Mit toller Mentalität und bayerischer Treffsicherheit

Der Sport-Club hat sein letztes Spiel vor der Winterpause beim FC Ingolstadt 04 mit 2:1 (2:0) gewonnen. Ein Doppelpack von Florian Niederlechner (34./41.), der zunächst per Foulelfmeter und anschließend auf Vorlage von Janik Haberer traf, brachte die Pausenführung. Nach dem Wechsel erzielte Markus Suttner mit einem Freistoß den Anschluss (53.). Der SC brachte den Auswärtsdreier aber über die Zeit und geht nun als Tabellenachter in die Winterpause.

Richtig hell wurde es an diesem nebligen Dezembertag in Ingolstadt erst am Abend. Im Audi-Sportpark leuchtete da das Flutlicht über dem Rasen und dem letzten Punktspiel für den Sport-Club vor der Winterpause. Natürlich stand auch diese Partie des vorletzten Hinrunden-Spieltages etwas im Schatten des gleichzeitig stattfindenden Spitzenspiels zwischen Bayern München und RB Leipzig. Wie auch über dem gesamten 16. Spieltag der Schatten des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am Montagabend lag. Die gesamte Bundesliga gedachte der Opfer mit einer Schweigeminute vor den Begegnungen, dazu traten der SC und die Gastgeber wie sämtliche Erstligisten mit Trauerflor an.

 

Mit Philipp und Höfler in der Anfangsformation

 

Nach zuletzt drei Partien mit der identischen Startelf hatte sich das Trainerteam um Christian Streich vier Tage nach dem Remis beim FC Schalke 04 diesmal für eine auf zwei Positionen veränderte Formation entschieden. Anstelle von Kapitän Julian Schuster und Außenverteidiger Lukas Kübler, die sich beide im Abschlusstraining verletzt hatten, rückten Nicolas Höfler im zentralen Mittelfeld und Maximilian Philipp ins Team. Letzterer spielte erstmals seit seinem Bänderriss wieder von Beginn an und offensiv auf der rechten Seite, Pascal Stenzel übernahm wieder den defensiven Part. Die schlecht in die Saison gestarteten Gastgeber hatten unter dem neuen Trainer Maik Walpurgis in den vergangenen fünf Spielen zehn Punkte geholt und zuletzt Bayer Leverkusen und im vorangegangenen Heimspiel RB Leipzig besiegt.

 

Intensiv, eng und umkämpft hatte Christian Streich die Partie erwartet - und genauso begann die Begegnung auch. Die Gastgeber verteidigten mit einer Fünferkette und hielten die Räume vor ihrem Tor eng. Auch der Sport-Club agierte erneut mit Ruhe und einer guten Ordnung, entsprechend selten waren in der ersten halben Stunde klare Torchancen. Allerdings waren die Freiburger von Beginn an die aktivere Mannschaft, die das Spiel zu gestalten versuchte. Auch dadurch, dass die vier Offensivakteure flexibel auftraten und regelmäßig ihre Positionen wechselten. Nach einem ersten Schuss von Alfredo Morales, der noch im ersten Durchgang gelb-rot-gefährdet ausgewechselt wurde, prüfte Florian Niederlechner (19.) auf Seiten des SC mit einem Flachschuss erstmals ernsthaft FC-Torwart Martin Hansen. Der Keeper rettete auch bei der zweiten Möglichkeit des SC-Stürmers, der nach einem abgewehrten Freistoß von Vincenzo Grifo aus spitzem Winkel abgezogen hatte, noch zur Ecke (25.).

 

Doppelpack von Niederlechner vor der Pause

 

Wenig später sorgten auch die Gastgeber erstmals für Gefahr vor dem Tor von Alexander Schwolow. Zunächst verpasste ein Ingolstädter eine flache Hereingabe von Marcel Tisserand knapp. Anschließend wurde der Schrägschuss von Mathew Leckie (28.) noch knapp zur Ecke abgefälscht. Tisserand war schließlich fünf Minuten später auch an der Entstehung des Freiburger Führungstreffers beteiligt. Nach einem Pass von Niederlechner in den Strafraum brachte der Verteidiger Grifo zu Fall und ließ Schiedsrichter Sascha Stegemann keine andere Wahl, als auf Elfmeter zu entscheiden. Florian Niederlechner (34.) trat an und verwandelte sicher halbhoch in die rechte Ecke. Und der Oberbayer im SC-Dress ließ seinem vierten Saisontreffer noch vor der Pause den fünften  folgen. Nach einem abgeblockten Schuss von Stenzel und einer Kopfballvorlage von Janik Haberer tauchte Niederlechner (41.) frei vor dem Tor auf und schloss mit einem Flachschuss überlegt ab.

