Röhl: "Bin stolz auf die Mannschaft"
Am Mittwoch spielt der Sport-Club im Finale der Europa League gegen Aston Villa. Der vom SC nach England zum FC Everton ausgeliehene Merlin Röhl, mittlerweile Premier-League-Kenner, spricht im Interview über den Finalgegner des SC, wünscht seinen alten Teamkollegen Mut und den Pokal.
Hallo Merlin, du bist jetzt seit neun Monaten in England. Wie gefällt es dir und hast du dich gut eingelebt?
Merlin Röhl: Ich bin hier gut angekommen, habe in der Sprache Fortschritte gemacht und ein schönes Zuhause gefunden. Ich habe mich an den englischen Fußball gewöhnt, die kulturellen Unterschiede kennengelernt und auch an die Sprache gewöhnt. Hier in Liverpool sprechen die Engländer mit einem besonderen Akzent. Es hat ein paar Monate gedauert, mich anzupassen.
Du hast das Rückspiel gegen SC-Finalgegner Aston Villa (1:0-Sieg) über die volle Spielzeit erlebt, im Hinspiel beim 0:0 standest du 25 Minuten auf dem Platz. Was war der Schlüssel zum Sieg und kannst du Villa für uns einordnen?
Röhl: Das Hinspiel gegen Villa war mein allererstes Spiel im Trikot von Everton. Da habe ich den Gegner gar nicht so wahrgenommen, weil ich so voller Emotionen und Euphorie über meinen ersten Einsatz in der Premier League war. Als wir das Rückspiel im Januar gegen Aston Villa hatten, war ich angekommen und kann sagen, dass Villa ein Team ist, dass einen ganz klaren strukturierten Plan hat. Sie wollen viel durchs Zentrum mit wenigen Kontakten kombinieren. Sie sind eine athletische, technisch starke Mannschaft mit breitem Kader, die super eingestellt ist und eine richtig gute Saison spielt. Sie haben sich als Fünfter in der Premier League bereits für die Champions League qualifiziert.
In allen drei großen europäischen Pokalwettbewerben steht ein englischer Verein im Finale – was macht den englischen Fußball so attraktiv?
Röhl: Ich finde, dass der englische Fußball unfassbar schnell, intensiv und risikoreich ist. In Spielen und auch schon im Training wird selten ein Sicherheitsball gespielt. Vielmehr entscheiden sich die Teams für einen Risikoball, wodurch zum einen zwar viele Ballverluste, aber gleichzeitig auch viele Kontersituationen entstehen. Die Spiele entwickeln sich dadurch sehr offen und es geht hin und her. Das macht den Fußball in England für mich so attraktiv.
Wie hast du den Sport-Club die Saison über verfolgt?
Röhl: Ich habe fast jedes Spiel vom SC in dieser Saison gesehen, wenn ich nicht selbst gespielt habe – auf der Couch, auf dem Handy, auf dem iPad. Meistens habe ich nach den Spielen mit Egge (Maximilian Eggestein, Anm. d. Red.) telefoniert. Wir tauschen uns aus und erzählen, wie es bei mir, wie es bei ihm läuft. So halte ich den Kontakt zum Sport-Club.
Wie verfolgst du das Finale des SC in Istanbul?
Röhl: Ich wäre unfassbar gerne mitgeflogen und hätte das Spiel gerne vor Ort im Stadion miterlebt. Das ist aber leider nicht möglich. Deshalb bleibt mir die Couch und der Fernseher, vor dem ich erst mitfiebern, hoffentlich auch mitfeiern werde und später dann meinen alten Kollegen gratulieren kann.
Möchtest du Ihnen für das Finale etwas mit auf den Weg geben?
Röhl: Ich bin einfach unfassbar stolz für jeden Einzelnen in der Mannschaft und freue mich total, dass der SC wieder eine so erfolgreiche Saison gespielt und etwas so Historisches erreicht hat. Ich hoffe, dass die Mannschaft dieses Finale mutig angehen, es genießen und das Spiel dann hoffentlich gewinnen wird.
Interview: Isabel Betz
Foto: Imago Images
