Julian Schuster zieht Trainingslager-Bilanz
Zehn Tage lang hat sich der Sport-Club in Schruns auf die neue Spielzeit vorbereitet. Julian Schuster zieht im Gespräch mit Journalisten eine Bilanz.
Über das Trainingslager
Wir hatten intensive Tage, gute Stimmung und ziemlich viele Männer an Bord. Man spürt gegenseitig, dass die Jungs sich unglaublich viel abverlangen. Keiner nimmt sich raus – so entsteht positiver Druck. Ich bin überzeugt davon, dass genau diese Haltung dafür sorgt, dass wir mit großer Bereitschaft und hoher Intensität unterwegs sind. Das ist natürlich ein Traum für jeden Trainer.
Das erste Testspiel der Vorbereitung gegen Derby County war ordentlich. Der Gegner stand eine Woche vor dem Rundenstart und war körperlich sehr präsent, da haben wir gut dagegengehalten. Auch für Fürth war es der letzte Test vor dem Zweitligastart, das merkt man dann schon. Auch wenn uns die Frische gefehlt hat, hätten wir in einigen Phasen des Spiels geschlossener agieren müssen. Wenn das nicht passiert, dann wird es schwierig. Wir hatten unsere Chancen, aber die haben wir nicht genutzt. Vielleicht ist so eine Niederlage zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht verkehrt, um weiter die Sinne zu schärfen, was es bedarf, um erfolgreich zu sein.
Über die Offensive
Der Konkurrenzkampf hat uns vergangene Saison schon ausgezeichnet. Und ich glaube, er hat sich noch einmal verschärft. Das Schöne an der Vorbereitung ist, dass noch keine Entscheidungen gefallen sind. Die Spielzeit ist gleichmäßig verteilt und die Trainer schauen genau hin.
Bei Cyriaque Irié ist es für alle Beobachter augenscheinlich, dass er voll dabei ist. Er präsentiert sich in einer sehr guten körperlichen Verfassung. Das trifft aber auch auf Derry Scherhant oder Niklas Beste oder Vincenzo Grifo zu. Sie hatten alle ihre richtig guten Momente. Diese Eindrücke sind für das Trainerteam unglaublich wichtig. Und sie sind natürlich Voraussetzung, um in absehbarer Zeit auf Einsätze zu kommen.
Die Eindrücke bestätigen auch, was wir schon im Laufe der Rückrunde wahrgenommen haben. Vor allem in Momenten, wo wir zurücklagen, wo wir mussten, kam es auf besondere Offensivqualität an. Sissi Irié etwa hat auf St. Pauli nach seiner Einwechslung für ganz viel Schwung gesorgt. Natürlich wollen wir dahin kommen, dass wir ihn auch losgelöst vom Spielstand auf dem Platz haben.
Igor Matanović ist erst während des Trainingslagers zur Gruppe gestoßen. Man merkt ihm an, dass er bei der Weltmeisterschaft ganz viele Erfahrungen gesammelt hat. Mit Spielen auf sehr hohem Niveau. Diese Erlebnisse helfen mit Sicherheit bei der Weiterentwicklung und lassen einen Spieler reifen.
Über die Defensive
Auch hier ist der Konkurrenzkampf groß. Natürlich ist es so, dass Matthias Ginter und Philipp Lienhart ein Duo bilden, das uns große Stabilität gibt. Und sie haben trotz ihrer Erfahrung immer noch die Bereitschaft, sich weiterzuentwickeln. An dieser Herangehensweise können sich auch die Jüngeren orientieren. Max Rosenfelder und Bruno Ogbus haben gute Leistungen gezeigt und werden davon profitieren, eine komplette Vorbereitung mitgemacht zu haben. Im Idealfall ermöglichen wir uns, dass wir wieder eine Dreifachbelastung mit der entsprechenden Anzahl an Spielen haben. Die Option der Rotation ist da wertvoll.
Auf der linken Seite ist Berkay Yilmaz dazugekommen. Ihn kann ich mir aber auch auf anderen Positionen vorstellen. Im Training im 11 gegen 11 hat er schon Rechtsverteidiger gespielt und das sehr, sehr gut umgesetzt. Im Test spielte er im Mittelfeld. Es ist eine absolute Qualität von ihm, flexibel einsetzbar zu sein. Das muss er selbst so sehen und so betrachten wir es auch als Trainerteam.
Über die Japan-Fraktion
Auf der Suche nach neuen Spielern schauen wir sicherlich nicht darauf, ob sie einen japanischen Pass haben. Zuletzt war es aber öfter so, dass wir auf der Suche nach bestimmten Profilen bei Spielern aus Japan gelandet sind und die japanische Fraktion dieses Jahr deutlich stärker geworden ist. Die positiven Erfahrungen mit Ritsu Doan und Yuito Suzuki spielen natürlich auch eine Rolle. Nur weil sie die gleiche Nationalität haben, muss es allerdings nicht bedeuten, dass sich Yuito, Rihito, Keisuke und Mio gleich verstehen. Man muss es nur mal drehen: Wenn ich in Japan mit einem Deutschen zusammenarbeite, muss ich auch nicht jeden Nachmittag einen Kaffee mit ihm trinken gehen. Wir sehen da schon jeden einzelnen Spieler als Individuum mit unterschiedlichen Bedürfnissen.
So ist es uns auch wichtig, dass Mio Backhaus nicht gleichzeitig auch der Dolmetscher ist. Er braucht Raum für sich und er macht das bisher auf natürliche Art und Weise und mit Überzeugung richtig gut. Aber es kann mit Sicherheit auch mal geben Situationen geben, in denen er sagt, da habe ich gerade keinen Bock drauf. Und das ist dann auch völlig in Ordnung.
Über die Ansprüche
Die Jungs sind in stetiger Weiterentwicklung und dadurch erhöht sich die Qualität. Das tut uns definitiv gut und wir gehen mit einem gesunden Bewusstsein in die Spiele, zu was wir in der Lage sind. Trotzdem ist es essentiell, die Grundlagen nicht zu vergessen – das ist eine Erkenntnis der vergangenen Saison, als wir nach zwei Spieltagen mit null Punkten dastanden. Nach den Grundlagen kommen die Details. Auf dem Weg befinden wir uns gerade.
Ich glaube, es macht nicht viel Sinn, schon jetzt über Ergebniszielsetzungen zu diskutieren. Natürlich haben alle ehrgeizige Ziele und ich bin auch jemand, der sehr positiv denkt und viel möchte. Aber darum geht es nicht. Ich möchte, dass sich unsere Ambitionen, Wünsche und Träume in der täglichen Arbeit widerspiegeln. Deshalb versuche ich knallhart zu arbeiten, dass wir möglicherweise dahin kommen. So ist die Herangehensweise. Schritt für Schritt, mit internen Zwischenzielen. Wenn wir die nicht erreichen, müssen wir reflektieren, genau hinschauen, warum wir sie nicht erreicht haben. Und wenn im Idealfall ein Zwischenziel nach dem anderen folgt, dann kann es eben dahin führen, dass wir am Ende bei etwas Großem landen.
