"Aufgebot im Radio verlesen"

Männer
09.05.2026

Jeder Club hat seine Kultfiguren. Vor dem Spiel beim Hamburger SV kommt in Heimspiel eine der Legenden des nächsten SC-Auswärtsgegners zu Wort: Klaus Zaczyk. 

Herr Zaczyk, als die Fußballbundesliga im Jahr 1963 startete, waren  Sie 18 Jahre, drei Monate und 13 Tage alt …

Zaczyk: ... und damit der jüngste Spieler, der beim Bundesligastart eingesetzt wurde. Das Schöne ist, dass mir diesen Titel niemals jemand wegschnappen kann (lacht).

Sie spielten damals für den Karlsruher SC. Am dritten Spieltag wurden Sie erstmals eingesetzt. Es ging daheim gegen den Hamburger SV, vor vollem Haus.  

Zaczyk: „Vor vollem Haus“ ist fast noch eine Untertreibung: Die Menschen saßen bis an den Spielfeldrand. Viele Fans kamen extra von Basel oder Freiburg aus angereist, um in Karlsruhe die Bundesliga erleben zu können. Alle waren gespannt, alle wollten die besten Mannschaften Deutschlands gegeneinander spielen sehen.

Die Gründung der Bundesliga wurde auch von kritischen Stimmen begleitet. Die „Sportschau“ etwa sprach von einem „Wagnis“, von einem zugleich „sportlichen Reiz wie wirtschaftlichen Risiko“.

Zaczyk: Ja, aber für mich als Sportler war das natürlich alles wahnsinnig aufregend. Ich bin in einem kleinen Dorf nahe Marburg aufgewachsen. Mir wurde es früh zu eng dort, ich wollte raus. Aus meiner Sicht ging das am besten durch den Sport. Ich setzte mir also das Ziel, alle Auswahlmannschaften zu durchlaufen, schaffte es dann auch über die hessische Auswahl bis zur deutschen Jugend-Nationalmannschaft. Der Fußball ermöglichte mir, die Welt zu erkunden. Mit dem VfL Marburg etwa unternahm ich im Rahmen eines Turniers meine erste Berlinreise, mit dem Junioren-Nationalteam flogen wir nach England – mein erster Flug!

1963 fragte der KSC an, ob Sie nach Karlsruhe wechseln wollten.

Zaczyk: Die Aussicht, dort Bundesliga zu spielen, war grandios. Genauso wie die Tatsache, dass ich gleich im dritten Spiel in der Startelf stand. Es war außergewöhnlich, 90 Minuten auf einen jungen Spieler wie mich zu setzen, damals waren ja noch keine Aus- und Einwechslungen erlaubt. Die wurden erst vier Jahre später eingeführt.

Als i-Tüpfelchen trafen Sie beim ersten Einsatz auf Ihr Jugendidol.

Zaczyk: Uwe Seeler! Den kannte ich aus der Zeitung, aus dem Fernsehen. Der beste Torjäger Deutschlands zu jener Zeit. Mein Idol. Vor Spielbeginn beobachtete ich seinen Tunnelblick, den ich mir daraufhin auch versuchte anzugewöhnen. Das war etwas Besonderes für mich, mit ihm gemeinsam auf dem Rasen zu stehen.

Von 1969 an standen Sie beide dann sogar als Mitspieler auf dem Platz, nachdem Sie nach einem Jahr beim 1. FC Nürnberg zum Hamburger SV gewechselt waren.

Zaczyk: Nach dem Abstieg mit dem KSC 1968 wollte ich weiter in der Bundesliga spielen. Der 1. FC Nürnberg hatte mich früh kontaktiert, und ich sagte zu, bevor die Bayern wenige Wochen später anklopften. Mit Nürnberg landeten wir ein Jahr später aber auch auf einem Abstiegsplatz – als amtierender Meister. Bayern München meldete sich erneut. Oder besser gesagt: ein Spielervermittler, wie das damals hieß. Der wollte 4.000 D-Mark von mir, wenn er den Wechsel zu den Bayern einfädelte. Das war damals viel Geld, und mir zu viel. Der Hamburger SV rief kurz darauf an. Eigentlich war eher der Süden mein Gefilde, aber dann zog ich eben in den Norden – und erlebte dort tolle Jahre. Zum Glück blieb Uwe Seeler auch noch bis 1972.

Zu den sportlichen Höhepunkten jener Zeit gehört sicherlich der Gewinn des DFB-Pokals 1976.

Zaczyk: Ein sehr besonderer Titel für jeden Spieler. Wir hatten damals auch in der Bundesliga eine tolle Saison gespielt, wurden Vizemeister hinter Borussia Mönchengladbach. Im DFB-Pokal hatten wir uns unter anderem im Halbfinale gegen Bayern München durchgesetzt, die damals Spieler wie Franz Beckenbauer oder Gerd Müller in ihren Reihen hatten. Aber wir hatten natürlich auch ein tolles Team: Manfred Kaltz, Kurt Eigl, Ole Björnmose – um mal ein paar Namen zu nennen.

Im Endspiel schlug der Hamburger SV den 1. FC Kaiserslautern mit 2:0.

Zaczyk: Peter Nogly hatte das 1:0 erzielt, Björnmose das 2:0 noch vor dem Seitenwechsel – und der Titel war unserer. Neben dem Triumph hatte ich persönlich aber noch ein weiteres sportliches Highlight: die Nominierung für die Nationalmannschaft.

Das war 1967 – für ein Testspiel gegen Marokko im Karlsruher Wildparkstadion.

Zaczyk: Ich saß damals mit meinem Bruder im Auto, als im Radio das Aufgebot verlesen wurde – mit meinem Namen. Wir fuhren direkt zum Hauptbahnhof, um die Nachtausgabe der Frankfurter Allgemeinen zu kaufen und nachzulesen, ob ich wirklich im Aufgebot stand. So war es. Noch besser kam es beim Spiel, als mich Trainer Helmut Schön zur zweiten Halbzeit auf den Platz schickte. Sieben Minuten später gelang mir auch noch ein Kopfballtreffer. Unfassbar! Nur schade, dass ich danach nie mehr für Deutschland zum Einsatz kam – das verstehe ich leider bis heute nicht.                 

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift: Klaus Zaczyk (80) spielte von 1969 bis 1978 für den Hamburger SV (344 Pflichtspiele, 47 Tore). 1976 gewann der Mittelfeldspieler mit dem HSV den DFB-Pokal, 1977 den Europapokal der Landesmeister. 1967 bestritt er sein erstes und einziges Spiel für die deutsche Nationalmannschaft.

Dieses Interview erschien in unserem Stadionmagazin Heimspiel, das auch als Abo erhältlich ist. 

 
Ihr Browser ist veraltet.
Er wird nicht mehr aktualisiert.
Bitte laden Sie einen dieser aktuellen und kostenlosen Browser herunter.
Chrome Mozilla Firefox Microsoft Edge
Chrome Firefox Edge
Google Chrome
Mozilla Firefox
MS Edge
Warum benötige ich einen aktuellen Browser?
Sicherheit
Neuere Browser schützen besser vor Viren, Betrug, Datendiebstahl und anderen Bedrohungen Ihrer Privatsphäre und Sicherheit. Aktuelle Browser schließen Sicherheitslücken, durch die Angreifer in Ihren Computer gelangen können.
Neue Technologien
Die auf modernen Webseiten eingesetzten Techniken werden durch aktuelle Browser besser unterstützt. So erhöht sich die Funktionalität, und die Darstellung wird verbessert. Mit neuen Funktionen und Erweiterungen werden Sie schneller und einfacher im Internet surfen können.