"Beste Zeit meiner Karriere"

Männer
30.10.2026

Jeder Club hat seine Kultfiguren. Vor dem Spiel beim FC Augsburg kommt in unserem Stadionmagazin Heimspiel eine der Legenden des nächsten SC-Auswärtsgegners zu Wort: Raúl Bobadilla. 

Herr Bobadilla, Angreifer Michael Gregoritsch ist seit seinem Doppelpack am 3. Spieltag gegen Bayer 04 Leverkusen neuer Rekordschütze des FC Augsburg in der Bundesliga …

Bobadilla: … und ich war live im Stadion dabei. Immer, wenn es mir möglich ist, fahre ich aus der Schweiz zu Heimspielen des FC Augsburg. Dann treffe ich viele alte Freunde und Bekannte aus dem Club. Gregerl habe ich direkt nach dem Spiel gratuliert. Er ist ein toller Typ, sympathisch, immer gut drauf und sportlich ein herausragender Spieler. Ich habe mich sehr für ihn gefreut, dass er mit seinem 38. Treffer Augsburgs Rekordtorschütze in der Bundesliga geworden ist.

Sie stehen in jener Liste mit 21 Toren ebenfalls in den Top 10.

Bobadilla: Ja, ich bin froh, so viele Tore für den Club beigesteuert und so viele Spiele auch auf diesem Niveau gemacht zu haben. Das war ja nicht selbstverständlich in Augsburg, in all den Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse aufzulaufen. Das hatten viele Menschen so nicht erwartet – eine großartige Erfolgsgeschichte.

Unter Ihren 21 Bundesligatreffern sind Tore gegen die Bayern, gegen Dortmund, gegen Stuttgart – aber kein einziges gegen den SC Freiburg!

 Bobadilla:(lacht) Der SC Freiburg war immer ein sehr harter Gegner, und wie man sieht, so hart, dass ich nicht gegen ihn treffen konnte. So etwas nervt mich natürlich schon ein wenig (schmunzelt).

Der klassische Angstgegner?

Bobadilla: Das ist etwas übertrieben. Angst hatte und habe ich vor keinem Club. Aber natürlich Respekt, auch gegenüber Freiburg.

Haben Sie eine besondere Erinnerung an ein Spiel gegen den SC?

Bobadilla: Hätte ich mal ein Tor geschossen, dann ja (lacht).

Dann erinnern wir uns doch gemeinsam an eine ganz besondere Partie mit dem FCA in der Europa League: Stichwort Alkmaar.

Bobadilla: Sehr gerne! Es war ja schon überragend, dass wir mit dem FC Augsburg nach der Saison 2014/15 ins internationale Geschäft eingezogen sind. Zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins. Und dann spielten wir in der Gruppenphase zur Überraschung vieler auch noch eine große Rolle in einer durchaus schwierigen Gruppe mit Athletic Bilbao, dem AZ Alkmaar und dem FK Partizan Belgrad. Im Heimspiel gegen Alkmaar gelang mir beim 4:1-Sieg ein Hattrick. Das war sicher eines meiner besten Spiele im Trikot des FCA.

Spürt ein Stürmer das manchmal vor einem Spiel schon: Heute passiert etwas ganz Großes?

Bobadilla: Ehrlicherweise war ich immer total scharf auf internationale Spiele. Davon hat man ja nicht so viele, die genießt man dann in vollen Zügen – und man holt doch noch mal ein paar Prozent mehr aus sich heraus. Die Stimmung bei Flutlichtspielen, die hat mich schon immer sehr gepusht.

Für den FC Augsburg kam es damals noch besser als erhofft: Rang zwei in der Gruppe L bedeutete die Qualifikation für die Playoffs.

Bobadilla:Im letzten Gruppenspiel mussten wir gegen Partizan Belgrad gewinnen, auswärts. Das war ein richtiger Hexenkessel, das ganze Stadion war gegen uns und unglaublich laut. Aber wir gewannen am Ende mit 3:1 und kamen eine Runde weiter, …

… wo gleich das nächste Highlight wartete: der FC Liverpool.

Bobadilla: Ein Team mit unglaublich tollen Spielern: Jordan Henderson, Coutinho, Firmino. Brutal hohe Qualität. Aber wir hielten super dagegen, erkämpften uns ein 0:0 im Hinspiel, verloren denkbar knapp und unglücklich im Rückspiel mit 0:1. Die Europa-­League-Saison brachte viele Highlights mit sich, an die ich bis heute gerne zurückdenke. Wie viele andere im Club auch.

Sie haben in Ihrer Karriere in 20 Jahren bei 15 verschiedenen Clubs gespielt. Die längste Zeit verbrachten Sie in Augsburg, was hielt Sie viereinhalb Jahre dort?

Bobadilla: Das war die längste Zeit, ja, und auch die beste Zeit meiner Karriere. Bei Augsburg hat alles gestimmt: der Rückhalt der Leute, die mich auch im ersten Jahr wahnsinnig toll unterstützten, als ich lange verletzt war. Dazu hatten wir ein sensationelles Team mit viel Qualität, etliche Highlights wie den 1:0-Auswärtssieg beim  FC Bayern durch meinen Treffer, einen starken Zusammenhalt aller Verantwortlichen im Verein. Auch deswegen fahre ich heute noch so gern nach Augsburg.

Sind Sie dann auch gegen den SC Freiburg im Stadion?

Bobadilla: Die Chancen stehen gut. Und Vincenzo Grifo fragt mich auch ständig, ob ich mal zu einem seiner Spiele komme, am liebsten natürlich in Freiburg. Ich habe ihn während meiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach kennengelernt, bis heute sind wir eng befreundet, haben uns jüngst auch mal im Urlaub getroffen. Auch ein toller Kerl. Und wie Gregerl in Augsburg ebenso Bundesliga-­Rekordschütze seines Vereins. Sensationell!              

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift:Raúl Bobadilla (39) hat zwischen 2013 und 2017 für den FC Augsburg 105 Pflichtspiele bestritten, dabei wettbewerbsübergreifend 29 Treffer erzielt. Der in Buenos Aires geborene Paraguayer absolvierte elf Länderspiele für sein Heimatland, heute stürmt er für den FC Rapperswil-Jona in der 2. Liga der Schweiz.

 

 
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