Ein Rheinschwimmer möchte Gas geben

Männer
23.07.2026

Berkay Yilmaz ist zwar schon seit 2020 beim Sport-Club - geht nach zwei Jahren Leihe beim 1. FC Nürnberg und seinem ersten Trainingslager in Schruns dennoch als waschechter Neuzugang durch. Der 21-Jährige spricht im Interview über seine Heimat am Bodensee, Miroslav Klose und Fernziele in der Türkei.

Wir von der Medienabteilung sind gestern über den Bodensee nach Schruns gefahren und hatten auch gut Zeit, uns die wunderschöne Bodensee-Landschaft anzuschauen, weil es auf der B31 eine Vollsperrung gab. Ist es auch für den gebürtigen Singener Berkay Yilmaz schön, nach der Rückkehr zum SC wieder so nahe an der Heimat zu sein?

Ja total. Von Singen nach Freiburg sind es eineinviertel Stunden. Das lässt sich an einem freien Tag mal gut machen. Unter der Woche kommen mich die Familie und Freunde auch gerne mal besuchen. Das war in Nürnberg mit vier Stunden Fahrzeit deutlich schwieriger.

Was ist Dein Bodensee-Geheimtipp? Wo sollte der Wochenend-Ausflügler aus Freiburg ins Wasser?

In Gailingen am Rhein ist es super. Fließendes Wasser, sehr sauber…

Rheinschwimmen?! Ist das nicht saugefährlich?

Das ist entspannt. Zuerst mit den Jungs ein bisschen den Ball hochhalten und dann zur Abkühlung ins kalte Wasser. Du kannst dich treiben lassen, ein bisschen mitschwimmen. Man sollte halt am Rand bleiben und nicht zu weit raus.

Deine Singener Jungs siehst Du die nächsten Tage nicht. Hier in Schruns steht Trainingslager auf dem Programm. Der Sport-Club ist schon zum 20. Mal hier. Für Dich ist es aber eine Premiere…

Ich bin zwar schon seit 2020 beim SC, aber in Schruns war ich vorher noch nie dabei. Super Anlage, schöne Zimmer. Das sind schon gute Bedingungen hier.

Vor zwei Jahren wärst Du sicher mit den Profis in Schruns zur Vorbereitung gewesen, wenn Du nicht anderweitig in Sachen Fußball unterwegs gewesen wärst…

Stimmt. Da war ich mit der Türkei bei der U19-Europameisterschaft in Nordirland. Das war ein super Turnier – für die Mannschaft und für mich persönlich. Wir haben gegen den späteren Europameister Spanien unentschieden gespielt und gegen den Finalisten Frankreich knapp verloren. Schade war, dass wir das abschließende Play-Off-Spiel um die Teilnahme an der Weltmeisterschaft gegen Norwegen mit 9:10 im Elfmeterschießen verloren haben.

Hast Du einen Elfmeter geschossen?

Ja, ganz spät. Zum Glück habe ich ihn reingehauen.

Und Du wurdest damals in die UEFA-Top-11 des Turniers gewählt…

Das war ein schöne Auszeichnung für mich persönlich. Die Wahl haben die UEFA-Verantwortlichen vor Ort und die Trainer der Nationalmannschaften getroffen. Da habe ich mich wirklich gefreut, am Ende in der Elf des Turniers zu stehen.

Die Aufregung wurde nicht weniger im August 2024. Erstmal ging es zurück nach Freiburg und dann per Leihe zum 1. FC Nürnberg. Wie lief das ab damals?

Ich war noch ein paar Tage in Freiburg, habe gegen Straßburg beim Testspiel mitgemacht und auch gegen Florenz bei der Saisoneröffnung. Nebenher liefen die Gespräche mit den Verantwortlichen, ob ich direkt bei den Profis einsteige, oder eine Leihe im Raum steht. Als die Nachricht kam, dass der 1. FC Nürnberg ein Verein sein könnte, hat sich das für mich sehr gut angehört. Und so bin ich am fünften Spieltag der laufenden Zweitligasaison nach Nürnberg gegangen.

So viele weichenstellende Entscheidungen in ein paar Wochen gehen an einem jungen Mann mit 19 Jahren wahrscheinlich auch nicht spurlos vorbei?

