„Immer ein Stück weit Vorbild sein“
Jana Vojteková (35) ist nach drei Jahren beim FC Basel zurück in Freiburg. Die Verteidigerin ist inzwischen Rekordnationalspielerin der Slowakei und zählt auch bei den SC-Frauen zu den erfahrensten Spielerinnen.
Jana, du bist nach drei Jahren beim FC Basel wieder zurück beim SC Freiburg, für den du schon von 2019 bis 2023 gespielt hast. Viel Eingewöhnungszeit brauchtest du deshalb wahrscheinlich nicht?
VOJTEKOVÁ: In manchem schon, in manchem nicht. Immerhin war ich ja drei Jahre weg von Freiburg. Aber es ist auf jeden Fall richtig schön, wieder in dem neuen Alten zu sein, kann man vielleicht sagen. Die Infrastruktur hier, die Räumlichkeiten kenne ich bereits und auch viele Menschen. Aber vieles ist auch anders und neu. Ein bisschen Zeit, um wieder anzukommen, braucht man deshalb trotzdem, auch wenn man vieles schon kennt.
Was war denn neu für dich hier, viele Teamkolleginnen natürlich ...
VOJTEKOVÁ: Ja, das sind doch einige, und auch das Trainerteam ist neu. Oder Hasret [SC-Rekordspielerin Hasret Kayikci, Anm.d. R.] in ihrer neuen Position im Management und Scouting. (lacht) Sie war damals ja noch meine Mitspielerin. Deshalb war das für mich jetzt natürlich ein bisschen ungewohnt. Auf der anderen Seite ist es auch richtig schön für sie und für uns alle.
Gerade wird ja auch noch das Gelände am Dreisamstadion umgebaut, damit künftig alle Juniorinnenteams hier trainieren und spielen können.
VOJTEKOVÁ: Es ist toll, dass wir bald alle zusammen an einem Ort sind und dass man ein Stück weit auch den Fußball-Alltag miteinander teilt. Die ganzen jungen Spielerinnen haben dann hier auch richtig gute Bedingungen, um sich weiterzuentwickeln. Und sie können uns trainieren sehen und haben ihr Ziel, es auch einmal in die erste Mannschaft zu schaffen, sozusagen immer vor Augen. Ich muss auch sagen, so gute Rahmenbedingungen wie hier beim SC Freiburg habe ich noch in keinem Verein gehabt.
Wie war das bei dir, als du angefangen hast Fußball zu spielen beziehungsweise in deiner Jugendzeit?
VOJTEKOVÁ: Bis ich 15 Jahre alt war, habe ich noch mit Jungs zusammengespielt. Damals wusste ich tatsächlich gar nicht, dass es Frauenfußball gibt. Ich habe einfach im Dorfverein angefangen, bei MTK Leopoldov in der Slowakei, wo ich herkomme. Wir hatten Glück, dass wir später auch Trainer hatten, die viel gefordert, uns aber auch sehr gefördert haben. Dadurch entstand bei mir früh dieses Streben, immer besser werden zu wollen.
Wann folgte für dich der nächste Schritt?
VOJTEKOVÁ: Mit 15 Jahren durfte ich nicht mehr bei den Jungs mitspielen. Über meinen damaligen Trainer bin ich dann zu meinem ersten Frauenteam gekommen. Das war eine Stunde weg, bei Slovan Duslo Sala. Der Verein war damals slowakischer Meister, dort habe ich insgesamt sechs Jahre gespielt. Gleich am Anfang meiner Zeit dort wurde ich auch schon für die U19-Nationalmannschaft nominiert. Eine U17 hatte die Slowakei damals nicht. Mein erstes Länderspiel im Juniorinnenbereich war gegen Frankreich, und ich habe auch direkt ein Tor erzielt.
Drei Jahre später begann schon deine Karriere in der A-Nationalmannschaft.
VOJTEKOVÁ: Ja, das war 2009, im Alter von 18 Jahren. Auch da kann ich mich noch an das erste Spiel erinnern, ein Heimspiel gegen Ungarn. Wie es ausging, weiß ich aber nicht mehr.
Was vielleicht nicht verwunderlich ist, denn seit zwei Jahren bist du sogar die Rekordnationalspielerin der Slowakei.
VOJTEKOVÁ: Tatsächlich wusste ich das gar nicht, als es soweit war. (lacht) Ich wurde damals bei einem Interview in der Schweiz darauf angesprochen. Ich schaue nicht viel auf solche Statistiken. Wichtiger ist mir der gemeinsame Erfolg. Im vergangenen Juni, nach dem WM-Qualifikationsspiel in Lettland, wurde mir gesagt, dass ich mit jetzt 138 Länderspielen sogar die slowakischen Rekordspieler bei den Männern, Marek Hamšík und Peter Pekarík, eingeholt habe.
Was bedeuten dir diese beiden außergewöhnlichen Marken?
VOJTEKOVÁ: Natürlich bin ich stolz darauf. Es macht mir aber vor allem bewusst, wie lange ich bei der Nationalmannschaft schon dabei sein darf und immer wieder neuen Teams weiterhelfen kann. Die Wertschätzung der Trainer freut einen auch, und die Tatsache, über die vielen Jahre so eine große Anzahl an Länderspielen erreicht zu haben – im wertvollsten Trikot, dem des eigenen Landes.
Und jetzt könntest du deine männlichen Kollegen mit dem nächsten Länderspiel hinter dir lassen.
VOJTEKOVÁ: Das wäre eine schöne Sache. (lacht) Wichtiger wäre aber ein Erfolg mit der Slowakei im Oktober in der ersten Playoff-Runde der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien. Wir treffen auf die Ukraine und ich hoffe, dass ich gesund bleibe und wieder dabei sein darf. Danach folgt noch eine zweite Playoff-Runde.
Warst du schon einmal bei einem großen Turnier wie der WM oder der Europameisterschaft dabei?
VOJTEKOVÁ: Leider nicht. Aber das ist noch ein großer Herzenswunsch von mir und ein Ziel, an das ich noch keinen Haken dransetzen konnte. Es ist noch möglich. Auf jeden Fall.
Du bist ja vor drei Jahren als Außenverteidigerin vom Sport-Club zum FC Basel gewechselt. Jetzt kehrst du als Innenverteidigerin zurück. Wie kam es dazu?
VOJTEKOVÁ: In Basel war lange Zeit Kim Kulig meine Trainerin. Sie hat mich quasi umgeschult auf Innenverteidigerin. Und ich muss sagen, das hat mir auch eine neue Sichtweise auf das Spiel gegeben. Ich mag diese Position sehr. Man hat das Spiel mehr vor sich und auch mehr Möglichkeiten, es zu gestalten. Es macht Spaß, aber ich bleibe immer auch für andere Positionen offen.
Du bist eine von 13 neuen Spielerinnen im Team. Habt ihr während der siebenwöchigen Saisonvorbereitung schon gut zueinander gefunden?
VOJTEKOVÁ: Auf jeden Fall. Aber natürlich dauert es eine gewisse Zeit, bis sich alle kennengelernt haben. Aber man hat vom ersten Tag an den Willen und die Energie gespürt, zusammen loszulegen, sich als Team zu finden und sich in jedem Training zu verbessern. Und auch menschlich, so meine Eindrücke, passt es gut. Jede Spielerin will das Beste für das Team einbringen, und jede bringt dafür etwas Eigenes oder auch Neues mit.
Interview: Dirk Rohde
Das gesamte Interview mit Jana Vojteková ist in Ausgabe 1 von AM BALL 2026/27 erschienen und kann als digitaler Download hier abgerufen werden.
