England an der Dreisam

Verein
26.04.2021

2020/21 ist für die SC-Profis die letzte Saison im Schwarzwald-Stadion. Auch „Heimspiel“ nimmt Abschied: Mit Geschichten aus der Geschichte des Stadions. Dieses Mal erzählt von Florian Bruns

Die fünf vom SC: Tobias Willi, Florian Bruns (vorne v.re,), Fabian Gerber, Ferydoon Zandi,
Sebastian Kehl (hi.v.re.) im Trikot der deutschen U21.

Das Foto rechts war 2001 in Freiburg auf Plakaten zu sehen, die unser U21-Länderspiel gegen England im Dreisamstadion ankündigten. Dafür warb man also mit den – sage und schreibe – fünf SC-Spielern, die damals bei der deutschen U21 dabei waren: Sebastian Kehl, Ferydoon Zandi und Fabian Gerber hinten (v.l.), Tobias Willi vorne rechts und ich daneben.

Es war insgesamt ’ne tolle und spezielle Zeit damals. Mit 17, 18 Jahren hatte ich beim Drittligisten VfB Oldenburg viele Tore gemacht. Kaum das Abitur in der Tasche, packte ich mit meinem Vater den Bulli voll und wir donnerten 700 Kilometer gen Süden nach Freiburg, wo 1999 beim SC meine Lehrjahre im Profifußball begannen. Erstmals allein und weg vom Elternhaus, lernte ich auf eigenen Füßen zu stehen.

Bis heute machen die beschauliche Stadt, die Ruhe und familiäre Atmosphäre im Klub und die Kompetenz bei der Entwicklung junger Spieler den SC ja zu einem idealen Ort für den Karrierestart. Für mich lief es damals anfangs sogar besser als erwartet. Ich spielte viel, auch weil Stürmer wie Alexander Iashvili oder Mehdi Ben Slimane ein paar Mal verletzt waren. Und ich wurde dann U21-Nationalspieler und erzielte 2001 in sechs EM-Quali-Spielen vier Tore.

Dann stand dieses Spiel gegen England an und war schon Wochen vorher ein großes Thema. Mit einem Unentschieden wären wir so gut wie sicher bei der EM dabei gewesen. Sensationeller Weise war das Dreisamstadion für diesen Augustabend unter Flutlicht mit über 21.000 Zuschauern ausverkauft. Sonst spielten wir mit der U21 oft vor nur 3.000 oder 4.000 Leuten. Von den fünf SC-Spielern auf dem Foto kamen dann letztlich nur Tobi und ich zum Einsatz. Basti war ins A-Team aufgerückt, Ferry auf der Bank und Fabe dann leider doch nicht im Kader.

Wir alle haben übrigens bis heute untereinander Kontakt. Tobi, Basti und Fabe sind enge Freunde geworden, mit denen ich sogar öfter im Urlaub war. Wir quatschten dann auch immer wieder über diese U21-Partie damals in Freiburg. Auch deshalb ist sie mir wohl bis heute so gut im Gedächtnis. Leider verloren wir 1:2, und die Niederlage ging mir wochenlang nicht aus der Birne. Ich hatte auch eine Chance liegen lassen, außerdem waren wir ein richtig starkes Team mit einigen Spielern, die dann erfolgreiche Profikarrieren hinlegten. Nur zu gern hätten wir zudem DFB-Coach Hannes Löhr, der uns mit rheinländischer Lockerheit führte, die EM-Teilnahme ermöglicht.

Aber England war eben auch sehr stark und hatte mit Joe Cole, der später beim FC Chelsea durchstartete, den überragenden Mann auf dem Platz. Die Freiburger Zuschauer feuerten uns im Spiel euphorisch an und bejubelten uns trotz der Niederlage auch noch nach dem Abpfiff. Noch außergewöhnlicher war, dass sie dabei mit Arne Friedrich einen Spieler mit Sprechchören feierten, der gar kein SCler war. Arne spielte damals bei Arminia Bielefeld und hatte in der denkwürdigen Partie gefühlt jeden Zweikampf gewonnen.

Auch unabhängig von diesem tollen, emotionalen Erlebnis mit der U21 wird das Dreisam- beziehungweise Schwarzwald-Stadion für mich immer was ganz Besonderes bleiben: In dem charmanten, immer vollen Schmuckkästchen machte ich halt einfach meine ersten Gehversuche in der Bundesliga. Das prägt natürlich – auch wenn ich mit Union Berlin in der Alten Försterei, Alemannia Aachen auf dem alten Tivoli und dem FC St. Pauli am Millerntor später noch in weiteren geilen Hütten meine Heimspiele machte.

Daher weiß ich auch, dass Spiele hier für Gegner oft echt unangenehm waren. Der Platz war früher gefühlt irre breit und der SC immer lauf- und spielstark. Und während du dich oft noch bei Regen und 15 Grad auf die Reise gemacht hattest, gingen dann ein paar Stunden später in Freiburg die Zug- oder Bustüren auf – und nicht selten traf dich die Hitze hier erstmal wie ein Schlag.

Erzählt von Florian Bruns. Aufgezeichnet von Timo Tabery

Fotos: Alexander Scheuber / dfl via getty; DFB, getty Images for DFL

 

Weitere Artikel, Interviews, Hintergründe und Statistiken über unseren SC Freiburg findet ihr zu jeder Heimpartie der SC-Profis in unserem Stadionmagazin "Heimspiel", das wir während der Corona-Pandemie auch kostenlos als PDF anbieten. Außerdem gibt es unser Stadionmagazin auch im Abo und am Kiosk zu kaufen. 

Zum "Heimspiel"

 
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