Traumtor, Freudentaumel, Halbfinale
Der Sport-Club steht zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte im Halbfinale eines europäischen Wettbewerbs. Bei Celta Vigo setzte sich der SC im Viertelfinal-Rückspiel mit 3:1 (2:0) nach Treffern von Igor Matanovic und einem Doppelpack von Yuito Suzuki durch und zieht damit in die Runde der letzten Vier in der Europa League ein.
Julian Schuster und Philipp Lienhart hatten die Stimmung und Atmosphäre im Vorfeld des Spiels angesprochen. Schon weit vor Anpfiff war diese zu spüren, als der Mannschaftsbus Vigos am Stadion ankam. Am Spielereingang hatten sich Tausende Celta-Fans versammelt, die ihre Mannschaft mit blauem Rauch und Sprechchören empfingen: „¡Sí, se puede!“ – „Ja, wir können das schaffen!“
Der Sport-Club wurde kurze Zeit später mit einem lauten Pfeifkonzert begrüßt. Optimismus bei den spanischen Fans, Ansporn für den SC? Es war Ansporn. Und wie Lienhart gesagt hatte: „Wir können die Stimmung ausblenden.“ Und das konnte die Mannschaft.
Im Stadion, in das aufgrund der offenen Baustellenseite die Sonne strahlte, war die Stimmung laut und aufgeheizt und auf dem Platz ging es ebenfalls von Beginn an hektisch zu. Nach einer Ecke bekam der SC eine erste Offensivaktion, die jedoch ohne Torabschluss blieb, dann musste Philipp Treu behandelt werden, der im Defensivduell mit seinem Gegenspieler unglücklich zusammengeprallt war (6.). Drei Minuten später blieb Yuito nach einem Zweikampf liegen – hitzige Startphase.
„Die Jungs waren von Anfang an da, genauso wie ihre Energie. Wir waren wieder sehr unangenehm und haben den Gegner genervt“, sagte Schuster über den Start ins Spiel.
Gleiche Startelf wie im Hinspiel
Die Aufstellung der Gastgeber war mit drei Spitzen sehr offensiv ausgerichtet, das Freiburger Trainerteam hatte sich für die gleiche Startelf wie in Freiburg entschieden. Damit war auch Johan Manzambi nach seinem Schlag auf die Wade in Mainz wieder fit, der in der 14. Minute den ersten Torschuss abgab, das Tor aber um einige Meter verfehlte.
Zu diesem Zeitpunkt hatte der SC das Spiel beruhigt, ließ den Ball gut laufen, Vigo, das nach dem Hinspiel immerhin drei Tore zurücklag, hatte nach 20 Minuten noch keinen Torschuss abgegeben. In der Offensive fanden die Spanier gegen die stabile, aufmerksame SC-Defensive keine Räume. Das Spiel in Ruhe aufbauen war für die Heimmannschaft auch nicht möglich, weil Igor Matanovic und die Kollegen das Aufbauspiel früh störten.
VAR überstimmt Schiedsrichter
In der 33. Minute musste das Spiel für einige Minuten angehalten werden, weil sich der Video-Assistent-Referee eingeschaltet hatte. Der Grund: Die Überprüfung des Tores von Matanovic, der den Ball nach Jordy Makengos Kopfballablage volley ins Toreck gezimmerthatte. Ein Traumtor, aber das Schiedsrichtergespann hatte den Torschützen im Abseits gesehen. Nicht so aber der Videoschiedsrichter, der den Treffer kurz darauf anerkannte. Der SC führte mit 1:0.
In Summe lagen die Freiburger nun vier Tore in Front und in der 39. Minute waren es fünf. Denn nach tollem Zusammenspiel über die linke Seite, von wo der Ball von Beste zu Yuito in den Strafraum kam, traf der Japaner zum 2:0. Ein Doppelschlag, „zwei wunderbare Tore“, lobte Schuster – und das Halbfinale zum Greifen nahe.
Zweiter Treffer für Yuito
Der zweite Durchgang startete mit der ersten ernstzunehmenden Offensivaktion Vigos, mit der sie Noah Atubolus Tor sehr nahekamen, aber an Treu scheiterten, der den Ball im entscheidenden Moment ablenkte und damit einen Torschuss unterband.
Der SC dagegen rückte dem Halbfinale in der 52. Minute wieder ein Stück näher, denn Yuito erhöhte nach Vincenzo Grifos Vorarbeit mit seinem zweiten Tor auf 3:0. Das Team hatte Spiel und Gegner und immer wieder auch das Stadion im Griff. „Wir haben geschafft, dieses wunderbare Stadion phasenweise ruhig zu bekommen“, sagte Schuster.
Die eingewechselten Derry Scherhant und Lucas Höler hatten in der 58. Minute eine Doppelchance, bei der Scherhant zunächst den Pfosten traf und Hölers Nachschuss von Vigos Keeper Ionut Radu pariert wurde.
Vigo zeigt Moral, Beste und Atubolu stark
Fer Lopez kam dem SC-Tor in der 67. Minute mit seinem Schuss aus 20 Metern am nächsten, aber auch er verfehlte um Zentimeter. Zwei Minuten darauf gelang es Vigo, einmal spielerisch vor das Tor zu kommen. Den Steckpass in den Strafraum antizipierte Beste aber und unterband einen Torschuss mit einer beherzten Grätsche.
Das musste man den Gastgebern lassen: Sie zeigten Moral, bekamen weiterhin viel Unterstützung ihrer Fans und hatten nach 73 Minuten zwei Torchancen. Bei der einen zeigte Atubolu sein ganzes Können und parierte im Eins-gegen-Eins gegen Jones El Abdellaoui stark, ein paar Sekunden später flog ein Distanzschuss knapp am Tor vorbei. Auch Williot Swedberg probierte es, traf erst das Außennetz (80.), dann den Pfosten und dann doch noch zum Ehrentreffer ins Tor (90.), den sich Vigo am Ende auch verdient hatte.
Nach diesem Tor beendete der Referee das Spiel und in der spanischen Abendsonne hatte der Sport-Club Julian Schusters „großen Wunsch“ erfüllt und Vereinsgeschichte geschrieben.
Isabel Betz
Foto: Torbjon Tande
Stenogramm
| Aufstellung Celta Vigo: Radu - Rodriguez, Lago, Alonso - Rueda (46. El Abdellaoui), Vecino (64. Alvarez), Moriba (46. Swedberg), Mingueza - Fer López, Iglesias (46. Aspas), Jutglà | |
| Trainer: Claudio Giraldez | |
| Bank: Villar, Aidoo, Carreira, Nunez Cobo, Durán, Swedberg, Ristic, Sotelo, Àlvarez, El-Abdellaoui | |
| Aufstellung SC Freiburg: Atubolu - Treu, Ginter, Lienhart (71. Ogbus), Makengo - Manzambi (71. Höfler), Eggestein - Beste (84. Irié), Suzuki, Grifo (56. Scherhant) - Matanovic (56. Höler) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Müller, Huth, Jung, Scherhant, Höler, Kübler, Irié, Philipp, Höfler, Günter, Ogbus, Steinmann | |
| Tore: 0:1 Matanovic (33.), 0:2 Suzuki (39.), 0:3 Yuito (51.), 1:3 Swedberg (90.) | |
| Gelbe Karten: Moriba, Vecino, Aspas, Alvarez - Matanovic, Ginter | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichter: Anthony Taylor | |
| Zuschauer/innen: 22.000 |
