Die U19 möchte ihre "Wall of fame" füllen
U19 vor dem Saisonstart
Für die U19 beginnt am kommenden Wochenende die Saison mit dem DFB-Pokalspiel bei Fortuna Köln (01. August, 11 Uhr). Trainer Julian Wiedensohler blickt im Interview auf eine gelungene Vorbereitung zurück, spricht über die Herausforderung als U19-Coach und erzählt, welche Einflüsse aus dem spanischen Fußball er in seiner Art, Fußball spielen zu lassen, aufnehmen möchte.
Hallo Julian, Spanien ist Weltmeister bei den Männern und Europameister bei den U19-Junioren. Was wird im spanischen Fußball richtig gemacht?
Julian Wiedensohler: Vieles. Ich durfte im Zuge meiner Trainer-A+-Lizenz-Ausbildung eine Woche beim FC Villareal hospitieren. In diesen Tagen habe ich gelernt, dass die Art und Weise, wie in Spanien Fußball gedacht wird, sehr umfänglich und ganzheitlich ist. Bereits im Kinderbereich in Spielformen trainiert, um ein Raumverständnis zu entwickeln. Die Ausbildung ist sehr ballbesitzorientiert, und in Kombination mit Futsal-Elementen bekommen die Jungs von Anfang an ein sehr gutes Gefühl für Verbindungen und einen gemeinsamen Rhythmus auf dem Feld. Sie können früh sehr gut mit dem Ball umgehen, sind auch technisch sehr gut ausgebildet. Und die Jungs bekommen sehr viel Zeit, sich zu entwickeln. Die Vereine investieren sehr viel in junge Talente.
Gibt es etwas, das dir am spanischen Fußball gefällt und das du mit in deine Idee, Fußball spielen zu lassen, aufnimmst?
Wiedensohler: Ich schaue in meiner Freizeit sehr gerne spanischen Fußball oder Fußball von spanischen Trainern an. Wir legen auch viel Wert auf Kontrolle mit Ball und Ballbesitz. Außerdem auf das Verständnis für Räume, sowie gutes Positionsspiel. Vom Ansatz her gibt es sicherlich gewisse Parallelen und Dinge, die man sich abschauen kann.
Es ist dein zweites Jahr als U19-Trainer – was nimmst du aus dem ersten Jahr mit ins neue Jahr, was möchtest du verbessern?
Wiedensohler: Die letzte Saison, in der wir die Liga A in der U19-Nachwuchsliga nach drei vergebenen Matchbällen knapp verpasst haben, war für uns ein Learning. Im besten Fall wollen wir zwei Dinge kombinieren: in erster Linie sind wir Ausbildungsstätte, aber wir wollen die Jungs auch dahingehend ausbilden, den Siegeswillen zu entwickeln und den Fokus noch stärker auf ein positives Ergebnis zu konzentrieren. Das haben wir ihnen in der Vorbereitung mit auf den Weg zu geben: Es ist nicht genug, nur gut Fußball spielen zu wollen. Man sollte auch mit allem, was man hat, Spiele gewinnen wollen. Im letzten Jahr waren wir dafür aber nicht konstant genug im Spiel gegen den Ball. Das ist eine Sache, die wir in dieser Saison in einer anderen Qualität auf den Platz bringen wollen.
Eine Herausforderung als Jugendcoach ist, dass zu jeder Saison oft viele neue Spieler dazukommen, ihr gebt als U19-Trainerteam Spieler in die U23 ab. Wie geht ihr mit der Herausforderung um?
Wiedensohler: Für uns ist das Normalität, weil wir es jedes Jahr erleben. Das Schöne in der U19 ist, dass wir zumindest ein paar Spieler haben, die zwei Jahre lang in der Mannschaft bleiben. Dieses Jahr haben wir sechs Spieler schon zur U23 durchgeschoben, die noch ein Jahr U19 spielen dürften. Das ist schön und ich hoffe, dass diese Spieler auch ihre Einsätze in der Regionalliga haben werden. Wenn die Jungs schon einen Schritt schneller unterwegs sein können, ist das für uns eine der schönsten Bestätigungen für unser gemeinsames Arbeiten. Gleichzeitig bedeutet das für uns aber auch, ein paar mehr interne Neuzugänge in der U19 zu integrieren. Wir mussten uns erst kennenlernen, aber dafür haben wir auch abseits des Platzes viel investiert. Ich glaube, das Kennenlernen ist uns gut gelungen.
