"Der SC Freiburg hat mir den besten Weg aufgezeigt"
Die Freiburger Fußballschule feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Zum Jubiläum kommen an dieser Stelle ehemalige Fußballschüler zu Wort, die sich an ihre Fußballschulzeit erinnern. Dieses Mal erzählt Kevin Schade davon und wie sein Leben nach dem Nachwuchsleistungszentrum weiterging.
Herr Schade, die Premier League verspricht im Saisonendspurt wieder einmal größte Spannung in allen Tabellenregionen. Sie und der FC Brentford kämpfen mit der halben Liga um die Qualifikation für die Europa League – warum wird Brentford am Ende jubeln?
Schade: (lächelt) Weil wir nicht müde werden, mental stark zu bleiben. Wir haben zuletzt fünf Mal in Folge nur Remis gespielt, das waren punktemäßig kleine Rückschläge. Trotzdem bleiben wir bei uns und werden auch in der Crunchtime der Saison wieder alles geben.
Sie könnten ja ein, zwei Hattricks beisteuern, darin sind Sie doch Experte …
Schade: Wenn’s so leicht wäre … (grinst). Experte ist auch ein wenig übertrieben, aber in der vergangenen Saison ist mir ein Dreierpack gegen Leicester City gelungen, in dieser Saison einer gegen den AFC Bournemouth …
… und damit sind Sie der erste deutsche Spieler, dem in der Geschichte der Premier League zwei Hattricks gelungen sind.
Schade: Das habe ich auch gelesen. Finde ich natürlich gut.
Wenn wir bei Zahlen bleiben: In der vergangenen Spielzeit standen Sie bei allen 38 Liga-Spielen für Brentford auf dem Platz, in der aktuellen haben Sie aufgrund von Karten-Sperren nur drei verpasst. In den Jahren zuvor – auch in Ihrer Zeit beim SC Freiburg – waren Sie häufiger mit teils langwierigen Verletzungen ausgefallen. Was hat sich seither verändert?
Schade: Ich habe meinen Kreis gefunden. Ich habe es jetzt verstanden, noch besser auf meinen Körper zu hören und zu achten. Ganz entscheidend ist für mich etwa die Zeit im Gym, nicht nur zum Aufbau der Muskeln, sondern vor allem auch mit Blick auf die Regeneration – damit ich meinen Körper dauerhaft auf einem Level halte, um täglich performen zu können.
Hätten Sie das gerne schon früher verstanden?
Schade: Während meiner Zeit bei den SC-Profis hatte ich lange mit einer Bauchmuskelverletzung zu kämpfen, musste sogar operiert werden. Diese Verletzung hätte man sicherlich vermeiden können, wenn ich da schon etwas mehr auf meinen Körper gehört, im Vorfeld mehr Zeit im Gym verbracht hätte. Allerdings war das rückblickend auch ein wichtiges Learning für mich, von dem ich heute profitiere. Dankbar bin ich dem damaligen Trainerteam um Christian Streich jedenfalls, dass sie mich in dieser Phase gestärkt und mir auch die Zeit gegeben haben, um behutsam wieder zurückzukommen.
Sie sind 2018 aus der U17 von Energie Cottbus zur U19 des SC Freiburg gewechselt. Was gab den Ausschlag für einen Wechsel in den Südwesten?
Schade: Ich hätte zu vielen Nachwuchsteams der Bundesliga wechseln können, aber der SC Freiburg hat mir den besten Weg aufgezeigt, wie ich Profi werden kann. Christoph Wetzel-Veilandics (Leiter Nachwuchsscouting des SC, Anm. d. Red.) und Sportdirektor Klemens Hartenbach waren die treibenden Kräfte hinter dem Wechsel. Den aufgezeigten Weg bin ich in Freiburg dann kontinuierlich gegangen.
Nach zwei Jahren bei der U19 rückten Sie mit 19 Jahren zu den Profis auf, spielten zunächst mit der zweiten Mannschaft in der Regionalliga, bevor Sie Mitte August 2021 innerhalb von einer Woche gleich zwei besondere Debüts gaben.
Schade: Diese bleiben bis heute in bester Erinnerung. Zuerst gab ich mein Debüt mit dem SC II in der 3. Liga – gegen die Reserve von Dortmund. Am Wochenende darauf lief ich erstmals für die Profis in der Bundesliga auf, ebenfalls gegen Dortmund. Das waren überwältigende Gefühle, da ging ein großer Traum von mir in Erfüllung.
Welche Träume sollen künftig noch Wirklichkeit werden?
Schade: Die Europapokal-Qualifikation mit Brentford will ich erreichen und möglichst auch mit der deutschen Nationalmannschaft zur WM reisen. Und irgendwann mal in der Champions League gegen die besten Teams des Kontinents zu spielen, wäre auch großartig.
Interview: Christian Engel
Foto: Achim Keller
Bildunterschrift: Kevin Schade (24) kam 2018 von Energie Cottbus in die Freiburger Fußballschule. 2021 gab er sein Debüt bei den SC-Profis. Nach 36 Einsätzen zog es ihn im Januar 2023 in die Premier League, wo der deutsche Nationalspieler bis heute für den FC Brentford spielt.
Dieses Interview erschien erstmalig in unserem Stadionmagazin Heimspiel. Zum 25-jährigen Jubiläum der Freiburger Fußballschule unterhalten sich die Heimspiel-Autoren mit ehemaligen Fußballschülern. In dieser Reihe sind bereits vier weitere Interviews erschienen, mit Walter Adam und Dr. Vito Esposito , Philipp Züfle und Marvin Müller.
