Noch nicht den letzten Schritt getan

Der SC Freiburg hat am 33. Bundesliga-Spieltag sein letztes Auswärtsspiel der Saison bei Borussia Mönchengladbach mit 1:3 (0:1) verloren. Thorgan Hazard (18.), Nico Elvedi (57.) und Josip Drmic (64.) erzielten die Treffer für die effizienteren Gastgeber, Tim Kleindienst (59.) war mit seinem ersten Bundesligator für den Sport-Club erfolgreich. Der SC blieb mit weiterhin drei Punkten Vorsprung auf den VfL Wolfsburg Tabellenfünfzehnter.

 

Die endgültige Entscheidung im Kampf um den Klassenerhalt wird für den Sport-Club erst am letzten Spieltag fallen. Nach der Niederlage in Mönchengladbach ist die Ausgangslage dabei in einer Woche gegen den FC Augsburg auf der einen Seite ähnlich wie vor dieser Partie. Auf der anderen Seite, sagte Christian Streich hinterher, „hat sich die Situation für uns verbessert, worüber ich extrem froh bin. Jetzt haben wir noch ein Spiel, in dem wir noch einen Punkt brauchen."

 

Über einen Erfolg durfte sich der SC-Trainer außerdem schon an diesem Samstag freuen: Ein direkter Abstiegsplatz droht durch die gleichzeitige Niederlage des Hamburger SV nicht mehr. „Wir haben zwei Mannschaften hinter uns gelassen, das haben wir heute schon geschafft. Jetzt gilt es, für das letzte Spiel noch einmal alle Kräfte zu bündeln." Da auch der VfL Wolfsburg am vorletzten Spieltag in Leipzig verlor, steht der SC weiterhin drei Punkte vor den Niedersachsen auf dem 15. Tabellenplatz.

 

Personell unverändert im Borussia-Park


Der Sport-Club begann im Borussia-Park mit der gleichen Startelf wie gegen den 1. FC Köln. Eine zusätzliche Alternative war mit Çağlar Söyüncü kurzfristig ausgefallen. Der nach einer Gelbsperre wieder spielberechtigte Innenverteidiger hatte im Abschlusstraining einen Schlag auf das Knie abbekommen und fehlte diesmal verletzungsbedingt. Bei den Gastgebern musste Trainer Dieter Hecking nach dem Remis beim FC Schalke 04 vier Wechsel vornehmen: Für den verletzten Lars Stindl und die gesperrten Jannik Vestergaard, Christoph Kramer und Denis Zakaria standen Tony Jantschke, Mickael Cuisance, Tobias Strobl und Josip Drmic in der Anfangsformation.

 

Präsenz zu zeigen und zu agieren hatte Christian Streich vor der Partie als Zielvorgabe formuliert. Sein Mönchengladbacher Kollege schien ähnlich gedacht zu haben, denn in den Anfangsminuten übernahm die Borussia die Initiative. Es dauerte allerdings nicht lange, bis auch der Sport-Club ins Spiel gefunden hatte - und für den ersten Abschluss sorgte. Nach einer Flanke von Marco Terrazzino ging der Direktschuss von Tim Kleindienst (8.) aus schrägem Winkel jedoch am Tor vorbei. Wesentlich gefährlicher wurde es für die Gastgeber drei Minuten später. Diesmal brachte Christian Günter den Ball vor das Tor, wo Nils Petersen druckvoll köpfte, Keeper Yann Sommer aber mit den Fingerspitzen noch zur Ecke klären konnte.

 

Hazard nutzt erste Chance der Gastgeber

 

Der SC schien vor rund 3500 mitgereisten Fans auf einem guten Weg, doch dann nutzten die Mönchengladbacher ihre erste Chance zum Führungstor. Einen langen Ball von Strobl erreichte Thorgan Hazard (18.) einen Tick vor Alexander Schwolow, legte ihn mit dem Kopf am Freiburger Schlussmann vorbei und schob in die kurze Ecke ein. Nach der Führung erarbeiteten sich die Gastgeber wieder mehr Spielanteile. Die nächste SC-Möglichkeit folgte erst nach einer guten halben Stunde, als Kleindienst Sommer mit einem Distanzschuss prüfte. Bedingungslos auf den Ausgleich zu drängen wäre aber wohl auch nicht die richtige Strategie gewesen, denn die Borussia lauerte stets auf Kontergelegenheiten.

