Jokertor zum Punkt gegen Wolfsburg
Der Sport-Club dreht einen Rückstand und spielt 1:1 (0:0) gegen den VfL Wolfsburg. Das Freiburger Tor des Tages erzielt Philipp Lienhart per Kopf (75.).
„Ich erwarte einen Gegner, der alles reinwirft“, hatte Julian Schuster vor der Partie gesagt. „Bei ihnen geht es um alles, dementsprechend werden sie auftreten.“ Beflügelt von der 1:2-Niederlage des FC St. Pauli einige Stunden zuvor und mit der Möglichkeit, die Kiez-Kicker zwei Punkte auf Distanz zu halten, traten die Wölfe von Beginn an mutig auf. Christian Eriksen traf mit einem wuchtigen Distanzschuss aus halbrechter Position den Pfosten. Vincenzo Grifo verpasste aus aussichtsreicher Freistoßposition auf der Gegenseite die frühe Freiburger Führung deutlich.
Im Vergleich zur späten 1:2-Niederlage bei Sporting Braga hatte sich das Freiburger Trainerteam für drei Wechsel in der Startelf entschieden. Bruno Ogbus, Christian Günter und Lucas Höler ersetzten Philipp Lienhart, Jordy Makengo und Igor Matanovic. Beim VfL nahm Top-Torjäger Mohammed Amoura (acht Treffer) zunächst auf der Bank Platz.
Beide Mannschaften spielten von Beginn an offensiv, es ging munter hin und her. Nach einem langen Ball der Wolfsburger tauchte Dzenan Pejcinovic nach 16 Minuten frei vor Atubolu auf, platzierte seinen Abschluss aus 15 Metern aber zu zentral. Der Sport-Club hatte Mitte der ersten Halbzeit mehr als 60 Prozent Ballbesitz, große Gelegenheiten gab es bis zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. „Wir haben es versäumt, trotz des Ballbesitzes torgefährlich zu werden. Diesen Punkt müssen wir uns vorwerfen lassen“, sagte Julian Schuster nach der Partie.
Nach schwungvollem Beginn flachte die Partie vor 32.500 Zuschauer/innen im Europa-Park Stadion gegen Ende von Hälfte eins merklich ab. Die beste Gelegenheit vor dem Pausenpfiff hatte Wolfsburg Adam Daghim per Kopf nach einer Flanke von Konstantions Koulierakis aus dem linken Halbfeld, Noah Atubolu musste jedoch auch in dieser Szene nicht eingreifen. Der Kopfball verfehlte das Tor um einen halben Meter. Danach war Pause.
Wolfsburg nutzt zweite Ecke der Partie
Ohne Wechsel kamen beide Teams aus der Kabine. Johan Manzambi wurde unmittelbar nach Wiederanpfiff tief im eigenen Strafraum von gleich drei Wolfsburgern unter Druck gesetzt, konnte einen kleinen Stockfehler aber selbst in höchster Not wieder korrigieren. Nach einer herausragenden Rettungstat von Ogbus gegen Pejcinovic legte sich Eriksen den Ball nach 55 Minuten zur erst zweiten Ecke der Partie bereit. Mit seiner Hereingabe fand der Däne den heranstürmenden Koulierakis, der wuchtig aus sieben Metern zur Wolfsburger Führung einköpfte. Kurz darauf verpasste Johan Manzambi mit einem Schlenzer aus 14 Metern den schnellen Freiburger Ausgleich knapp (60.).
„Das Tor hat sich ein Stück weit abgezeichnet“, sagte Julian Schuster auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Partie. „Danach wurde es besser. Es ist positiv, dass die Jungs Charakter gezeigt haben, das zeichnet sie aus.“ Die Zeit rannte dem SC jedoch zunehmend davon, die klaren Chancen fehlten weiterhin. Eine solche hätte Yuito Suzuki nach Kopfballablage von Matthias Ginter gehabt, rutschte aber kurz vor seinem Abschluss auf Höhe des Elfmeterpunkts weg (67.). Acht Minuten später zappelte der Ball dann aber doch im Wolfsburger Tor. Manzambi hatte aus dem linken Halbfeld auf den eingewechselten Philipp Lienhart geflankt, dessen Kopfball aus elf Metern am Innenpfosten landete und von dort ins Tor sprang.
Chancen auf ein spätes 2:1
„Wir haben gezeigt, dass wir nach einem Rückstand zurückkommen können – und das haben wir auch in Braga gezeigt“, betonte Philipp Treu nach der Partie am ARD-Mikro. Dass es am Ende „nur“ für einen und nicht für drei Punkte reichte, lag auch daran, dass der SC in der Schlussphase zwar Gelegenheiten hatte, der Ball aber nicht erneut über die Linie wollte. Weder ein weiterer Lienhart-Kopfball nach einer Beste-Ecke (86.) noch ein Sololauf von Manzambi (90.) oder ein Schuss von Eggestein im Fallen aus 14 Metern (90.+1) führten zum Erfolg. So blieb es beim 1:1, das angesichts eines Eckballverhältnisses von 1:7 aus SC-Sicht auch nicht völlig unverdient war.
Am Donnerstag (21 Uhr) geht es für den Sport-Club im Halbfinal-Rückspiel gegen Sporting Braga in der UEFA Europa League weiter.
Marius Faller
Foto: Achim Keller
Stenogramm
| Aufstellung SC Freiburg: Atubolu - Treu, Ginter, Ogbus (58., Lienhart), Günter (72., Kübler) - Eggestein, Manzambi - Beste, Suzuki (81., Höfler), Grifo (72., Scherhant) - Höler (58., Matanovic) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Müller, Makengo, Philipp, Irié | |
| Aufstellung VfL Wolfsburg: Grabara - Belocian, Vavro, Koulierakis (90.+6, Jenz) - Kumbedi, Souza (72., Svanberg), Maehle - Wimmer (72., Majer), Eriksen (90.+6, Gerhardt) - Pejcinovic, Daghim (87., Amoura) | |
| Trainer: Dieter Hecking | |
| Bank: Pervan, Zehnter, Paredes, Shiogai | |
| Tore: 0:1 Koulierakis (55.), 1:1 Lienhart (75.) | |
| Gelbe Karten: Ginter - Svanberg | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichter: Bastian Dankert | |
| Zuschauer/innen (Fahrradzahl): 32.500 (4.680) |
