Memminger: "Die Mischung stimmt"
Emma Memminger wechselte in diesem Sommer aus der zweiten Mannschaft von Eintracht Frankfurt zum Sport-Club und blickt bereits auf vier Startelfeinsätze zurück. Im Interview spricht die 19-Jährige über erste Erfahrungen in der Bundesliga, ihr neues Team und ihr Tordebüt.
Emma, aus dem Fernsehen kennen wir den Musikantenstadel und den Komödienstadl. Deinen Heimatort Dommelstadl kannten wir ehrlich gesagt noch nicht ...
MEMMINGER: (lacht): ... Na ja, das ist auch ein ziemlich kleines Dorf in Niederbayern, in der Nähe von Passau. Das ist die nächste größere Stadt, nicht weit von der österreichischen Grenze entfernt. Dementsprechend ist es auch ein bayerischer Ortsname.
Bei Wikipedia findet man zu Dommelstadlunter dem Stichwort „Persönlichkeiten“nur einen Eintrag: „Emma Memminger,Fußballspielerin“.
MEMMINGER: Echt, das steht da bei meinem Heimatdorf? Das wusste ich noch gar nicht. Aber das ist cool und freut mich.
Es gibt sonst keine bekannten Menschen, die aus Dommelstadl stammen?
MEMMINGER: Es gibt bestimmt noch andere, aber spontan wüsste ich jetzt auch niemanden. Aus Passau stammen sicherlich mehr bekannte Persönlichkeiten.
Dann heißt es noch, der Mittelpunkt deines Heimatdorfes sei die Kirche. Kann sie dem Freiburger Münster Konkurrenz machen?
MEMMINGER: Das ist die Dreifaltigkeitskirche. Sie ist wirklich sehr schön, aber natürlich viel kleiner als das Münster. Ansonsten haben wir noch ein Schloss. Passau, das knapp zehn Kilometer entfernt ist, lässt sich schon eher mit Freiburg vergleichen, obwohl es deutlich kleiner ist. Aber es gibt dort auch eine Altstadt und viel Natur drumherum.
Das ist also auch die Gegend, in der du angefangen hast Fußball zu spielen?
MEMMINGER: Ja. Ich habe einen Bruder, der drei Jahre älter ist, und mit ihm bin ich irgendwann einfach mitgegangen zum Fußballspielen, weil es mir schon immer sehr viel Spaß gemacht hat. Im Verein habe ich dann bei DJK Vombach angefangen, zunächst als einziges Mädchen in meiner Mannschaft. Mädchenmannschaften gab es da nicht. Nach der D-Jugend bin ich zum 1. FC Passau gewechselt. Da hatten wir auch Stützpunkttraining und es war damals noch ein NLZ. Auch da habe ich mit Jungs zusammengespielt und konnte mich gut weiterentwickeln.
Wie lange hast du mit Jungs gespielt?
MEMMINGER: Bis ich 16 oder 17 war. Also schon sehr lange. Aber ich glaube, das war gut so. Man lernt dadurch, sich zu behaupten und durchzusetzen. In den Frauenfußball bin ich sozusagen erst gekommen, als ich im Sommer 2024 zu Eintracht Frankfurt II gewechselt bin. Ich habe vorher in der U16-Nationalmannschaft gespielt, wo Fritzi Kromp und Julia Simic die Trainerinnen waren. Als sie dann in den Vereinsfußball nach Frankfurt gewechselt sind, kannten sie mich schon, und ein Jahr später bin ich auch dorthin gegangen. Ich habe im Internat gewohnt, wo alle jüngeren Frankfurter Spielerinnen wohnten, aber auch Sportlerinnen aus anderen Sportarten. Wir waren auf unserem Gang acht Fußballerinnen, es war sehr familiär dort und wirklich eine schöne Zeit.
Für Eintracht Frankfurt II hast du 31 Spiele in der 2. Bundesliga bestritten ...
MEMMINGER: ... wobei ich in der vergangenen Saison wegen einer Gehirnerschütterung längere Zeit pausieren musste. Es ist in einem Spiel passiert und wurde erst später diagnostiziert.
Bei der U19-Europameisterschaft in Bosnien und Herzegowina im Juni und Juli konntest du dann auch wieder für Deutschland auflaufen.
