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Franke: "Die neue Rolle angenommen"

 

Jeder Klub hat seine Kultfiguren. Vor dem Auswärtsspiel bei RB Leipzig kommt ieine dieser Legenden des kommenden SC-Gegners zu Wort: Fabian Franke. Der heute 30-Jährige gilt als Leipziger „Urgestein" weil er bei RB ab 2010 von der Regionalliga bis zum Aufstieg in die Zweite Bundesliga 2014 Stammspieler war. Der Verteidiger bestritt 97 Spiele für die Sachsen, bei denen er derzeit unter anderem Co-Trainer der U17-Mädchen ist.

 

 

Herr Franke, Sie sind im „Wendejahr" 1989 in Leipzig geboren. Haben Sie bei Ihren Ver­ einen noch etwas von der legendären frühe­ ren DDR-Sportausbildung mitbekommen?

 

Fabian Franke: Schon. Es gab diesen struk­turierten Tagesablauf mit dreimal pro Woche fußballspezifischem Unterricht im Sportgym­nasium. Zusätzlich hatten wir noch außerhalb der Schule Training. Also, dieses ehemalige „DDR-Denken", dass man viel trainiert, habe ich schon noch mitbekommen.

 


Sie spielten mit der U19 von Sachsen Leip­zig in der Junioren-Bundesliga und wurden dort vom Hamburger SV entdeckt?

 

Ja, die hatten mich gesehen und dann zum Probetraining eingeladen. Der HSV mit sei­nen Möglichkeiten hat mich fasziniert und deshalb wollte ich da auch hin.

 

 

Ihr Ziel, Profifußballer zu werden, haben Sie dort nicht gleich erreicht.

 

Ich brauchte mit meinen 18 Jahren eine ge­wisse Zeit, um mich einzuleben. Aber schließ­lich spielte ich regelmäßig in der Zweiten Mannschaft und hatte zwei gute Jahre dort.

 

 

Dann meldete sich RB?

 

Genau. Die suchten junge Spieler, die aus Leipzig oder der Umgebung kamen.

 

 

Sie kannten die Ambitionen des Vereins?

 

Ja, diese hochgesteckten Ziele waren für mich mit ein Grund nach Leipzig zurückzukehren.

 

 

Leipzig spielte damals in der Regionalliga, und der geplante Aufstieg in die Dritte Liga gelang im zweiten Anlauf 2013. Es war eine enge Kiste, Sie mussten in die Relegation ...

 

... gegen Sportfreunde Lotte. Das war sportlich mein erstes gro­ßes emotionales Erlebnis. Wir gewannen daheim vor über 30.000 Zuschauern mit 2:0, mussten dann nach Lotte und kassierten in der 94. Minute das 0:2. Da ging einem einiges durch den Kopf ...

 

 

... nochmal ein Jahr Regionalliga?

 

Genau , dabei hatten wir in der gesamten Saison kein Spiel ver­loren. Zum Glück gelangen uns noch zwei Tore in der Verlänge­rung. Das werde ich nie vergessen.

 

 

Genauso wenig wie das DFB-Pokalspiel in der Saison zuvor gegen den VfL Wolfsburg?

 

Klar . Der VfL mit Trainer Felix Magath war zwei Jahre vorher Meister geworden, trat bei uns mit Mario Mandzukic oder Hasan Salihamidzic an - und wir als Regionalligst schlagen sie 3:2.

 

 

Das war ebenfalls nervenaufreibend?

 

Und wie. Unsere 2:0-Führung glich der VfL aus, aber kurz vor Schluss machen wir das 3:2. Das bleibt auch unvergessen, aber das Spiel gegen Lotte war noch etwas dramatischer, mit der Ver­längerung, und weil wir dann aufgestiegen sind.

 


Die Ausgangslage änderte sich für RB nun von Jahr zu Jahr, denn aus dem Außenseiter wurde zunehmend ein Favorit. Wie hat sich das bemerkbar gemacht?

 

Na ja, die Erwartungen bei den Fans und bei uns sind gestiegen, weil wir immer ganz vor­ne mitspielen wollten. Das hat auch ganz gut geklappt, wir haben diese Rolle angenommen und sind damit auch ziemlich gut umgegangen.

 


Laut vieler Ehemaliger von RB schweißten auch die vielen Aversionen, die dem Verein entgegenschlugen, das Team zusammen.

 

Das war so. Ich persönlich habe es geliebt, wenn das ganze Stadion gegen uns war. Das hat mich eher noch mehr gepusht.

 

 

Der Teamgeist schien tatsächlich sehr aus­ geprägt. Erstaunt es Sie, dass das von außen kaum wahrgenommen wurde?

 

Es war aber so und es ist keine Floskel zu sa­gen, dass wir fast wie eine große Familie waren.

 

 

Mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga 2014 begann Ihr persönlicher Leidensweg.

 

Ja, die Verletzungen häuften sich bei mir. Ich habe mich immer wieder herangekämpft, aber es war ein stetes Auf und Ab. Und eines Morgens bin ich aufgewacht und dachte: .,Nee, so mache ich nicht mehr weiter. Ich höre jetzt auf!"

 

 

Sicher eine schwere Entscheidung?

 

Natürlich. Aber gleichzeitig fiel mit dieser Entscheidung irgend­wie auch eine Last von meinen Schultern.

 


Aber Sie bleiben dem Fußball erhalten?

 

Ja, ich absolviere hier bei RB ein Praktikum im Scoutingbereich und werde versuchen, demnächst meinen Trainerschein zu ma­chen. Und darauf freue ich mich.

 

 

Interview: Carmelo Policicchio