"Für die eine oder andere Überraschung sorgen"
Alena Bienz (23) kam im Sommer 2025 vom 1. FC Köln nach Freiburg. Im Interview spricht die schweizerische Offensivakteurin über ihr erstes Jahr beim SC und den Start in die neue Saison.
Alena, zur vergangenen Spielzeit bist du vom 1. FC Köln zum SC gewechselt. Insgesamt kamst du in der Liga dann 21 Mal zum Einsatz. Fünfmal davon von Beginn an. Wie blickst du auf deine erste Saison in Freiburg?
BIENZ: Für mich persönlich war es ein eher schwieriges Jahr. Es freut mich aber sehr, dass ich in der Rückrunde trotz der Jokerrolle, die mir zugewiesen war, zu mehr Spielen von Anfang an kam. Meine beiden Startelf-Einsätze in der laufenden Saison bestätigen aus meiner Sicht die positive Entwicklung, die ich genommen habe.
Deinen Wechsel vom Rhein an die Dreisam hast du damals auch damit begründet, dass du mit Köln zwei Jahre gegen den Abstieg gekämpft hattest und deine Offensivqualitäten deshalb nicht so recht einbringen konntest. Die vergangene Saison hat der FC als Siebter beendet, ihr als Achter. Hat sich der Wechsel in den Breisgau dennoch ausgezahlt?
BIENZ: Ja, auf jeden Fall. Ich bereue die Entscheidung keine Sekunde. Auch wenn ich mich für die Kölnerinnen freue, dass sie sich gefangen haben, bin ich sehr froh, hier zu sein. In meinem ersten Freiburger Jahr habe ich im Offensivspiel viel gelernt und wertvolle Inputs bekommen. Gerade mein Spiel mit Ball hat sich seitdem verbessert.
Für den Umzug nach Freiburg hast du aber nicht nur sportliche Gründe angeführt, sondern auch erwähnt, dass du eine Luftveränderung gebraucht hättest …
BIENZ: Genau. Ich war drei Jahre in Köln und hatte eine schöne Zeit. Auf meine erste Auslandsstation blicke ich deshalb sehr positiv zurück. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass ich frischen Wind und eine neue Herausforderung brauche. Und die habe ich hier beim SC gefunden. Durch meinen Wechsel bin ich auch wieder näher an meiner Familie, die im Kanton Luzern lebt.
Der SC pflegt traditionell starke Verbindungen zur Schweiz. Allein in dieser Saison stehen mit Lorena Barth, Julia Stierli, Amira Arfaoui und dir vier Eidgenossinnen im Kader. Jana Vojteková, Sabah Seghir und Borbála Vincze wechselten im Sommer aus Basel und Zürich nach Freiburg. Ist das vor allem der geografischen Nähe geschuldet?
BIENZ: Natürlich spielt die Nähe zur Schweiz dabei eine wichtige Rolle. Aber ich glaube auch, dass der gute Ruf, den Freiburg dort genießt, ebenfalls sehr dazu beiträgt. Der Sport-Club hat gerade bei jungen schweizerischen Talenten einen hohen Stellenwert. Bei meiner Entscheidung, nach Freiburg zu wechseln, hat aber auch Svenja Fölmli eine gewisse Rolle gespielt (lacht).
Was verbindet euch beide?
BIENZ: Svenja ist meine beste Freundin, seit ich zehn bin. Wir haben zusammen in der Regionalauswahl gespielt, sind in Biel gemeinsam aufs Internat gegangen und haben 2021 mit dem FC Luzern den schweizerischen Pokal gewonnen. Deshalb war es sehr schön und fast ein wenig surreal, dass wir nach vier Jahren, in denen wir unterschiedliche Wege eingeschlagen hatten, hier beim SC wieder zusammen auf dem Platz standen. Auch wenn wir wegen ihres Wechsels zur TSG Hoffenheim nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen können, sehen wir uns dennoch häufig.
Svenja ist eine von sieben Spielerinnen, die den Verein im Sommer verlassen hat. Siehst du den personellen Umbruch auch als Chance?
BIENZ: Definitiv. Im Sommer sind zwar immer viele Abgänge zu verzeichnen. Diesmal waren mit Leela, Sophie und Svenja [Egli, Nachtigall und Fölmli, Anm. d. Red.] auch einige offensive Stammspielerinnen darunter. Zu Beginn jeder Saison werden die Karten ein Stück weit neu gemischt. Das kann auch eine Chance sein. Dass ich in den beiden ersten Bundesligaspielen jeweils in der Startelf stand, hat mich sehr gefreut.
Die Expert/innen vom Fußball-Podcast „Rasenfunk“ geben vor jeder Saison ihre Tabellenplatz-Prognosen ab. Die Journalistin Adriana Wehrens verortet euch diesmal auf Rang elf. Ihr Kollege Max-Jacob Ost sieht euch am Ende der Spielzeit sogar nur auf dem 12. Platz. Was hältst du ihnen entgegen?
BIENZ: Es ist zwar Fakt, dass wir ein junges Team mit vielen Neuzugängen sind. Aufgrund der hohen Qualität im Kader sehe ich uns schon in der Lage, im Mittelfeld eine gute Rolle zu spielen. Der Einschätzung der beiden kann ich also wirklich nicht zustimmen. Unsere Aufgabe besteht jetzt auch darin, als Team noch etwas besser zusammenzufinden. Wir haben auch wegen der vielen neuen Spielertypen im Kader für mich durchaus das Zeug dazu, für die eine oder andere Überraschung zu sorgen.
Auf welcher Position siehst du dich am besten aufgehoben?
BIENZ: Das kann ich nicht so klar sagen. Ich bin offensiv sehr variabel einsetzbar. In der jüngeren Vergangenheit durfte ich häufig auf dem Flügel ran. Ich mag es aber durchaus auch, zentral auf der Zehn oder der Acht zu spielen.
Hat sich unter dem neuen Trainer Marco Konrad in der täglichen Arbeit etwas Grundsätzliches verändert oder liegen die Unterschiede eher im Detail?
BIENZ: Jeder Trainer bringt andere Ideen ein. Dementsprechend stelle ich schon ein paar Dinge fest, die sich verändert haben. Was ich an der Arbeit mit Marco Konrad schätze, ist die Detailversessenheit im Taktikbereich. Er will jede Einzelne von uns konkret besser machen und unser Potenzial herauskitzeln. Das wird in jeder Videoanalyse deutlich.
Marco Konrad gilt auch als Standardexperte. In den beiden zurückliegenden Liga-Spielen gegen den Hamburger SV (1:1) und Union Berlin (1:0) habt ihr euer Tor jeweils nach Freistoß beziehungsweise Ecke erzielt. Zufall oder Ergebnis eurer täglichen Trainingsarbeit?
BIENZ: Nein, das ist definitiv kein Zufall. Im einwöchigen Sommertrainingslager in Schruns haben wir als Team einige Varianten kreiert und dann detailliert eingeübt. Wir setzen das seitdem in der täglichen Arbeit konsequent fort. Es ist schön zu sehen, dass sich das intensive Standardtraining in den Bundesligaspielen bislang so bezahlt gemacht hat.
Interview: Thomas Müller Heiduk, Alexander Roth und Fabian Volz
Das gesamte Interview mit Alena Bienz ist in Ausgabe 2 von AM BALL 2026/27 erschienen und kann hier als digitaler Download hier abgerufen werden.
