Bittere Niederlage in langer Nachspielzeit
Der Sport-Club hat sein Heimspiel gegen den FC Bayern München mit 2:3 (0:0) verloren. Die 2:0-Führung nach Toren von Johan Manzambi und Lucas Höler drehte der Tabellenführer mit zwei Treffern in der zehnminütigen Nachspielzeit. Für die Bayern erzielte Tom Bischof zwei Tore, Lennart Karl den Siegtreffer.
Lucas Höler, der sein 300. Pflichtspiel für den SC machte, durfte gegen den deutschen Rekordmeister anstelle von Igor Matanovic beginnen. Der 22-Jährige war mit der kroatischen Nationalmannschaft für zwei Länderspiele in den USA und erst spät nach Freiburg zurückgekehrt.
Erinnerungen an Hölers Torriecher gegen die Bayern kamen auf. Im März 2024 hatte er den FCB in der Liga mit seinem späten Ausgleichtreffer um drei Punkte gebracht, im DFB-Pokal-Viertelfinale 2023 war Hölers Elfmetertor in der Nachspielzeit Siegtor. Und auch heute sollte ihm ein weiteres Tor gegen den FCB gelingen. Neben Höler standen im Vergleich zum Spiel beim FC St. Pauli vor der Länderspielpause auch Derry Scherhant, Christian Günter und Philipp Lienhart in der Startelf gegen den Tabellenführer, der ohne seinen verletzten Torjäger Harry Kane angereist war.
Großchance für Treu
Aber auch ohne Kane war der Münchener Kader mit Weltklassespielern besetzt. Der SC ging mutig in ein zu Beginn offenes Spiel, in den ersten Minuten gelangen mehrere gute Balleroberungen im Mittelfeld, Höler setzte Manuel Neuer in der fünften Minute so unter Druck, dass der 40-Jährige den Ball verlor. Der SC-Jubilar suchte erst einen Mitspieler, brachte den Ball schließlich selbst aufs Tor, an dem dieser Zentimeter vorbeirollte.
Die Bayern versuchten es in der Offensive mit Ruhe. Noah Atubolu war beim ersten Torschuss der Gäste von Tom Bischof auf dem Posten und auch beim Chipball in den Sechzehner auf Serge Gnabry, den er kurz vor dem FCB-Angreifer entschärfte. Aber nicht der Tabellenführer, sondern der SC hatte die bis dahin größte Möglichkeit des Spiels. In der 15. Minute befreite sich der Sport-Club über die linke Seite, Johan Manzambi öffnete das Spiel mit einer Drehung um seinen Gegenspieler, spielte weiter zu Niklas Beste, dessen flache Hereingabe an den langen Pfosten Philipp Treu fand. Der Rechtsverteidiger hatte Zeit, sein Schuss ging am Tor vorbei.
Drei Minuten, drei Chancen
Es war ein richtig guter Auftritt gegen das Spitzenteam der Bundesliga – energiegeladen, schwungvoll, zielstrebig. An der Seitenlinie spendete Julian Schuster immer wieder Applaus. Ja, die Bayern blieben gefährlich, aber auch anfällig. Jonathan Tah foulte Yuito kurz vor der Strafraumgrenze – eine hervorragende Freistoßposition. In Abwesenheit von Vincenzo Grifo versuchte es Beste flach, Neuer hielt sicher (27.). 60 Sekunden später hatte Höler die Führung auf dem Fuß, aber Neuer reagierte nach seiner Volleyabnahme auf der Linie hervorragend.
Direkt im Anschluss bekamen die Gäste einen Freistoß aus 17 Metern zugesprochen. Joshua Kimmich trat den ruhenden Ball in die Mauer (31.). Ständige Spannung, aufregende Momente und chancenreiche Minuten blieben dem Duell bis zur Pause erhalten. Lienharts Kopfball nach einem Freistoß in der 35. Minute kratzte Bayerns Nummer 1 wieder von der Linie, der Österreicher hatte bei Ballberührung aber knapp im Abseits gestanden.
Eine Doppelchance der Bayern vergaben Luis Diaz und Lennart Karl drei Minuten vor dem Seitenwechsel. Serge Gnabry knallte den Ball in der 45. Minute zum Ende einer aus Freiburger Sicht starken ersten Hälfte aus 20 Metern knapp am Tor vorbei.
