Mit Freude am Fußball und richtig guten Talenten
Die Sommerpause ist vorbei: Am Sonntag startet die U23 des SC Freiburg mit dem Auswärtsspiel beim VfR Aalen in die neue Saison der Regionalliga Südwest. Hinter der Mannschaft liegen intensive Vorbereitungswochen mit einem Trainingslager und mehreren Testspielen. Vor dem Auftakt haben wir mit Trainer Bernhard Weis über die vergangenen Wochen, den ersten Gegner und die Ziele für die kommende Spielzeit gesprochen.
Die Vorbereitung ist jetzt so gut wie abgeschlossen. Gerade in einer U23 gibt es jedes Jahr eine enorme Fluktuation – ihr hattet rund 15 Neuzugänge und einige Abgänge. Wie zufrieden bist Du mit der Vorbereitung und wie geht man damit um, jedes Jahr fast ein komplett neues Team aufeinander einzustimmen?
Ich bin zufrieden. Die Vorbereitung war in Ordnung – mit Höhen und Tiefen, würde ich sagen. Die Testspielergebnisse waren insgesamt nicht so gut, trotzdem glaube ich, dass wir schon einiges erreicht haben. Wir sind relativ verletzungsfrei durch die Vorbereitung gekommen. Wir hatten viele Spiele im Trainingsbetrieb. Klar wünscht man sich, dass eine Mannschaft schnell zusammenfindet und vieles schnell umgesetzt wird. Aber mit so vielen neuen Spielern ist das tatsächlich einfach schwieriger. Es braucht seine Zeit, bis alles zusammenwächst. Deshalb gibt es vielleicht auch immer mal wieder ein paar Tiefs, gerade was die Ergebnisse betrifft. Wobei man sich davon auch ein Stück weit freimachen muss. Ich glaube, es geht vielmehr um die Art und Weise, wie wir auftreten wollen. Und ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg.
Das Trainingslager in Bludenz liegt hinter euch. Ein Thema war nach der vergangenen Saison unter anderem das gemeinsame Verteidigen. Konntet ihr in diesem Bereich nochmal Schritte machen, die ihr euch vorgenommen hattet, und was konntet ihr insgesamt aus dem Trainingslager mitnehmen?
Das war ein Thema, das wir über die gesamte Vorbereitung angehen wollten, weil wir in der vergangenen Saison einfach zu viele Gegentore bekommen haben. Ich glaube auch, dass wir Schritte gemacht haben. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen wir Standards anschauen oder den Gegner analysieren müssen. Daraus müssen wir dann die richtigen Schlüsse ziehen. Ich glaube, auch da sind wir auf einem guten Weg. Gerade wenn ich mir die Gegentore in der Vorbereitung anschaue, waren das eher individuelle Geschichten und nicht so sehr kollektive Themen wie Standardsituationen.
Im letzten Test gegen Racing Straßburg U21 hat man trotz der 2:3-Niederlage gute Ansätze gesehen. Was nimmst Du aus dieser Generalprobe mit und woran möchtet ihr bis zum Saisonauftakt noch feilen?
Ich habe mir das Spiel im Nachgang noch einmal angeschaut. Ich würde sagen, normalerweise darf man dieses Spiel nicht verlieren. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass man gemerkt hat, dass wir am Ende der Vorbereitung waren. Wir sind erst am Abend zuvor zurückgekommen und haben dann am Samstag gespielt. Da hat über weite Strecken einfach die letzte Frische gefehlt. Das ist auch nachvollziehbar. Genau diese Frische brauchen wir jetzt aber in der Trainingswoche vor dem Saisonstart. Gegen Aalen geht es um Punkte. Dafür brauchen wir einen frischen Kopf, frische Beine und auch eine gewisse Giftigkeit – sowohl offensiv als auch defensiv, gerade in den Duellen.
Mit Mateo Zelic und Leon Catak haben zwei Spieler Teile des Trainingslagers bei den Profis absolviert und sich anschließend direkt mit Toren in der U23 zurückgemeldet. Wie bewertest Du ihre Entwicklung und wie wichtig sind solche Erfahrungen für die Jungs – aber auch für eure Mannschaft?
