"Tradition bewahren und Zukunft gestalten"
Mit dem Vereinsrat beschreitet der SC Freiburg einen "Weg, den es bislang nicht gab". Im Gespräch erläutern der Vorsitzende, Marc Schmid, und seine Stellvertenden, Stefanie Renz und Markus Knobloch, die Aufgaben und Ziele des neuen Gremiums.
Bei der Mitgliederversammlung im vergangenen Oktober hat eine große Mehrheit dafür gestimmt, beim SC den Vereinsrat ins Leben zu rufen und fortan an die Stelle des Präsidentschaftsamtes und des Ehrenrates treten zu lassen. Herr Schmid, Frau Renz und Herr Knobloch, Sie repräsentieren das aus zwölf Personen bestehende neue Vereinsgremium als Vorsitzender respektive stellvertretende Vorsitzende. Wie würden Sie die Kernaufgabe des Vereinsrats beschreiben, und was ist im ersten halben Jahr geschehen?
Schmid: Unser satzungsgemäßer Auftrag ist es, Ansprechpartner für alle Mitglieder zu sein und ihre Anliegen zu bündeln. Auf dieser Grundlage wollen und sollen wir unseren Verein im Sinne einer gelebten Vereinskultur weiterentwickeln. Oder wie Steffi es einmal treffend formulierte: Tradition bewahren und Zukunft gestalten.
Knobloch: Und geschehen ist schon sehr viel. Zunächst haben wir uns konstituiert. Marc war, wie es die Satzung vorsieht, bereits von der Mitgliederversammlung zum Vorsitzenden des Vereinsrats gewählt worden. Steffi und ich wurden dann auf seinen Vorschlag hin von unseren Kolleginnen und Kollegen zu seinen Stellvertretenden gewählt. Und schließlich ging es auch darum festzulegen, wer von uns zwölf wo seine thematischen Schwerpunkte setzt. Wir hatten bereits eine zweitägige Klausurtagung und bislang vier ordentliche Sitzungen, an denen alle Zwölf teilgenommen haben.
Renz: Darüber hinaus hatten wir in unterschiedlichen Zusammensetzungen verschiedene Arbeitstreffen. Aber nicht nur innerhalb des Vereinsrates, sondern auch mit vielen Abteilungen des Vereins, die mit Themenfeldern befasst sind, die auch zu unserem Satzungsauftrag gehören. Zuvorderst mit der Mitgliederbetreuung. Regelmäßig haben wir uns auch mit der Fanbetreuung ausgetauscht, oft über ganz aktuelle, spieltagsbezogene Themen. Mit dem Team Nachhaltigkeit waren wir auch schon im Austausch und haben geschaut, wo wir zusammenarbeiten oder gemeinsame Projekte initiieren können.
Schmid: Und mit dem geschäftsführenden Vorstand sind wir auch regelmäßig im Gespräch. Gleichzeitig sind wir bei allen sich bietenden Gelegenheiten in den Dialog mit den Mitgliedern gegangen. Sei es am Rande von Vereinsveranstaltungen, bei Spielen der Frauen oder Nachwuchsmannschaften, Auswärtsspielen der Männer oder im Rahmen der Stadionrunde, die wir bei den Heimspielen im Europa-Park Stadion drehen.
Was hat es mit der Stadionrunde auf sich?
Renz: Nach der Mitgliederversammlung war klar, dass wir so schnell wie möglich ins Tun, in den Dialog mit den Mitgliedern kommen wollen. Im Stadion haben wir die glückliche Situation, dass viele Gruppierungen aus der aktiven Fanszene oder die FG (SC Freiburg Fangemeinschaft, Anm. d. Red.) bei den Heimspielen hinter der Südtribüne bereits feste Anlaufstellen etabliert haben. Diese haben wir vom Vereinsrat dann vor den Spielen aufgesucht, um mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Das wurde und wird sehr positiv aufgenommen, sodass wir unsere Runde zunächst auf die Osttribüne ausgeweitet haben und auch dort in den Dialog gehen. Als nächsten Schritt werden wir ab dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg eine Stunde vor Anpfiff auch hinter der Nordtribüne präsent sein.
Allein an Ihnen drei ist zu erkennen, wie groß die Bandbreite der SC-Mitglieder ist. Sie kommen aus der organisierten Fanszene, Herr Schmid, waren lange Jahre Vorsitzender der FG und zuletzt Mitglied des Aufsichtsrats des SC. Frau Renz hat ihre Wurzeln in der aktiven Fanszene, während Herr Knobloch, dessen Onkel Willi ein ehemaliger Spieler und ausgesprochen verdientes Vereinsmitglied war, quasi einer alteingesessenen SC-Familie entspringt.
Schmid: Das zieht sich durch das gesamte Gremium. Die Vielschichtigkeit unserer Mitglieder abzubilden, war ja auch der Wunsch und Auftrag der Mitgliederversammlung und ich glaube, dass wir zwölf schon sehr breit aufgestellt sind. Es ist aber auch unser Anspruch, dass sich alle SC-Mitglieder von uns vertreten fühlen.