 

Es war  auch ein verdienter Vorsprung, den der SC mit in die Pause nahm. Taktisch diszipliniert, zweikampf- und spielstark war der diesjährige beim letztjährigen Aufsteiger aufgetreten. Doch wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff gelang den Ingolstädtern durch einen Standard das Anschlusstor – und die Partie wurde um ein weiteres Attribut bereichert, das Christian Streich prognostiziert hatte: anhaltende Spannung. Verkürzt hatte für den FCI, der inzwischen auf eine 4-4-2-Formation umgestellt hatte, Markus Suttner (53.) mit einem präzise über die Mauer in die rechte Ecke gezogenen Freistoß aus rund 22 Metern. Beim SC kam anschließend Nils Petersen für Haberer aufs Feld und die Gastgeber entwickelten nun deutlich mehr Druck. Ein Schuss von Pascal Groß ging jedoch über das Tor, einen weiteren Freistoß von Suttner (57.) lenkte Schwolow zur Ecke. Der Sport-Club kam nach der Pause erstmals wieder durch Petersen (65.) zu einer Möglichkeit, die Hansen vereitelte.

 

Nach Anschlusstor zweiten Auswärtsdreier verteidigt

 

Es blieb bis zum Schluss eine umkämpfte Partie, in die mit Onur Bulut und Karim Guédé beim SC weitere frische Kräfte eingebunden wurden. Die Gäste standen jetzt insgesamt tiefer und konzentrierten sich vornehmlich auf die Abwehrarbeit, und immer wieder darauf, die langen oder hohen Bälle der Ingolstädter in den Strafraum zu klären. Was mit konsequentem und unermüdlichem Einsatz bis zum Ende der vierminütigen Nachspielzeit erfolgreich gelang. Denn viele gute Möglichkeiten für die Gastgeber ließ der SC nicht zu. Einen Schuss von Suttner (81.) wehrte in der unvermindert spannenden Schlussphase Schwolow zur Ecke ab. Anschließend köpfte Tisserand über das Tor. Grifo (84.) traf bei einer der wenigen SC-Möglichkeiten im zweiten Durchgang nach einem Einwurf von Christian Günter das Außennetz.

 

Aber auch dem FC Ingolstadt bot sich letztlich nur noch eine Ausgleichschance. Bereits in der Nachspielzeit kam Almog Cohen (90.+1) kurz vor der Strafraumgrenze zum Schuss, wieder war Schwolow zur Stelle und lenkte den Ball über die Latte. Noch drei weitere Nachspielminuten musste der Sport-Club um den zweiten Auswärtssieg in dieser Saison kämpfen, dann durfte erneut und ein letztes Mal in diesem Jahr von Herzen gejubelt werden. „Wir wussten, was auf uns zukommt und wir hatten vor wenigen Tagen ein extremst intensives Spiel in Gelsenkirchen", sagte Christian Streich. „Wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war für unsere Maßstäbe sehr gut. In der zweiten Halbzeit war klar, dass Ingolstadt nach dem Anschlusstor das Spiel biegen wollte. Wir hatten zwar auch das nötige Glück, aber ich muss der Mannschaft ein großes Kompliment dafür machen, wie sie auch hier gearbeitet hat und mit welcher Mentalität sie wieder aufgetreten ist. Das macht mich sehr glücklich."

 

Genauso glücklich dürften die Verantwortlichen und alle SC-Fans nach zuletzt acht Punkten aus vier ungeschlagenen Spielen in Folge über den Zwischenstand für den Aufsteiger zur Winterpause sein. Mit jetzt 23 Zählern startet der Sport-Club als Tabellenachter der Bundesliga ins Neue Jahr. Sicherlich ein Grund mehr, während der bevorstehenden Feiertage auch schon einmal auf die bisherige Saison anzustoßen. Zumal das heutige Datum der Wintersonnenwende ab sofort wieder längere Tage und mutmaßlich mehr natürliches Licht verspricht.

 

Dirk Rohde