Premiere mit zwei ersten Torschützen
Vor fünf Jahren wurde das Europa-Park Stadion eingeweiht
Vincenzo Grifo hat das erste Tor im Europa-Park Stadion erzielt. Oder doch nicht?
Der Abschied aus dem Dreisamstadion fiel schwer. Nicht nur Christian Streich hatte beim Spiel gegen den FC Augsburg Tränen in den Augen. Doch neben Wehmut war da noch etwas: Vorfreude. Und Neugier. Wie würde das neue Wohnzimmer aussehen?
Am 7. Oktober 2021 erfuhr es Freiburg, die Region und die ganze Fußballwelt, als das Europa-Park Stadion mit einem Spiel gegen den FC St. Pauli eröffnet wurde. 3:0 gewann der Sport-Club vor 15.000 Fans, Vincenzo Grifo traf doppelt, Nishan Burkart besorgte den Endstand.
„Wir haben uns als Team sehr auf diesen Tag gefreut“, blickt Grifo zurück. Der SC-Rekordtorschütze nahm nach 17 Minuten einen Pass von Christian Günter auf, aus halblinker Position Maß – und traf traumhaft ins lange Eck. „Das sind wunderschöne Erinnerungen an den Tag und das Tor. Es ist auch deshalb besonders für mich, weil ich ja auch das letzte Tor im Dreisamstadion geschossen hatte“, sagt Grifo. In den Geschichtsbüchern beider Stadien hat sich der heute 33-Jährige verewigt.
Zumindest beim Europa-Park Stadion muss man den Namen des ersten Torschützen jedoch mit einer Mini-Klammer versehen. Leon Sawas war ihm eigentlich zuvorgekommen.
Testlauf vor 900 Leuten
Bereits eine Woche vor der großen Eröffnungsshow hatte der 14-jährige SC-Spieler Sawas im Europa-Park Stadion einen Abpraller nach einem Freistoß genutzt und aus kurzer Distanz zur Freiburger Führung eingeschoben. Applaus brandete auf, 900 Zuschauer/innen bejubelten den Treffer – darunter unter anderem Eltern der Jugendspieler, die auf dem Rasen gegeneinander antraten.
Das Spiel zwischen der Freiburger U15 und einer Auswahl von SC-Kooperationsvereinen sollte so etwas wie ein Probelauf sein, wie Marcel Boyé, Bereichsleiter Organisation und Stadion, erklärt: „Unser Ziel dabei war, möglichst viele Leute ins Stadion zu bringen und verschiedenste Prozesse zu testen, beispielsweise beim Einlass oder im Catering-Bereich.“
Wie schnell finden die Fans die Toiletten? Wo braucht es zusätzliche Schilder? Wie kann die Eingewöhnung für die bis zu 1.500 Mitarbeitenden und Dienstleister erleichtert werden? „Der Test hat dabei natürlich geholfen“, sagt Boyé. „Insgesamt würde ich aber schon sagen, dass wir etwa ein Jahr gebraucht haben, bis sich alles richtig eingependelt hat.“
Auch für die SC-Greenkeeper war der Umzug mit einigen Anpassungsprozessen verbunden. „Wir haben nach dem Umzug schnell gemerkt, dass die klimatischen Bedingungen deutlich verändert sind“, sagt Florian Haeber, der 2021 schon im Verein war und mittlerweile das Team der Greenkeeper leitet. „Im Europa-Park Stadion gibt es mehr Schatten und weniger Luftbewegungen, dadurch höhere Temperaturen. Beim U15-Spiel haben wir schon gemerkt, dass die Stabilität des Rasens mehr gelitten hat als gewohnt.“ Auch in diesem Bereich hat sich der Verein in den letzten fünf Jahren weiterentwickelt, seit diesem Sommer liegt ein Hybridrasen im Europa-Park Stadion.
Und Leon Sawas? Der spielt mittlerweile für den VfL Bochum, sammelt dort gerade seine ersten Minuten im Profibereich und wird seinen Premierentreffer wohl nicht mehr vergessen. „Für mich war damals klar: Ich will das erste Tor in diesem Stadion schießen“, sagt der gebürtige Donaueschinger. „Das war eine besondere Erfahrung. Die ganze Atmosphäre mitzunehmen, sich in den Kabinen umzuziehen, das war unglaublich.“
Vor fünf Jahren ist der Sport-Club in sein neues Zuhause eingezogen. Seitdem hat der SC die erfolgreichste Phase seiner Vereinsgeschichte erlebt. Auch Vincenzo Grifo, der zweite erste Torschütze, blickt gerne auf diese Zeit zurück: „Das Europa-Park Stadion ist wuchtig und die fünf Jahre hier waren sehr erfolgreich. Es ist schon viel passiert in dieser kurzen Zeit.“
Auf die nächsten fünf Jahre!
Marius Faller
Fotos: Klaus Polkowsi, Achim Keller