Traumstart in Durchgang zwei
Die Fans, die pünktlich zu Wiederanpfiff wieder ihre Plätze eingenommen hatten, hatten alles richtig gemacht. Es waren noch keine zwei Minuten gespielt – der SC kam wieder schwungvoll aus der Kabine – da fasste sich Manzambi ein Herz, zog aus 25 Metern ab und traf zur 1:0-Führung.
Höler verpasste es, seinen bis dahin starken Auftritt nach 53 Minuten zu krönen. Der Angreifer vergab innerhalb von drei Minuten zwei Großchancen im Strafraum. Aber statt Verzweiflung auf den Rängen wurden die Zusprüche der Fans für Höler und die Mannschaft nur noch intensiver.
FCB-Coach Vincent Kompany brachte Michael Olise ins Spiel, der mit seinem ersten Ballkontakt den Ausgleich vergab (58.), aber die Gäste wurden nun aktiver und übten mehr Druck auf die SC-Defensive aus. Der Sport-Club hielt diesem Stand und dann kam sie doch – diese eine Aktion für Lucas Höler.
Höler trifft, FCB nutzt lange Nachspielzeit
Im eigenen Strafraum waren sich Neuer und sein Vordermann nach einer SC-Ecke nicht einig, Höler nutzte die Situation aus und machte das 2:0. Sein Tor gegen die Bayern, seine Belohnung für ein starkes Spiel. Das Stadion war ein einziges Tollhaus – noch mehr, als Atubolu Olises Schuss aus halbrechter Position gerade noch über die Latte lenkte (77.) und gleiches vier Minuten später gegen den Schuss von Diaz tat und diesen Versuch mit Flugeinlage vereitelte.
Die Schlussphase hatte es in sich. München drückte den Sport-Club tief in die eigene Hälfte, der SC musste viel Defensivarbeit leisten. Nach den beiden von Atubolu stark parierten Distanzschüssen bekamen die Gäste zwei weitere, einer davon führte zum Anschlusstreffer. Bischof verkürzte aus 20 Metern mit seinem Flachschuss ins Eck zum 2:1 (81.).
Es folgte eine zehnminütige Nachspielzeit, in der der SC das Spiel verlor. Zunächst bekam Bischof erneut eine Schusschance – gleiche Position, gleiche Distanz wie bei seinem ersten Tor. Wieder zog der 20-Jährige flach ab, traf erneut. 2:2. Die Münchener Angriffswelle rollte pausenlos aufs Freiburger Tor zu und die Bayern hatten das Schlusswort. In der neunten Minute der Nachspielzeit drehten sie das Spiel, als Karl aus fünf Metern zum 2:3 traf.
Maxmilian Eggesteins nüchterne Analyse nach dem Abpfiff lautete: „Die Nachspielzeit war sehr lang, das ärgert mich. Aber wir hätten das Spiel schon früher für uns entscheiden müssen.“ Eine frühere Entscheidung hätte sich auch Julian Schuster gewünscht: "Wir müssen uns heute vorwerfen, dass wir den Sack nicht zugemacht haben und in der ersten Hälfte haben wir es versäumt, schon ein Tor zu erzielen. Es hat für uns sehr lange sehr gut ausgesehen. Wir haben viel von dem umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten."
Isabel Betz
Foto: Achim Keller
Stenogramm
| Aufstellung SC Freiburg: Atubolu - Treu, Ginter, Lienhart, Günter (64. Kübler) - Eggestein, Manzambi (78. Matanovic) - Beste (78. Irié), Suzuki (89. Höfler), Scherhant - Höler (89. Ogbus) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Müller, Jung, Kübler, Irié, Philipp, Höfler, Matanovic, Grifo, Ogbus | |
| Aufstellung FC Bayern München: Neuer - Stanisic, Tah (56. Laimer), Kim (87. Davies), Bischof - Kimmich, Goretzka (56. Pavlovic) - Karl, Guerreiro (56. Olise), Diaz - Gnabry (65. Musiala) | |
| Trainer: Vincent Kompany | |
| Bank: Urbig, Upamecano, Musiala, Olise, Davies, Ito, Laimer, Pavlovic, Cardozo | |
| Tore: 1:0 Manzambi (46.), 2:0 Höler (71.), 2:1 Bischof (81.), 2:2 Bischof (90.+2), 2:3 Karl (90.+9) | |
| Gelbe Karten: Ginter, Atubolu, Eggestein - Tah, Olise, Karl | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichter: Daniel Siebert | |
| Zuschauer/innen (Fahrradzahl): 34.700 (4521) |
