ehemaliger Spieler kann er gut beurteilen, welche Anforderungen für einen guten Fußballplatz erfüllt werden müssen. So bekommen wir im Greenkeeper-Team auch mit, wenn die Schnitthöhe angepasst werden soll oder andere Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Manchmal bekommen wir aber auch Rückmeldung von den Spielern oder wir fragen nach, ob die Mannschaft mit den Plätzen zufrieden ist.

Interview: Isabel Betz

Foto: SC Freiburg

 
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