 

Noch vor der Pause wechselte der Sport-Club zum ersten Mal. Für den angeschlagenen Kapitän Julian Schuster kam Janik Haberer (37.) ins Spiel und rückte ins zentrale Mittelfeld. Ein weiterer Kopfball von Kleindienst (41.) war der letzte Freiburger Gefahrenmoment vor der Pause. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff hatte der SC noch einmal Glück, als der frühere Freiburger Matthias Ginter nach einer Ecke mit einem Kopfball die Latte traf. Vor dem Wiederanpfiff des zweiten Durchgangs hatte sich im relevanten Abschnitt des Tabellenbildes trotz der Mönchengladbacher Führung noch nichts Wesentliches verändert. Auch der VfL Wolfsburg und der Hamburger SV lagen in ihren Auswärtspartien in Leipzig und Frankfurt zurück.

 

Elvedi erhöht, Kleindienst gelingt Anschluss

 

Im Borussia-Park entwickelte die Partie in der zweiten Halbzeit dafür bald eine forcierte Dynamik. In der zunächst weiterhin offenen Begegnung probierte es zunächst Haberer mit einem Schuss, der geblockt wurde. Auch ein Abschluss von Frantz (55.) blieb in der Gladbacher Abwehr hängen. Der SC versuchte sich weitere Chancen zu erarbeiten, aber die im Abschluss letztlich effizienteren Gastgeber konnten eine Standardsituation zum zweiten Treffer nutzen. Nach einem Eckball von Jonas Hofmann auf den zweiten Pfosten traf Nico Elvedi (57.) per Kopf in die linke Ecke.

 

Die Reaktion der Freiburger folgte jedoch prompt. Nachdem Sommer einen Kopfball von Marc Oliver Kempf noch über die Latte gelenkt hatte, brachte der anschließende Eckstoß von Günter das schnelle Anschlusstor. Kempf verlängerte die Hereingabe mit dem Kopf Richtung lange Ecke, wo Tim Kleindienst (59.) in Position gelaufen war und aus kurzer Distanz einschoss. Für den Stürmer war es sein erstes Bundesligator. Noch größer wäre seine Freude darüber wahrscheinlich gewesen, wenn der Treffer eine erfolgreiche Aufholjagd eingeleitet hätte.

 

SC drängt, doch auch Drmic trifft per Kopf

 

Leider währte die Hoffnung darauf nur fünf Minuten. Denn nach einem schnellen Mönchengladbacher Vorstoß über die rechte Seite und Jantschke, stellte Josip Drmic (64.) nach dessen Flanke und erneut mit einem Kopfball aus rund zehn Metern den alten Abstand wieder her. Fast hätte Raffael (67.) den Vorsprung der Gastgeber weiter ausgebaut, als der Brasilianer mit einem direkten Freistoß die Querlatte traf.

 

Danach probierte der Sport-Club bis zum Schluss noch einmal alles, um ein weiteres Mal heranzukommen. Petersen (71.) scheiterte nach schönem Pass von Terrazzino knapp an Sommer. Auch wenig später war der Torhüter gerade noch vor dem SC-Stürmer zur Stelle. Die Gäste agierten bei ihren Angriffsbemühungen längst mit erhöhtem Risiko, was Mönchengladbach Räume und Konterchancen eröffnete. Doch Alexander Schwolow reagierte sowohl gegen Cuisance (79.) als auch gegen Hazard (86.) glänzend.

 

Finale Entscheidung fällt gegen Augsburg

 

Für den unermüdlichen SC verpassten in der Schlussphase Kübler aus der Distanz, Kleindienst per Freistoß, Haberer und in der Nachspielzeit noch einmal Günter die letzten Gelegenheiten. „In den entscheiden Momenten war Mönchengladbach besser", sagte Christian Streich nach dem Abpfiff. „Die Mannschaft hat vieles ganz gut gemacht und alles gegeben. Nach dem 2:1 war alles möglich", so der Coach. „Aber das Wichtigste wäre gewesen, hier in Führung zu gehen, dann hätte der Gegner nicht solche Räume bekommen. Die hat Gladbach mit seinen außergewöhnlichen Spielern, die schwer zu verteidigen waren, zu nutzen gewusst. Obwohl wir selbst gar nicht so wenige Torchancen hatten."

 

Zum Saisonfinale im Schwarzwald-Stadion erwartet der Sport-Club nun am nächsten Samstag (12. Mai, 15.30 Uhr) den FC Augsburg. Verbunden mit der Hoffnung, dass es dann noch einmal etwas zu feiern gibt. Denn der Klassenerhalt kann weiter aus eigener Kraft erreicht werden – wodurch diese schwierige wie nervenaufreibende Spielzeit ihr endgültiges Happy End erhielte.

 

Dirk Rohde