Nicht auf Augenhöhe gekommen

Der SC Freiburg hat am 22. Bundesliga-Spieltag im ausverkaufen Schwarzwald-Stadion mit 0:3 (0:1) gegen Borussia Dortmund verloren. Für die starken Gäste traf in der ersten Halbzeit Sokratis (13.) zur Führung. Nach der Pause war zweimal Pierre-Emerick Aubameyang (55./70.) für den Tabellendritten erfolgreich.

Auch den Gästen bot sich am Fasnachtssamstag in Freiburg wieder ein gewohntes Bild. Hatten die Dortmunder beim zurückliegenden Heimspiel im Signal-Iduna-Park noch vor einer aufgrund von DFB-Sanktionen leeren Südtribüne spielen müssen, war das Schwarzwald-Stadion erneut bis auf den letzten Platz gefüllt - auch wenn damit immer noch ein paar Fans weniger das Spiel verfolgten, als vor einer Woche in Dortmund gefehlt hatten.

 

Frühem Rückstand folgt frühe Umstellung

 

Für das SC-Trainerteam um Christian Streich galt es vor der Partie gegen den Tabellendritten zunächst die Frage zu beantworten, wer für den gelbgesperrten Janik Haberer in die Startelf rückt. Es war Onur Bulut, der erstmals seit dem achten Spieltag wieder von Beginn an und im rechten Mittelfeld auflief. Auch Mike Frantz kehrte im defensiven Mittelfeld für Amir Abrashi in die Anfangsformation zurück, in der Maximilian Philipp gemeinsam mit Nils Petersen im Angriffszentrum spielte. Lange stand Onur Bulut an diesem Nachmittag jedoch nicht auf dem Platz, was in erster Linie einem frühen taktischen Wechsel geschuldet war.

 

Die stark spielenden und die erste Halbzeit weitgehend bestimmenden Dortmunder lagen da bereits in Führung. Nach einem Freistoß für die Gäste durch Raphael Guerreiro von der rechten Seite hatte Innenverteidiger Sokratis (13.) mit einem Kopfball in die lange Ecke getroffen. Der BVB agierte mit dem Ball mit viel Tempo und trieb seine Angriffszüge über viele Stationen vor das Freiburger Tor. Der Sport-Club versuchte dagegenzuhalten, sich zu behaupten und sich eigene Torchancen zu erarbeiten. Letzteres gelang bis zur Halbzeit aber nur selten. Schon Mitte des ersten Durchgangs reagierte Christian Streich mit einer Systemumstellung. Für Bulut (24.) kam Marc Oliver Kempf in die Partie - seine erste in dieser Saison nach langer Verletzungspause. Gleichzeitig stellte der SC defensiv von einer Vierer- auf eine Dreierkette um, in der Kempf auf der linken Seite spielte.

 

Dortmund baut Vorsprung nach der Pause aus

 

BVB-Trainer Thomas Tuchel hatte seine Mannschaft von Beginn an mit einem defensiven Dreierblock aufs Feld geschickt, flankiert von den Außenspielern Erik Durm und Guerreiro, die sich vor allem immer wieder mit ins Spiel nach vorne einschalteten und für weitere Gefahrenmomente sorgten. So klärte Christian Günter (19.) nach einem zu kurz abgewehrten Ball noch gegen Durm zur Ecke. Und nachdem Alexander Schwolow (24.) fünf Minuten später zweimal in Folge gegen Pierre-Emerick Aubameyang einen weiteren Gegentreffer verhindert hatte, reagierte der SC-Torwart nach einer halben Stunde und einer Flanke von Reus ebenso reaktionsschnell bei zwei Schüssen von Guerreiro. Der SC verzeichnete in der ersten Hälfte noch einen Freistoß von Vincenzo Grifo (21.) am Tor vorbei. Kurz vor der Pause bediente Grifo mit einer flachen Hereingabe dann Petersen, doch Torwart Roman Bürki war einen Schritt vor dem SC-Stürmer am Ball.