Das war schon intensiv für den Körper und für den Kopf. Schon während der U19-EM wurde viel geschrieben, das konnte ich ganz gut ausblenden und den vollen Fokus auf das Turnier legen. Mein Berater, meine Eltern und auch der SC haben mich da völlig in Ruhe gelassen. Die Gespräche nach dem Turnier waren anstrengend, da stand für mich persönlich ja auch viel auf dem Spiel. Die Entscheidung für Nürnberg war dann eine Erleichterung. Ich wusste, dass ich für die nächsten ein oder zwei Jahre ein Zuhause haben werde.

Miroslav Klose war in Nürnberg von Beginn an Dein Trainer. Der Mann war bis vor wenigen Taggen noch WM-Rekordtorschütze. Wie war das für Dich?

Erstmal alles neu. Ich kam mitten in der Saison in Nürnberg an, kannte niemanden. Sportlich lief es für den Verein anfangs auch nicht richtig rund. Da war es schon wichtig, dass der Trainer direkt hinter mir stand. Miroslav Klose ist extrem nett, extrem bodenständig – und er hat einfach richtig viel Ahnung von Fußball. Klose ist sehr interessiert an seinen Mitmenschen und baut Verbindungen auf. Es hat mich sehr beeindruckt, dass so ein Weltstar, den man vorher nur im Fernseher gesehen hat, vom ersten Tag an für einen jungen Neuzugang wie mich da war.

Wie fällt Dein Fazit aus nach zwei Jahren Leihe in Nürnberg?

Nürnberg ist eine Hausnummer. Viele Fans, viel Medieninteresse. Das war super für meine Entwicklung. Es hat extrem viel Freude bereitet, dort zu spielen und ich werde den Nürnberger Weg auch sicher weiter mit gedrückten Daumen verfolgen.

Jetzt bist Du wieder als Neuzugang in einer neuen Gruppe. Wie gehst Du die Sache beim Sport-Club an?

Ich bin dankbar für die Chance, mich hier zeigen zu können. Jetzt gilt es, tagtäglich Gas zu geben und an die Grenzen zu gehen. Ich möchte der Mannschaft helfen – und dafür möchte ich natürlich auf dem Platz stehen.

Die Konkurrenz ist groß auf Deiner linken Seite. Jordy Makengo und Christian Günter bringen schon einiges an Erfahrung mit…

Konkurrenz ist da – aber Konkurrenz macht die Mannschaft stärker und jeden Einzelnen stärker. Ich möchte mich natürlich durchsetzen, unterstütze die anderen aber auch, wenn ich nicht gleich spiele. Nach den paar Tagen hier habe ich schon gemerkt, dass die Gruppe sehr gut miteinander kann. Gerade die erfahrenen Spieler wie Günni leben das vor.

Der Sport-Club hat in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Europa League ein tolles Jahr hinter sich und mit Bundesliga, DFB-Pokal und Conference League Play-Offs einen spannenden Saisonstart vor sich. Auf was freust Du Dich am meisten?

Die Bundesliga ist ein Kindheitstraum, da freue ich mich extrem drauf. Auch aus der Ferne habe ich die Euphorie gespürt, die Europa im Verein ausgelöst hat. Das will ich dieses Jahr hautnah spüren. Im DFB-Pokal wartet mit Düsseldorf ein ganz unangenehmer Gegner, gegen den ich letztes Jahr mit Nürnberg zweimal gespielt habe. Wir wollen die ersten Spiele gut durchkommen und den Grundstein legen für eine gute Saison.

Warst Du im Mai in Istanbul dabei? Und ist es sinnvoll, sich diese Reise für 2027 nochmal als Ziel zu setzen?

Ich war in Istanbul dabei. Für mich war das doppelt besonders, denn ich war schon so oft mit den türkischen U-Nationalmannschaften in Istanbul und durfte jetzt das Finale mit meinem Verein verfolgen. Die Stimmung in der Stadt und im Stadion mit den vielen SC-Fans war extrem geil. Diese Erfahrung war wirklich verrückt und das kann sich gerne wiederholen. Dafür müssen wir aber in den nächsten Monaten richtig hart arbeiten.

Interview: Sascha Glunk

 
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