Herr Wache, eine der letzten Nachrichten, die wir über Sie im Internet fanden, lautet: „Mainz-05-Torwartlegende, Ehrenspielführer und Vereinsbotschafter Dimo Wache schenkt Fans zum Start des Marktfrühstücks Schobbe und Wein aus.“ Klingt nach einem zweiten Standbein als Hobbywinzer …

Wache: (lacht) Nein, aber Ich habe zur Eröffnung des diesjährigen Marktfrühstücks am Stand der Winzergemeinschaft ausgeschenkt, das hat viel Freude gemacht. Das Marktfrühstück findet immer von März bis September in der Mainzer Innenstadt statt, jeden Samstagvormittag während des Wochenmarkts. Im Schatten des Doms können die Menschen dann „Schobbe“ trinken, also Weinschorle im etwas größeren Glas, dazu eine „Weckwurscht“ essen, also eine Fleischwurst im Brötchen. Hier lernt man die Mainzer Lebensart mit all ihrer Fröhlichkeit und Gemütlichkeit besonders gut kennen.

Blöd für die SC-Fans ist nur, dass das Auswärtsspiel beim 1. FSV Mainz 05 an einem Sonntag stattfindet …

Wache: … aber es spricht ja nichts dagegen, schon am Samstagmorgen anzureisen – und sich ein schönes Wochenende in der Stadt zu machen. Mainz hat neben dem Marktfrühstück schließlich noch viele schöne und sehenswerte Ecken zu bieten.

Wenn wir schon beim geselligen Teil sind: Wie viele „Schobbe“ wurden am 23. Mai 2004 in der Mainzer Kabine geleert?

Wache:(lacht) Da kamen noch ganz andere Getränke auf den Tisch. Der erste Aufstieg des 1. FSV Mainz 05 in die Bundesliga wurde mehr als ausgelassen gefeiert. Die gesamte Stadt war in rot-weiß gehüllt und feierte drei Tage lang durch. Wahrscheinlich wurde noch mal umso mehr gefeiert, weil wir in den beiden Spielzeiten zuvor jeweils so knapp und dramatisch am Aufstieg gescheitert waren.

Und vielleicht auch, weil in jener Aufstiegssaison 2003/04 lange niemand mehr so recht an den Aufstieg geglaubt hatte …

Wache: Nach dem 29. Spieltag waren wir Achter, mit sechs Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz. Aber dann fingen wir plötzlich an zu punkten: 4:1 gegen den MSV Duisburg, 4:1 beim VfB Lübeck, 2:0 gegen die SpVgg Unterhaching – und auf einmal waren wir doch wieder im Rennen. Am letzten Spieltag schlugen wir daheim Eintracht Trier mit 3:0, überholten damit den Drittplatzierten Alemannia Aachen – und stiegen erstmals auf. Der Aufstieg war wie eine Befreiung für die ganze Stadt.

Woran selten erinnert wird, ist der Beinahe-Abstieg vor jenen erfolgreichen Spielzeiten, die im dritten Anlauf zum Bundesliga-Aufstieg führten. Nach der Saison 2000/01 wäre Mainz beinahe drittklassig gewesen.

Wache: Nach der Hinrunde standen wir unterm Strich, und auch nach der Winterpause war erst mal keine Besserung in Sicht. Nach einem 1:3 bei Greuther Fürth wurde am Rosenmontag dann ein neuer Trainer in Mainz vorgestellt: Jürgen Klopp. Mit ihm an der Seitenlinie legten wir eine Serie hin, die schließlich mit dem knappen Klassenerhalt endete.

Sie spielten von 1995 bis 2010 in Mainz und sind mit 406 Pflichtspielen für die Nullfünfer bis heute Rekordspieler des Vereins. Was bedeutet Ihnen das?

Wache: Rückblickend frage ich mich manchmal, wie viele Spiele es hätten sein können, wenn ich nicht so oft verletzt gewesen wäre. Dieser Rekord bedeutet mir aber natürlich sehr viel. Ich fühle mich als Mainzer, habe eine Mainzerin geheiratet, lebe hier mit meiner Familie und darf auch seit diesem Februar wieder Teil der Mainzer Fußballfamilie sein – als Vereinsbotschafter. 15 Jahre bei einem Verein – welcher Profi kann das heute noch von sich sagen? Ich bin jedenfalls froh, mich in den 15 Jahren gegen alles andere und immer für Mainz 05 entschieden zu haben.

Neun Ihrer 406 Pflichtspiele haben Sie gegen den SC Freiburg bestritten. Welche dieser Partien sind Ihnen noch in besonderer Erinnerung geblieben?

Wache: An zwei Partien kann ich mich sehr gut erinnern. Ich weiß zwar nicht mehr genau, wann das war, aber einmal war es in Freiburg so neblig, dass ich vom Tor aus die Mittellinie nicht mehr sehen konnte. Und beim anderen Mal kam ich frisch aus einer Verletzung, ging kurz vor Schluss mit nach vorne und bereitete den Anschlusstreffer vor.

Okay, wir dachten schon, Sie würden den Mainzer 5:0-Sieg in der Bundesliga-Debütsaison 2004/05 erwähnen …

Wache: Aus Sicht des Sport-Club war dieser Spieltag natürlich extrem bitter – wie auch die ganze Saison, die für den SC mit dem Abstieg endete. Für uns war dieses 5:0 am 24. Spieltag aber extrem wichtig, weil auch wir unten drin hingen und um jeden Punkt kämpfen mussten. Mein Kumpel Richie Golz stand gegenüber im Freiburger Tor, er tat mir an jenem Tag schon sehr leid. Aber derSC Freiburg hat sich ja auch von dieser Niederlage und dem Abstieg glücklicherweise wieder erholt, sodass ich danach noch mehrfach ins schöne Dreisamstadion reisen durfte. Das war für mich so ähnlich wie das Mainzer Bruchwegstadion: ein Ort der Fußballromantik.           

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift: Dimo Wache (52) stand zwischen 1995 und 2010 in 406 Pflichtspielen im Tor des 1. FSV Mainz 05. Im Anschluss an seine Profikarriere arbeitete er zwölf Jahre lang als Torwarttrainer beim SV Darmstadt 98. In diesem Jahr kehrte er zum 1. FSV Mainz 05 als Vereinsbotschafter zurück.

 

 
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