Von Pralinenschachteln und Meerschweinchen

Scouting-Serie "On Tour", Teil II: Bernhard Hillen

Im La Bombonera tragen die Boca Juniors ihre Heimspiele aus.
Verein
16.07.2026

Sie sehen hunderte von Fußballspielen in einer Saison, sind in vielen Stadien zu Gast und an besonderen Orten, erinnern sich an abenteuerliche Anreisen, Menschen, die sie kennenlernen durften und talentierte Fußballspieler. SC-Scouts erzählen von ihrem reiseintensiven und erlebnisreichen Job.  

Wenn man einen vielgereisten Scout auf die aus seiner Sicht wildeste Anreise zu einem Spiel anspricht, erwartet man eine Geschichte über verpasste Flüge, holprige Pisten im Niemandsland oder Zugausfälle. Bernhard Hillens Antwort lautet hingegen: Kaiserslautern. „Je nachdem wie knapp man auf dem Betzenberg ankommt und wo man seinen Parkplatz hat, fährt man da zwischen all den Zuschauern auf einer engen Straße, die eher ein Fußweg ist, durch. Alles ist so beengt, das ist immer wieder ein kurioses Gefühl – auch nach all den Jahren noch.“

Eindrücke aus Südamerika

Seit 2008 ist Hillen für den Sport-Club als Scout aktiv. Anfangs führten ihn die Reisen für die Freiburger Fußballschule nach Südbaden und ins benachbarte Elsass. Ab 2013 als Teil des Scouting-Teams der Bundesliga-Männer rund um den Globus. Die weitesten davon im Rahmen der U20-Südamerika-Meisterschaften, die alle zwei Jahre ausgetragen werden, nach Ecuador, Uruguay, Chile und Kolumbien. „Das Turnier ist immer im Januar und Februar. Trotz der weiten Anreise und des Jetlags ist es eine große Freude für mich, in solche Länder reisen zu dürfen, um Fußball zu gucken. Außerdem sind es immer tolle Turniere“, erzählt der Scout.

Besonders angetan hat es dem 58-Jährigen aber ein Stadion in Argentinien. La Bombonera, die Heimspielstätte der Boca Juniors, trägt übersetzt den schönen Namen „Die Pralinenschachtel“ und bringt Hillen ins Schwärmen: „Das beeindruckende ist die Mischung aus der Architektur, der Atmosphäre und dem Fanleben. Das ganze Stadion mit seinen 57.000 Zuschauern geht bei den Fangesängen voll mit. Das ist überall in Argentinien so, aber im La Bombonera kommt diese beeindruckende halbrunde Architektur, mit den VIP-Balkonen auf einer Seite noch dazu. Die Ränge sind so steil, man fühlt sich immer mittendrin.“ Einmal habe er sogar einen Platz in einer der VIP-Boxen direkt am Spielfeldrand auf Höhe der Grasnarbe gehabt, von der aus man „dem Linienrichter auf den Hintern schauen konnte.“ Oder besser: Hätte schauen können. Denn die Partie zwischen Boca Juniors und Newell´s Old Boys wurde wegen sinnflutartiger Regenfälle kurzfristig abgesagt.

Die Reisen nach Südamerika fördern auch immer wieder kulinarische Besonderheiten zu Tage. „Es schadet nicht, beim Essen ein bisschen experimentierfreudig zu sein“, lacht Hillen und bezieht sich unter anderem auf seine Erfahrung mit Meerschweinchen. Hierzulande eher ungewöhnlich, sind die Nager in Ländern wie Peru, Kolumbien oder Ecuador eine Delikatesse. „Die Tiere werden im Restaurant auf einem offenen Grill zubereitet und sind noch gut zu erkennen. Das war schon ungewohnt und ein bisschen kurios – geschmacklich geht es in Richtung Hähnchen“. Generell, sagt der gelernte Industriekaufmann, probiere er die meisten einheimischen Spezialitäten gerne.

Weltmeister-Begegnungen und die Bonn-Verbindung

„Es sind eine Menge Jahre, eine Menge Spiele. Wenn ich zuhause den Karton mit den ganzen Eintrittskarten in der Hand halte und darin wühle, fallen mir wieder die Geschichten zum Spiel oder auch zum Spieler ein“, berichtet Hillen. Zwei der Anekdoten, die der gebürtige Rheinländer auf Lager hat, spielten sich im beschaulichen Sandhausen ab. „Kurz nachdem ich beim Sport-Club die Festanstellung bekommen habe, saßen mit Andi Brehme und Klaus Augenthalter zwei Weltmeister von 1990 vor mir auf der Tribüne. Da sie beide privat da waren, wollte ich sie nicht stören. Im Nachgang habe ich mir dann gedacht, dass ein Selfie mit den beiden eine schöne Sache gewesen wäre. Beide waren großartige Spieler und Idole für meine Generation.“

Das Stadion am Hardtwald ist auch Schauplatz einer Spielerbeobachtung, die Hillen in guter Erinnerung hat – und die schließlich zur Verpflichtung einer langjährigen Säule im Kader der Ersten Mannschaft führte. Die Rede ist von Lukas Kübler, der wie Hillen aus Bonn stammt und in den vergangenen elf Jahren 240 Pflichtspiele für den SC absolviert hat. „Man hat gesehen, dass er Potential hatte. Außerdem hat er die klassischen SC-Tugenden gezeigt, dazu eine gute Körperlichkeit. Ich bin zurück nach Freiburg gefahren und habe über meine Eindrücke berichtet“, erzählt Hillen. „Es ist immer eine Team-Entscheidung, wie wir weiter verfahren. Häufig ist das ein längerer Prozess, bei dem alle genau hinschauen, bevor wir aktiv werden. In diesem Fall ist der Transfer aber innerhalb von wenigen Wochen über die Bühne gegangen, weil wir vom Gesamtpaket überzeugt waren.“

Der hiesigen Sommerpause zum Trotz ruht der Ball im Leben eines Scouts nur selten. Nach einigen Tagen Urlaub in England ging es für Hillen in diesem Jahr zur U19-EM in Wales. In den kommenden Monaten stehen ebenfalls zahlreiche Reiseziele auf dem Programm des Wahl-Dreisamtälers. Vielleicht auch mal wieder Kaiserslautern.

David Hildebrandt

Fotos: privat (2) / Imago Images (2)

 
Ihr Browser ist veraltet.
Er wird nicht mehr aktualisiert.
Bitte laden Sie einen dieser aktuellen und kostenlosen Browser herunter.
Chrome Mozilla Firefox Microsoft Edge
Chrome Firefox Edge
Google Chrome
Mozilla Firefox
MS Edge
Warum benötige ich einen aktuellen Browser?
Sicherheit
Neuere Browser schützen besser vor Viren, Betrug, Datendiebstahl und anderen Bedrohungen Ihrer Privatsphäre und Sicherheit. Aktuelle Browser schließen Sicherheitslücken, durch die Angreifer in Ihren Computer gelangen können.
Neue Technologien
Die auf modernen Webseiten eingesetzten Techniken werden durch aktuelle Browser besser unterstützt. So erhöht sich die Funktionalität, und die Darstellung wird verbessert. Mit neuen Funktionen und Erweiterungen werden Sie schneller und einfacher im Internet surfen können.