Beim Bundesligacup in der Vorbereitung habt ihr als Zweiter sehr gut abgeschnitten und im Halbfinale den letztjährigen DFB-Pokalsieger VfB Stuttgart geschlagen. Du hast anschließend gesagt, es gibt kein besseres Teambuilding als solche Siege. Wie gut ist das Team zusammengewachsen?
Wiedensohler: Das Team ist für den jetzigen Stand schon außergewöhnlich gut zusammengewachsen. Der erste Katalysator dafür war der Bitzer Cup, den wir gewonnen haben. Wir hatten zwei Spiele, haben 2:0 gegen Borussia Mönchengladbach gewonnen und im Finale 4:0 gegen Mainz 05. Wir waren zum zwölften Mal beim Turnier dabei und haben es zum ersten Mal gewonnen. Schon da haben die Jungs gemerkt, was es ausmacht, wenn sie geschlossen auf dem Platz stehen und mehr investieren als der Gegner. Wir haben den Jungs eine Woche später beim Bundesligacup in Schwäbisch Hall angemerkt, dass sie Bock darauf hatten, das Selbstbewusstsein vom Bitzer Cup mit auf den Platz zu bringen. Das waren schon zwei wichtige Momente für die Jungs und trotzdem bin ich nicht unglücklich darüber, dass wir das Turnier nicht auch noch gewonnen haben. Inhaltlich müssen wir schon noch etwas draufpacken. Aber es gibt kein besseres Teambuilding als solche Turnierlebnisse. Die Jungs haben besondere Momente geschaffen, die direkt in unserer „Hall of fame“ einen Platz gefunden haben. In unserer Kabine haben wir eine Wand, auf der wir besondere Momente der Saison festhalten und dort konnten wir nun direkt die ersten beiden Erfolgserlebnisse verewigen.
Nach den beiden Turnieren ging es für euch ins Trainingslager…
Wiedensohler: Die gute Stimmung der beiden Turniere haben die Jungs mit ins Trainingslager genommen. Auch dort gab es schöne Geschichten, die Atmosphäre war gut. Uns war auch wichtig, dass auch die Jungs aus der U23, die auch noch in der U19 spielberechtigt sind, im Trainingslager dabei sind. Wir möchten Brücken zwischen den Mannschaften schlagen. Denn es kann sein, dass ein Spieler unter der Woche mit der U23 trainiert, am Wochenende dann aber bei der U19 spielt. Umso wichtiger ist, dass er beide Teams kennt und Teil davon ist.
Für euch geht es am kommenden Samstag mit dem DFB-Pokal-Spiel bei Fortuna Köln los. Wie blickst du dem Start entgegen und wie erwartest du Spiel und Gegner?
Wiedensohler: Ich würde nach dieser Vorbereitung sagen, dass wir bereit für den Pflichtspielstart sind. Wir haben im Trainingslager noch ein paar Inhalte bearbeitet und ein gutes Testspiel gegen Thun gemacht. Natürlich wissen wir, was wir investieren müssen, um dieses Spiel zu gewinnen, sind dazu aber in der Lage. Über den Gegner können wir nicht allzu viel sagen. Wir haben uns ein paar Szenen aus der vergangenen Saison angeschaut, aber wir fahren mit der Überzeugung unseres eigenen Spiels nach Köln.
Was nehmt ihr euch für die kommende Saison in der Liga vor?
Wiedensohler: Nachdem wir unsere Ziele, über die wir vor der Spielzeit immer mit dem Team gesprochen hatten, zuletzt zweimal nur knapp verpasst haben, haben wir uns dieses Mal für eine andere Taktik entschieden. Unser Motto dieses Jahr ist deshalb: „Am Wochenende wollen wir gewinnen“. Damit beginnen wir in dieser Woche und wollen das so auch in der Liga durchziehen.
Interview: Isabel Betz
