Schuster: „Es geht ganz viel um Geduld“

Nachhaltigkeit
05.04.2026

Erst Profi, dann Verbindungstrainer, jetzt Cheftrainer – Julian Schuster ist ein Paradebeispiel für nachhaltige Arbeit beim SC. Im ersten Teil des großen Interviews für den Nachhaltigkeitsbericht, der im vergangenen Herbst erschienen ist, nimmt er ausführlich Stellung.

Julian Schuster, der SC Freiburg hat nicht nur eines der größten Solarkraftwerke auf einem Fußballstadiondach, wir könnten sagen: Der Verein arbeitet auch im sportlichen Bereich nachhaltig. Jedenfalls wurden viele Spieler – aktuell sind es zehn –, die jetzt zum Profikader gehören, in der Freiburger Fußballschule ausgebildet, anstatt sie von außen teuer zuzukaufen. Wie wichtig ist Ihnen als Trainer der Bundesligaprofis dieser Ansatz?

Es ist ja wirklich so, dass auch bei uns im Sport in nahezu allen Abteilungen nachhaltig gearbeitet wird. Sehr viele, die beim Sport-Club arbeiten, sind – allemal für die Verhältnisse im Profifußball – schon außergewöhnlich lange beim SC. Das betrifft Spieler genauso wie Mitglieder unseres Trainer-, Funktions- oder Scouting-Teams oder auch unsere Ärzte und Physios. Zudem sind viele von ihnen über ihre vereinsinterne Karriere, wir könnten auch sagen Aus- und Weiterbildung, dahin gekommen, wo sie jetzt sind. Das gilt auch für den Vorstand oder die sportliche Leitung und im Trainerstab. Und das ist für mich nicht nur persönlich wichtig, es ist für den ganzen Verein von großer Bedeutung: Weil es eine der Voraussetzungen dafür ist, so kontinuierlich, gut und erfolgreich arbeiten zu können, wie der Sport-Club das bekanntlich schon über viele, viele Jahre tut.

Aber das setzt vermutlich nicht nur die Idee voraus, die der SC als einer der ersten im deutschen Profifußball hatte: sich in diesem Business ausdrücklich als Ausbildungsverein zu positionieren. Es braucht auch die gelebte Überzeugung, dass diese Idee funktionieren kann. Und es braucht immer wieder sehr viel Investment in beides.

Absolut. Und es ist auch wichtig – schon bei Spielern, die hier ausgebildet wurden und werden – zu verstehen, was da in vielerlei Hinsicht vom Verein hineingegeben wurde und wird. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch in unzähligen persönlichen Gesprächen. Oder indem wir neben dem Fußball und gemeinsam mit unserer Kooperationsschulen genauso großen Wert auf die Ausbildung und die schulische Bildung legen. Mit der Umsetzung dieser Ideen beginnen wir schon in unseren Kooperationsvereinen in ganz Südbaden, wo viele Talente bereits fußballerisch ausgebildet werden, bevor sie später zu uns stoßen.

Sie haben diesen umfänglichen Prozess nach Ihrer aktiven Karriere an einer anderen, wichtigen Schnittstelle mitgestaltet: als Verbindungstrainer. In dieser Funktion haben Sie die jungen Spieler begleitet, die auf dem Sprung vom Nachwuchs- in den Profibereich sind. Was zu vermitteln, war Ihnen als Verbindungstrainer besonders wichtig?

Da fällt mir vieles ein. Nicht zuletzt ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was für ein Privileg es ist, dass Menschen zu uns ins Stadion kommen, die sich mit den Spielern identifizieren und sich in ihnen auch wiederfinden wollen. Und was für eine Chance das gerade auch für Spieler ist, die im weiteren Sinne hier aus der Region kommen.

Aber wenn der Verein mehrere Millionen Euro für einen Spieler ausgegeben hat, gibt es da für einen Profitrainer nicht oft auch das Gefühl, den teuren Neuzugang von außen einsetzen zu müssen? Selbst wenn es möglicherweise noch einen oder zwei Konkurrenten aus der eigenen Ausbildung gibt, die auf der gleichen Position spielen könnten.