MEMMINGER: Ja, in der 2. Liga hatte ich im Januar mein Comeback gegeben. In der letzten EM-Qualifikationsrunde war ich zwar noch nicht dabei, dafür aber gleich im ersten Gruppenspiel gegen Bosnien und Herzegowina, in dem ich auch ein Tor erzielt habe – und danach habe ich bis zum Finale immer von Beginn an gespielt.
Bei der deutschen U19 gehörten mit Zoe Schick, Mia-Lena Maas und Maj Schneider auch drei deiner neuen Mitspielerinnen beim SC Freiburg zum Team.
MEMMINGER: Zoe hat sich leider im ersten EM-Spiel früh am Knie verletzt und fehlt uns mit einem Kreuzbandriss immer noch. Mia-Lena kannte ich auch schon und Maj kenne ich bereits sehr lange, seit der U15-Nationalmannschaft. Es macht Spaß mit ihnen.
Ihr habt bei der EM das Finale erreicht und dort mit 0:1 gegen Spanien verloren. War mehr für euch drin?
MEMMINGER: Wir hatten direkt am Anfang eine große Chance, wenn der Ball reingeht, hätte es vielleicht anders ausgehen können. Aber Spanien ist einfach sehr gut und sehr dominant. Du brauchst schon einen sehr guten Tag, um sie zu schlagen. Es war keine schlechte Leistung von uns.
Zur Silbermedaille gab es für dich persönlich noch etwas obendrauf: Du wurdest zusammen mit Torhüterin Janne Krumme und Lenelotte Müller von der UEFA in die „Mannschaft des Turniers“ gewählt.
MEMMINGER: Das hat mich sehr gefreut, vor allem nach der vorausgegangenen langen Verletzungspause. Man macht sich in so einer Phase ja auch Gedanken, ob man schnell wieder sein altes Leistungsniveau erreicht. Deshalb war es schön, zu dieser Auswahl zu gehören und sagen zu können: Ich habe ein gutes Turnier gespielt und mein Bestes gegeben. Zumal es für mich bisher das einzige große Turnier war.
Nach der U19-EM hat für dich beim SC Freiburg ein neuer Karriereabschnitt begonnen. Was war ausschlaggebend dafür, zum Sport-Club zu wechseln?
MEMMINGER: Eintracht Frankfurt ist ein Verein mit großen Ambitionen und für eine junge Spielerin ist es nicht so leicht, in die Bundesligamannschaft aufzurücken und dann auch viel Spielzeit zu bekommen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, einen anderen Weg einzuschlagen.
Deine Trainerin bei der Frankfurter U20 war zuletzt Kim Fellhauer, die selbst zehn Jahre lang für den SC Freiburg gespielt hat.
MEMMINGER: Ja, wir haben auch oft über Freiburg gesprochen, aber ich wusste bereits, dass der SC schon immer ein Verein war, bei dem junge Spielerinnen eine Chance bekommen. Das ist ein sehr großer Anreiz, hierher zu kommen. Und ich muss sagen, die Bedingungen hier sind wirklich extrem gut. Davon war ich sogar noch einmal richtig überrascht: das große Stadion, der ganze Bereich, den wir für uns haben, mit einem eigenen Kraftraum und dem Trainingsplatz direkt nebenan.
Und dazu standest du in den ersten vier Bundesligaspielen jeweils in der Startelf.
MEMMINGER: Ehrlich gesagt habe ich damit nicht unbedingt gerechnet. Ich bin ja neu hier und wegen der U19-EM auch später in die Saisonvorbereitung eingestiegen. Deshalb dachte ich nicht unbedingt, dass ich schon am ersten Spieltag beim Hamburger SV in der Startelf stehe. Aber vorher ist Nia (Szenk, d. Red.) leider noch verletzt ausgefallen und so habe ich auf der linken Abwehrseite mein Debüt beim SC Freiburg und in der Bundesliga gegeben.
Interview: Dirk Rohde und Fabian Volz
Das gesamte Interview mit Emma Memminger ist in Ausgabe 3 von AM BALL 2026/27 erschienen und kann hier als digitaler Download abgerufen werden.
