"Der SC Freiburg ist die Fußballschule"

Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Heinrich Breit im Gespräch

Verein
20.09.2026

In unserer Jubiläumsbroschüre zum 25-jährigen Fußballschulen-Jubiläum berichtet Dr. Heinrich Breit über die politische Anbahnung des Projektes Freiburger Fußballschule, seine Finanzierung und die Tragweite für den Verein. Ein Auszug aus dem Gespräch, das in voller Länge hier zu finden ist

Wir müssen versuchen, uns für einen Moment zurückzudenken in eine Zeit, in der der SC Freiburg, was seine wirtschaftlichen Möglichkeiten angeht, noch sehr wenig zu tun hatte mit dem Sport-Club von heute. 1993 ist er erstmals in die Bundesliga aufgestiegen, hat zwei Jahre darauf die erste UEFA-Cup-Qualifikation geschafft, stieg 1997 aber auch wieder ab und im Jahr darauf wieder auf. Im Jahr 1998 stößt Dr. Heinrich Breit dann als Schatzmeister neu zum vierköpfigen SC-Vorstand, der ehrenamtlich tätig ist, aber das operative Geschäft noch voll umfänglich verantwortet. Die damalige Strategie des Vereins konzipiert Dr. Breit schon mit: Der Sport-Club will sich unter den besten 20 Clubs des deutschen Fußballs festsetzen. Sprich: in der Bundesliga spielen oder im Vorderfeld der 2. Bundesliga, mit Blickrichtung Aufstieg. Realisiert werden soll das unter anderem über ein innovatives Projekt, das seiner Zeit voraus ist und nach seiner Fertigstellung den Namen erhalten wird: Freiburger Fußballschule.

Herr Dr. Breit, der Sport-Club investierte vor 25 Jahren für den Um- und Ausbau des Möslestadions zu einem Nachwuchsleistungszentrum modernen Zuschnitts zwischen 15 und 20 Millionen D-Mark. Das war für seine damaligen Verhältnisse eine ungeheuer große Summe, Medien spekulierten von mindestens der Hälfte seines Jahresumsatzes. Können Sie ein Bild finden, das die Dimension des Projektes illustriert?

Breit: Die Frage geht – entschuldigen Sie bitte – an den realen Verhältnissen von damals eigentlich vorbei. Über die sportlich sehr erfolgreichen Spielzeiten in den frühen 90er-Jahren hinweg, den sofortigen Wiederaufstieg 1998 eingeschlossen, war die Frage immer dieselbe: Wie kann der SC es schaffen, sich dauerhaft im Vorderfeld des deutschen Profifußballs zu etablieren? Andreas Rettig, der 1998 als erster Manager der SC-Geschichte zu uns gestoßen war, hat es mal so formuliert: „Es gibt zwei Möglichkeiten. Wir kaufen jeweils die Spieler, die wir uns leisten können, und hoffen, dass das ausreicht. Oder, zweite Möglichkeit: Wir bilden selbst Jugendliche aus, um mit denen, die es schaffen, Profis zu werden, unsere Vorgaben umzusetzen.“

„Make it or buy it“ war der Claim, den Rettig seinerzeit für diese Idee in Umlauf gebracht hat, die eigentlich der damalige Cheftrainer Volker Finke als Teil seines strategischen Plans kreiert hatte, den Sport-Club als ersten deutschen Verein ausdrücklich als Ausbildungsverein zu positionieren.

Als Vorstände hat uns damals vor allem die Idee hinter dem Konzept von Volker Finke überzeugt: Dass wir, im Gegensatz zu all den Standortnachteilen, die wir hatten, die Ausbildung junger Spieler genauso gut hinkriegen können wie andere. Oder vielleicht sogar noch ein bisschen besser, wenn wir den Fokus darauf legen. Um diese Idee umzusetzen, brauchten wir aber ein entsprechendes Gelände. Und außer dem Möslestadion gab es in Freiburg keine vorstellbaren Optionen.

Das Problem ist: Das „Mösle“, wie das Stadion im Osten der Stadt in Freiburg damals von vielen genannt wird, war einst für den Freiburger FC gebaut worden, über fast ein Jahrhundert der eigentliche Freiburger Traditionsverein. Der hatte es nach seiner Fertigstellung 1922 bezogen und in der Folge mit allen seinen Mannschaften durchgehend bespielt. In der öffentlichen Wahrnehmung sind das „Mösle“ und der FFC deshalb bis in die späten 90er-Jahre noch untrennbar verbunden. Jedes Gedankenspiel, das in eine andere Richtung zielt – schon gar in die des Erzrivalen SC Freiburg – gilt vielen in der Stadt als eine Art Frevel.

Herr Dr. Breit, wer hat sich damals getraut, das Möslestadion öffentlich als Ausbildungsstätte für den SC ins Spiel zu bringen?