Renz: Deswegen gehen wir auch proaktiv in den Dialog, und deshalb war es uns auch ganz wichtig, die Leute im Rahmen unserer ersten Info- und Dialogveranstaltung direkt einzubeziehen und zu Wort kommen zu lassen.
Dabei entstand das Gruppenfoto, dass Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Vereinsrat vor den komplett mit bunten Zetteln bestückten Stellwänden zeigt. Das sieht nach einer ausgesprochen kommunikativen Veranstaltung aus.
Knobloch: Die mit etwa 120 Personen – sehr zu unserer Freude – auch eine ausgesprochen gut besuchte Veranstaltung war ...
Renz: ... und für die wir das Format des Marktplatzes gewählt haben. Jede und jeder konnte sich vor den Themenwänden einbringen und mit anderen Mitgliedern und uns diskutieren. Da haben Menschen mit teilweise sehr unterschiedlichen Sichtweisen miteinander diskutiert, und wo es keinen Konsens gab, sich zumindest gegenseitig zugehört und die andere Sichtweise wahrgenommen.
Knobloch: Das ist ein ganz wichtiger Aspekt unserer Arbeit: Dass Personen mit ganz unterschiedlichen Interessenslagen miteinander in Kontakt kommen, die vorher vielleicht gar keine persönlichen Berührungspunkte hatten. Ich glaube, allein dadurch kann sehr viel Positives in Bewegung gesetzt werden.
Renz: Der Abend hat uns einen sehr guten Überblick darüber gegeben, welche Themen für die Mitglieder wichtig sind und woran wir arbeiten müssen, um die Vielfalt der Mitglieder abzubilden. Sehr wichtig ist dabei, dass die Leute nicht nur gehört werden, sondern auch verbindliche Rückmeldung bekommen, egal auf welchem Wege sie uns kontaktieren.
Die Bandbreite zwischen Kummerkasten für Alltägliches wie „an Stand xy ist immer die Wurst verbrannt“ und vereins- und gesellschaftspolitischen Themen dürfte hier recht groß sein. Schaffen Sie es tatsächlich, immer eine Rückmeldung zu geben?
Knobloch: Ja, weil alle von uns eine extreme Bereitschaft für die Aufgabe mitbringen, und weil wir uns so aufgestellt haben, dass jeder und jede von uns bestimmte Themenfelder verantwortlich betreut.
Der SC Freiburg besteht inzwischen aus über 80.000 Mitgliedern, mit weiterhin steigender Tendenz. Das ist eine große Ausgabe, die Sie da vor sich haben.
Renz: Ja, es ist arbeitsinteniv und ja, wir haben Respekt vor der Aufgabe, die uns die Mitglieder bei der Mitgliederversammlung anvertraut haben. Vor allem aber haben wir großen Spaß daran, uns dieser Aufgabe zu stellen. Denn wir wissen ja, dass sich diese 80.000 Menschen zusammengefunden haben, weil sie diesen Verein in irgendeiner Weise gut finden, hinter ihm stehen und sich wünschen, dass er erfolgreich ist. Das ist eine sehr positive Ausrichtung und, deshalb bin ich auch überzeugt davon, dass die positiven Aspekte weit überwiegen werden.
Schmid: Es ist eine extrem schöne Aufgabe. Der Verein gehört den Mitgliedern und wir sind dafür da, ihn zusammen zu unterstützen und weiterzuentwickeln. Unser Hauptanliegen muss es sein, so lange wie möglich als eingetragener Verein bestehen zu können. Und ich glaube, dass der Vereinsrat als Gremium die Wahrscheinlichkeit, dass wir noch lange ein e.V. bleiben können, weiter erhöht. Es ist ein Weg, den es bislang nicht gab, zwischen Wirtschaftsbetrieb mit klaren Verantwortlichkeiten in der Verwaltung und Vereinsleben. Und wir spüren überall eine sehr große Offenheit – sowohl in der Verwaltung als auch unter den Vereinsmitgliedern – diesen Weg für den Sport-Club erfolgreich zu gestalten.
Interview: Alexander Roth
Foto: Jasmyn Groschke
Per E-Mail (vereinsrat@scfreiburg.com) kann sich jede/r mit einem Anliegen direkt an den Vereinsrat wenden. Mehr Infos zum Vereinsrat – auch zu anstehenden Veranstaltungen – gibt es hier.
Bildunterschrift:Den Vereinsrat des SC Freiburg bilden (v.l.n.r.): Fabian Freiseis, Marc Schmid (Vorsitzender), Stefanie Renz (Stv. Vorsitzende), Günter Drescher, Gabi Furtwängler, Markus Knobloch (Stv. Vorsitzender), Hartmut Wilhelm, Klaus Steinwarz, Ilona Nann, Ute Willaredt, Udo Lay und Lea Ehinger (nicht auf dem Bild).
