„Den Fokus zum Hilfreichen lenken“

Verein
20.07.2026

Rainer Bonhof, damals Trainer von Borussia Mönchengladbach, sagte einmal: „Fußball spielt sich zwischen den Ohren ab.“ Ein Interview mit Philipp Himstedt, Sportpsychologe in der Freiburger Fußballschule. 

Philipp Himstedt arbeitet gemeinsam mit Luca Hauser als Sportpsychologe in der Freiburger Fußballschule. Nach seinem Psychologiestudium in Hamburg und Heidelberg war er unter anderem bei Mental Health First Aid in Mannheim tätig, einem Programm, das Laien zu Ersthelfern für psychische Gesundheit ausbildet, bevor er 2024 zum Sport-Club wechselte.

Philipp, du bist als Sportpsychologe unter anderem für die U19 und die U23 in der Freiburger Fußballschule zuständig. Wenn du mit den Spielern sprichst – um welche Themen geht es da?

Himstedt: Fokuslenkung ist ein klassisches Beispiel. Wenn ich als Spieler einen Fehlpass gespielt habe, kann ich mich darüber ärgern, kann die Aktion im Nachhinein aber nicht mehr beeinflussen. Ein wichtiger Gedanke in der Psychologie ist, dass man sich eher mit den Dingen beschäftigen sollte, die man beeinflussen kann.

Bleiben wir mal bei dem Beispiel. Was wäre aus deiner Sicht ein guter Umgang mit einem Fehlpass?

Himstedt: Ich kann entweder denken, dass ich beim letzten Spiel schon drei Fehlpässe gespielt habe, in den ersten fünf Minuten schlecht ins Spiel gekommen bin und sehr nervös war. Oder ich rufe mir Szenen in Erinnerung, die gut gelaufen sind und gehe sie in Gedanken durch. Ich versuche also, den Fokus hin zu etwas Hilfreichem zu lenken. Das kann auch sein, mich auf meine nächste Aktion zu konzentrieren – wie laufe ich den Torwart jetzt an oder wie führe ich das nächste Duell.

Wie wichtig ist mentale Stärke im leistungsorientierten Fußball in deinen Augen?

Himstedt: Ich spreche lieber von mentaler Flexibilität. Die Probleme von Amateurathleten und Profis sind oft die gleichen. Es geht auch gar nicht darum, diese zu vermeiden, sondern eben um den Umgang. Das ist einer der Punkte, die erfolgreiche Athleten von weniger erfolgreichen unterscheidet.

Wie sieht eine klassische Arbeitswoche bei dir aus?

Himstedt: Der erste große Baustein ist die Arbeit in den Einzelgesprächen. Dazu kommt die Begleitung in den Trainingseinheiten und den Spielen. Der dritte Baustein ist die Arbeit mit den Trainern. Hinzu kommen noch viele Kleinigkeiten.

Warum ist es dir wichtig, auch auf dem Platz dabei zu sein?

Himstedt: Ich finde, wenn du den Jugendlichen und den jungen Erwachsenen etwas vermitteln willst, sollte es in ihrer Lebensrealität stattfinden. Auf dem Platz können wir die Dinge, die wir erarbeitet und besprochen haben, direkt umsetzen und ich kann Tipps geben. Dann sind die Gespräche nicht mehr etwas so Steriles, das nur in einem Büro stattfindet.

Welche Rolle nimmst du bei den Spielen ein?

Himstedt: Die Jungs können nur eine gewisse Menge an Informationen verarbeiten. Wenn dir der Trainer und vielleicht noch ein Co-Trainer Inhalte mitgeben und dann der Sportpsychologe auch noch was sagen möchte, kommt am Ende vielleichts nichts mehr beim Spieler an. Ich nehme eher eine beobachtende Rolle ein und schaue auf die Prozesse, die in der Mannschaft, im Trainerteam und zwischen Trainerteam und Mannschaft entstehen. Zusätzlich versuche ich noch, einen positiven, motivierenden Part einzunehmen.

Dieser Text ist aus den Aussagen eines SC-Podcast-Interviews (Folge 27) entstanden, das in Audio-Form über die SC-WebsiteSpotifyApple Podcasts und Amazon Music abrufbar ist.

Fragen: Marco Schmittner und Marius Faller

Foto: SC Freiburg

 
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