Der FFC hat sich selbst ins Spiel gebracht. Durch seine wirtschaftliche Situation, die in der Stadt bekannt und auch im Gemeinderat immer mal wieder ein Thema war. Das Möslestadion gehört ja der Stadt und der FFC hatte bereits über einen längeren Zeitraum weder seine Pacht entrichten noch anderen Verpflichtungen aus dem Pachtverhältnis nachkommen können. Darüber hatten wir mit dem damaligen Freiburger Oberbürgermeister Rolf Böhme das ein oder andere Gespräch geführt. Natürlich war der Umgang mit dem FFC für die Stadt ein Politikum. Aber Böhme, ein gewiefter politischer Taktiker, sagte einfach: Ihr müsst das mit dem FFC hinkriegen, dann sind wir bereit, mit euch konstruktiv über neue Verträge für das Gelände zu sprechen. Bei dieser Vorgabe haben wir dann angesetzt.

Und wie?

Mit vielen Gesprächen, vielen Hintergrundtreffen, um herauszufinden, mit wem was und wie möglich wäre. All das war übrigens überwiegend das Werk von Andreas Rettig.

Andreas Rettig hat den FFC rumgekriegt?

Er hat in der Tat alle entscheidenden Verhandlungen mit dem FFC so erfolgreich geführt, dass es zu einem positiven Abschluss mit dem FFC kam. Zu einer Übereinkunft, mit der sich der FFC identifizieren konnte, und die gleichzeitig für uns finanziell tragbar war.

Und über diese Vereinbarung haben die vier SC-Vorstände dann am Rand des Sportplatzes in Heitersheim beratschlagt, während die U19 des Sport-Club dort ihre Heimspiele austrug?

Das ist wirklich ein sehr gutes Bild dafür, wie wir als Vorstand agiert haben und wie die infrastrukturellen Gegebenheiten für unserer Jugendmannschaften damals aussahen: Vorstandssitzungen haben wir zum Teil wirklich bei U19-Heimspielen in Heitersheim an der Seitenlinie gemacht. Darüber hinaus war unsere grundsätzliche Situation in der Stadt ja bekannt: dass alle unsere Jugendmannschaften und auch die Frauen und Mädchen auf fremden Plätzen spielten, weil das im Dreisamstadion nicht ging. Sogar der Hartplatz dort musste nach dem Aufstieg in die Bundesliga Zug um Zug in Parkmöglichkeiten umgewandelt werden. Was am Ende noch übrig blieb, war selbst für die Profis unzureichend. All das schrie damals wirklich nach einer neuen Lösung.

Zu dieser Lösung kommt es: Der FFC beißt in höchster finanzieller Not in den sauren Apfel und überlässt das Möslestadion – in Absprache und mit der Zustimmung von Stadt und Gemeinderat – dem Sport-Club. Im Gegenzug beseitigt der SC Freiburg finanzielle Altlasten des FFC. Und er saniert das komplett marode „Mösle“ und baut es zur Freiburger Fußballschule um und aus. Das Ergebnis findet bei der Eröffnung im September 2001 bundesweit Resonanz. „Was die machen, ist richtungsweisend“, sagt etwa Uli Hoeneß, der damalige Manager und heutige Ehrenpräsident des FC Bayern München. Nur der Freiburger FC kann nicht nachhaltig Kapital schlagen aus dem Deal. Im Gegenteil, hochfliegende sportliche Pläne scheitern, und die Sanierungsgelder des SC Freiburg sind schneller aufgebraucht als geplant.

Herr Breit, im Gegensatz zur Rechnung des FFC ist die des SC bei seiner freundlichen Übernahme des Möslestadions aufgegangen.

Weil wir es Stück für Stück angegangen sind, unzählige Male zusammensaßen, überlegt haben, wie wir was hinkriegen. Wesentlich für die Finanzierung war, dass wir uns immer neu fragten: Was können wir als Sport-Club von unseren im jeweiligen Jahr erwirtschafteten Überschüssen vor Steuern zur Finanzierung der Fußballschule nutzen? Wichtig und hilfreich war natürlich auch, dass wir – nach knallharten Verhandlungen, die bis an die Schmerzgrenze gingen – einen städtischen Zuschuss von fünf Millionen D-Mark erwirken konnten. Am Ende haben wir es damit geschafft, die Fußballschule aus den laufenden Etats der Jahre 1999, 2000 und 2001 zu finanzieren. Ohne einen Euro Kredit, ohne einen Euro Schulden.

Info: Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Freiburger Fußballschule veranstaltet der SC Freiburg am 26. und 27. September ein Jubiläumswochenende. Im Rahmen eines Tages der offenen Tür im Möslestadion sind Besuchende am Samstag, 26. September, herzlich zum Mitfeiern eingeladen. Die Entstehungsgeschichte und die Entwicklung der Fußballschule sowie ihre Besonderheiten können zudem vorab in der offiziellen Jubiläumsbroschüre nachgelesen werden, aus der auch der Ausschnitt dieses Textes stammt.

Zur Jubiläumsbroschüre

 
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