In Erinnerung an Franz-Karl Opitz: Der Beginn einer Liebe

Verein
29.07.2026

Der Sport-Club trauert um Franz-Karl Opitz. Einer der ersten Dauerkartenbesitzer ist im Alter von 79 Jahren verstorben. Im Stadionmagazin Heimspiel erinnerte sich der leidenschaftliche SC-Fan vor zwei Jahren an den zarten Beginn seiner großen Liebe. Und wir erinnern an Franz-Karl Opitz.

Unter den Zuschauern im Hintergrund bin ich sicher nicht. In meinem Tagebuch findet sich nicht nur dieser Ausschnitt aus der Badischen Zeitung, sondern ist zum 19. Oktober 1974 auch vermerkt, dass ich beim damals mit Spannung erwarteten Spiel zwischen dem SC Freiburg und dem Freiburger FC wegen des Dauerregens eine Tribünenkarte kaufte. Nebenbei ist somit außerdem verbürgt: Das allererste SC-Spiel von den über 900, die ich bis heute besucht habe, war jenes Freiburg-Derby 1974. Es war zudem das erste Punkte-Derby nach 25 Jahren.

Nach so langer Zeit als renommierter Zweitligist war nämlich der FFC, der Bessere-Leute-Club, überraschend in die Amateurliga Südbaden abgestiegen, wo der kleine SC, verschrien als Proletenverein, seit 1949 herumdümpelte. Da das Dreisamstadion nur 2.000 Leuten Platz bot, beantragte SC-Präsident Achim Stocker, ins Unistadion ausweichen zu dürfen. Vor 4.000 zahlenden Zuschauern trennte man sich 1:1 – laut Badischer Zeitung ein schmeichelhaftes Ergebnis für den FFC, dessen Trainer kein Geringerer als Gyula Lóránt war, einstiger Abwehrchef der „goldenen Elf“ Ungarns, die den Fußball in den 50er-Jahren revolutioniert hatte.

Für den SC wirbelte, auf dem Foto links zu sehen, bereits der 19-jährige Reinhard „Bimbo“ Binder. Der wendige Techniker sollte das SC-Spiel bis 1984 mitprägen. Victor Dosipal rechts im Bild hatte ich schon 1969 spielen sehen, als der FFC den Aufstieg in die Bundesliga nur um zwei Tore verpasste. Als linksalternativ engagierter Student war ich da gerade frisch in Freiburg und ging wie jeder Fußballinteressierte der Stadt natürlich zum FFC.

Zum SC „konvertiert“ bin ich 1978: Der FFC war wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen, da zog der SC – was keiner erwartet hatte – tatsächlich nach. Die Aufstiegsrundenspiele im Dreisamstadion haben mich begeistert. Da dort aber kein Zaun das Spielfeld von den Rängen abgrenzte, mussten die folgenden Zweitliga-Heimspiele im Möslestadion des FFC austragen werden. Da kamen auch FFCler, die sich über die anfänglichen SC-Niederlagen amüsierten und ständig abfällige Kommentare machten: „Diese Gurkentruppe steigt doch eh wieder ab!“ und Übleres. Das hat mich so geärgert, dass ich mir sagte: „So, jetzt halte ich zum kleinen SC, jetzt erst recht!“

Als ich mir 1985 – der SC hatte den FFC inzwischen sportlich übertrumpft – eine Sitzplatz-Dauerkarte gönnen wollte, meinte Achim Stocker am Telefon: „Herr Opitz, kommen Sie doch einfach bei mir vorbei.“ Stockers Frau Hannelore hat mich dann im Wohnzimmer meinen Haupttribünenplatz aussuchen lassen. Mein sicher emotionalster SC-Moment kam dann 1994, als wir am letzten Spieltag der ersten Erstligasaison durch einen Sieg in Duisburg sensationell noch die Klasse hielten. Unter 12.000 SC-Fans war auch ich vor Ort. Es war das einzige Mal, dass ich beim Fußball vor Freude geweint habe. Führe ich mir die Geschichte, die ich mit dem SC seit jenem beiläufigen Anfang vor exakt 50 Jahren miterlebt habe, vor Augen – es ist einfach unglaublich.     

Aufgezeichnet von Timo Tabery

Mit Franz-Karl Opitz ist einer der leidenschaftlichsten SC-Fans seit dem Aufstieg aus der Amateurliga 1978 im Alter von 79 Jahren an Leukämie gestorben. Der Lehrer für Englisch und Französisch am Freiburger Wentzinger Gymnasium war 1985 sofort dabei, als der damalige Präsident Achim Stocker begann, in seinem Wohnzimmer die ersten Dauerkarten zu verkaufen. Die ungeteilte Begeisterung von Opitz für den SC nahm nie ab. Am Wochenende war sein Platz auf der Haupttribüne, im Block B im Dreisamstadion. Dass er sich vehement für den Bau eines neuen Stadions einsetzte, war für ihn selbstverständlich, brachte ihm jedoch im Viertel nicht nur Freunde ein. Das Auswärtsspiel beim FC St.Pauli  in diesem April hat er noch mit Bewunderung und mit Stolz auf seinen Verein erlebt. Gerne hätte er noch das Eröffnungsspiel der neuen Saison miterlebt, aber es war ihm nicht mehr vergönnt.

 
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