Für die Jungs ist das natürlich erst einmal eine tolle Erfahrung. Das Training mit oder gegen Profispieler bringt sie auf jeden Fall weiter. Sie haben sich das auch verdient. Ich finde, man sieht bei ihnen eine gewisse Qualität und dann dürfen sie auch gerne den nächsten Schritt machen. Deshalb finde ich es positiv, dass die Jungs bei den Profis dabei sind. Das ist natürlich immer das Los einer Zweiten Mannschaft: Wenn Spieler oben dabei sind, muss man schauen, wie man das in der Woche kompensiert. Aber das Positive überwiegt ganz klar, weil sie wertvolle Erfahrungen sammeln. Und natürlich hoffe ich, dass sie das Selbstbewusstsein, das sie sich bei den Profis holen, anschließend auch auf uns und auf die Mannschaft übertragen.
Zum Auftakt geht es direkt auswärts zum VfR Aalen. Ist Aalen für dich ein "normaler" Aufsteiger oder nimmt der Verein durch seine Vergangenheit im Profifußball eine besondere Rolle in der Liga ein?
Ich glaube schon, dass Aalen ein anderer Aufsteiger ist. Es ist noch gar nicht so lange her, dass sie im Profifußball gespielt haben. Die professionellen Strukturen sind vorhanden. Deshalb ist Aalen für mich kein normaler Aufsteiger. Man will zwar nicht zu sehr in die Vergangenheit schauen, aber wir hatten im vergangenen Jahr mit der SG Sonnenhof Großaspach ebenfalls einen Aufsteiger, der direkt durchmarschiert ist. Solche Überraschungen gibt es. Unterschätzen werden wir Aalen auf keinen Fall. Auch wenn auf dem Papier „nur“ Aufsteiger dasteht.
Nach der Vorbereitung ist es ja meist schwierig einzuschätzen, wo genau man steht, gibt es für euch ein klar definiertes Saisonziel?
Das erste Ziel ist typisch für eine Zweite Mannschaft: Wir wollen die Jungs den nächsten Schritt Richtung Profifußball bringen. Dieser Schritt kann dann bei uns erfolgen, oder sie wechseln in die 2. oder 3. Liga – so wie es in den vergangenen Jahren bei einigen Spielern der Fall war. Idealerweise natürlich bei uns, aber es liegt auch in der Natur der Sache, dass wir nicht alle direkt in den Profikader nehmen können. Das zweite Ziel betrifft die Mannschaft. Wir wollen uns möglichst von den unteren Tabellenregionen fernhalten und in ruhigem Fahrwasser unterwegs sein. Dadurch können wir den Jungs die Möglichkeit geben, sich weiterzuentwickeln. Klar machen sie sich selbst Druck, aber wenn dann auch noch Ergebnisdruck dazukommt, wird es schwieriger. Ich hätte deshalb gerne positiven Ergebnisdruck. Das heißt, dass wir befreit aufspielen können und nicht ständig nach unten schauen müssen. Natürlich kann das in der Regionalliga trotzdem passieren. Es ist Herrenfußball und es wird wieder eine enge Saison.
Zum Abschluss noch der Blick auf die Fans: Warum lohnt es sich in dieser Saison, zur U23 des SC Freiburg ins Dreisamstadion zu kommen? Worauf können sich die Zuschauer freuen?
Ich glaube, es ist immer interessant, jungen Spielern zuzuschauen – richtig jungen Kerlen, die vielleicht in zwei oder drei Jahren im Profifußball spielen. Dann kann man sagen, dass man sie schon einmal gesehen hat. Ich finde, eine U23 ist auch immer ein bisschen erfrischender. Klar passieren Fehler, aber die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, kann den Zuschauern einiges bieten. Man darf sich auf eine Mannschaft freuen, die mit Freude Fußball spielt und in der viele richtig gute Talente zu sehen sind. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, ins Dreisamstadion zu kommen.
Interview: Lina Wipperfürth