 

Es war eine erste Hälfte gewesen, die auf Seiten der Gastgeber auch eine gewisse Frustrationstoleranz erfordert hatte. Der Champions-League-Achtelfinalist bot dem SC mit seinem Pressingspiel kaum Räume für eigene Angriffe. Häufig mussten die Freiburger zudem dem Ball hinterherlaufen - was sich im zweiten Durchgang kaum änderte. Immerhin konnte der SC zunächst einen nur knappen Rückstand mit in die Kabine nehmen. Und die Hoffnung auf eine Ergebnisverbesserung. Doch stattdessen hatten nur zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff die Dortmunder ihren Vorsprung ausgebaut. Nach einem langen Ball auf den linken Flügel tunnelte Reus an der Grundlinie Çağlar Söyüncü und passte auf den langen Pfosten, wo Aubameyang (55.) einschoss. Trotzdem versuchte der Sport-Club weiterhin, zu eigenen Möglichkeiten zu kommen. Einen gefährlichen Kopfball von Petersen (59.) nach einer Ecke parierte Bürki aber ebenso, wie einige Minuten später einen Schuss aus der Drehung des kurz zuvor für Petersen gekommenen Florian Niederlechner (65.).

 

Aubameyang trifft doppelt und zum Endstand

 

Unmittelbar darauf sah Maximilian Philipp die einzige Gelbe Karte der Begegnung. Für den SC-Angreifer selbst war es allerdings die fünfte in dieser Saison, womit Philipp im kommenden Spiel bei Eintracht Frankfurt gesperrt fehlt. Die nächsten Möglichkeiten erspielten sich wieder die weiterhin dominierenden Gäste. Aubameyang köpfte nach einer Flanke von Dembélé vorbei. Dieser wiederum verzog nach einem Dribbling mit einem Flachschuss knapp. Beide waren kurz darauf auch entscheidend am dritten Dortmunder Tor beteiligt. Dembélé passte nach einem Antritt im Mittelfeld in den Strafraum zu Durm, der quer auf die linke Seite legte, wo Aubameyang (70.) den Angriff mit seinem zweiten Treffer in dieser Partie abschloss.

 

Anschließend ließen hauptsächlich die an diesem Tag deutlich überlegenen Dortmunder den Ball laufen. Der Sport-Club kam durch einen Seitfallzieher von Niederlechner (72.) noch zu einer Gelegenheit. Ansonsten versuchte die Mannschaft nach wie vor, dagegenzuhalten und die restliche Spielzeit ohne ein weiteres Gegentor zu Ende zu bringen. Was auch gelang, obwohl Shinji Kagawa (85.), ein paar Zeigerumdrehungen vor dem diesmal exakt nach 90 Minuten erfolgenden Abpfiff, nach einer Flanke des ebenfalls eingewechselten André Schürrle noch einmal knapp am Tor von Alexander Schwolow vorbeiköpfte.

 

„Die Jungs können da nicht hinterher kommen"

 

„Der Fehler lag heute bei mir", sagte Christian Streich im Anschluss an die vierte Heimniederlage der Saison. „Wir haben erwartet, dass Dortmund im 5-3-2 spielt und hätten vom 4-4-2-System weggehen sollen, mit dem wir aber zuletzt viele gute Spiele bestritten haben. Wenn Dortmund dazu eine so gute Form hat, dann siehst du so ein Spiel", erklärte der Coach. „Die Jungs können da nicht hinterher kommen, du kriegst die Räume nicht zu. Deshalb konnte und durfte Dortmund so überlegen sein und deshalb bin ich sehr enttäuscht, dass ich nicht von Anfang an umgestellt habe."

 

Auf der anderen Seite sprach Streichs Dortmunder Kollege Thomas Tuchel seiner Mannschaft nach dem Spiel ein „dickes Kompliment" aus, "weil wir außergewöhnlich stark gespielt und in allen Breichen eine Topleistung abgerufen haben." Was zuletzt auf Seiten der Borussia nicht immer der Fall gewesen war und gegen dieses Spitzenteam der Bundesliga mindestens genauso mitentscheidend für den Spielausgang gewesen sein dürfte. Der war für den Sport-Club zudem kein gänzlich unbekannter, denn es war die zwölfte Begegnung gegen den BVB in Folge ohne Punktgewinn.

 

Anders sieht die Statistik gegen den kommenden Auswärtsgegner Eintracht Frankfurt aus, bei dem der SC Freiburg am Sonntag in einer Woche antritt (5. März, 15.30 Uhr). Bis dahin sollten wohl zumindest die Fans zunächst beherzigen, was ein Tribünengast seinem Bekannten nach dem Spiel zum Abschied mit auf den Weg gab: „Schöne Fasnacht." Mit Ersatzfeiern in den närrischen Tagen lassen sich Niederlagen wie diese vielleicht einigermaßen schnell verarbeiten.

 

Dirk Rohde