Ich spüre da keinen Druck. Wenn der Kader sich entwickelt, wir uns als Gruppe sportlich entwickeln, steigert das natürlich die Qualität des Fußballs, den wir spielen. Das macht es gerade für junge Spieler schwerer, den Sprung zu den Profis zu schaffen. Aber gerade deshalb versuchen wir, da sehr wach zu sein. Sehr genau hinzuschauen und zu überlegen, wie wir unsere Talente noch besser unterstützen können. Genau dafür wurde die Stelle des Verbindungstrainers geschaffen. Um junge Spieler noch enger begleiten zu können, weil der Schritt von der Fußballschule in den Profibereich einfach enorm hart ist. 

 Was macht diesen Übergang eigentlich so schwer? 

Die Jungs, die so weit kommen, haben schon eine sehr hohe Qualität und deshalb in ihren Mannschaften meistens dominante Rollen gespielt. Das heißt auch: Sie hatten viele positive Erlebnisse und bekamen viele gute Rückmeldungen darauf. Plötzlich haben sie dann, im Profibereich, nicht mehr diesen Rhythmus, auch weil sie viel weniger Spielzeit erhalten. Sie da nicht alleine zu lassen, sondern – im Gegenteil – eng an ihnen dran zu sein, sehen wir als essentiell an für ihren Entwicklungsprozess. 

Jetzt als Cheftrainer der Profis: Was ist für Sie der Kern der Botschaft, die sie jungen Talenten vermitteln wollen?

Dass es ganz viel um Geduld geht. Was ja auch eine Form von Nachhaltigkeit ist: geduldig zu sein – und damit sorgfältig mit Ressourcen umzugehen. Zumal es für mein Empfinden aktuell die gesellschaftliche Tendenz gibt, dass sich viele schwer damit tun, Durchhaltevermögen zu haben, stabil zu bleiben und eben geduldig zu sein. Für mich ist Johan Manzambi als Spieler ein gutes Gegenbeispiel, wie es auch gehen kann. Er hatte im Sommer 2024 eine tolle Vorbereitung, hatte gegen Heidenheim in der Vorrunde 2024/25 schon früh seinen ersten Einsatz und dann aber eine Phase, in der es weniger Einsätze wurden. Die großen Fragen sind dann: Wie verhalte ich mich, was passiert mit mir selbst, was mit meinem Umfeld? 

Wie lauteten beim konkreten Beispiel die Antworten?

Es als Vorteil und Chance und nicht als Rückschritt zu sehen, in unserer Zweiten Mannschaft spielen zu können. Um dann da zu sein, wenn sich neue Möglichkeiten bei den Profis bieten: durch eine Sperre, eine Verletzung oder eine Schwächephase in der Mannschaft. Johann hatte diese Geduld und diese Ruhe – und hat deshalb wieder seine Einsätze bekommen.

Wie Johann kennen einige Ihrer jetzigen Spieler Sie noch als ihren Verbindungstrainer, während es jetzt neue Verbindungstrainer gibt, mit denen Sie als Spieler noch zusammen auf dem Platz standen.

Auch ich als Trainer der Profis bin noch durch meine vorherige Rolle mitgeprägt. Bei der Entscheidung, mich zum neuen Trainer der Profis zu machen, war das für die Verantwortlichen vielleicht ein Kriterium: Ich hatte schon gezeigt, dass ich mit der Idee, wie im Sport und im gesamten Verein gedacht und gearbeitet wird, sehr gut klarkomme. Jetzt hilft es mir umgekehrt, dass ich großes Vertrauen zu den neuen Verbindungstrainern habe. Ich weiß, wie Felix und Flummi (Felix Roth und Johannes Flum, d. Red.) den Fußball sehen. Wir sind uns einig, was für den SC wichtig ist. 

Zum Nachhaltigkeitsbericht

Interview: Uli Fuchs

 
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