Schwolow: "Ich fiebere immer noch mit"

Verein
27.06.2026

Mit dem in Edinburgh beheimateten Heart of Midlothian FC verpasste Alexander Schwolow die schottische Meisterschaft nur knapp. Wir haben uns mit unserem ehemaligen Freiburger Fußballschüler und Stammtorhüter über sein erstes Jahr in Schottland und seine Verbindung zum SC unterhalten.

Hallo Alex, schön, dass du dir die Zeit nimmst. Wo erwischen wir dich gerade?

Alexander Schwolow: Ich bin aktuell in Bad Krozingen, also quasi in Freiburg (lacht). Wir haben ein paar Tage in Österreich verbracht, sind jetzt bei meinen Schwiegereltern und genießen die Gluthitze in Südbaden.

Die Erholung ist nach deinem intensiven ersten Jahr in Schottland wahrscheinlich auch nötig, oder?

Schwolow: Ja, absolut. Es war ein Jahr voller Highlights, aber auch dem dramatischen und bitteren Ende hintenraus. Das muss man erstmal verdauen.

Im vergangenen Sommer hast du nach 206 Bundesligaspielen für den SC, Hertha BSC, Schalke 04 und Union Berlin ein neues Kapitel in deiner Karriere aufgeschlagen und dich dem Heart of Midlothian FC angeschlossen. Wie ist es zu dem Wechsel gekommen?

Schwolow: Ich habe mir im Sommer bewusst viel Zeit gelassen. Es gab auch Angebote aus Deutschland, aber nichts davon hat sich so ganz richtig angefühlt. Ich hatte den Eindruck, meine Familie und ich hatten in Deutschland schon alles gesehen, deswegen hat es mich gereizt, etwas Neues zu machen.

Und dann kam das Angebot aus Schottland?

Schwolow: Genau. Mein Berater hat von der Stadt und den Verantwortlichen geschwärmt. Beides hat sich dann vor Ort bestätigt. Wir waren bei einem Heimspiel und der Tynecastle Park hat mich von der Atmosphäre direkt an das Dreisamstadion erinnert. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit haben wir dann gesagt: Komm, wir versuchen es.

Und wie hast du dich in Edinburgh eingelebt?

Schwolow: Das ging schnell. Die Stadt ist etwas Besonderes. Die Menschen sind sehr nett, die Wege kurz. Es ist richtig lebenswert. Auch der Verein hat es uns einfach gemacht. Nur das Wetter war eine ordentliche Umstellung (lacht).

Nach einer sportlich eher schwierigen Spielzeit 2024/25 seid ihr nach deiner Ankunft von Erfolg zu Erfolg geeilt und habt die Ligaphase nach 33 Spieltagen vor den beiden Serienmeistern aus Glasgow beendet. Wann hattest du das Gefühl, dass ihr ein ernsthafter Titelanwärter seid?

Schwolow: Das dürfte so im März oder April gewesen sein. Wir waren lange auf Platz eins, ich glaube über 200 Tage, und haben häufig zu Null gespielt. Dann hatten wir – auch bedingt durch einige Ausfälle – eine schwächere Phase, aus der wir uns aber herausgekämpft haben. Da kam dann langsam der Glaube auf, dass wir es wirklich schaffen können.

Zum ganz großen Wurf hat es dann am Ende leider nicht gereicht. Am letzten Spieltag der Meisterrunde habt ihr im direkten Duell gegen das zu diesem Zeitpunkt zweitplatzierte Celtic Glasgow knapp verloren und seid schließlich Vizemeister geworden. Was überwiegt denn einen guten Monat nach dem Saisonfinale: Der Stolz auf die starke Saison, oder der Ärger über den verpassten Titel?

Schwolow: Der Stolz überwiegt. Es war eine sehr besondere und historische Saison. Gleichzeitig sind da eine gewisse Wut und Enttäuschung. Auch weil es im Vorfeld des letzten Spieltags ein paar fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen gab. Gefühlt haben wir die Meisterschaft nicht im Saisonfinale verloren, denn im Celtic Park kann man unterliegen, sondern an den beiden Spieltagen davor. Auch für die Fans tut es mir richtig leid. Man merkt: Ich bin immer noch nicht richtig drüber hinweg (lacht).  

Wie hast du denn die Stimmung in Edinburgh rund um den letzten Spieltag wahrgenommen?

Schwolow: Wenn wir den Titel gewonnen hätten, wäre richtig Ausnahmezustand gewesen. Auch so haben tausende Fans nach dem letzten Saisonspiel auf uns gewartet und uns gezeigt, wie stolz sie auf uns sind und uns gefeiert. Trotzdem hätte ich gerne gesehen, was passiert wäre, wenn wir Meister geworden wären.

Zumal ja die Möglichkeit bestand, die seit über 40 Jahren bestehende Vorherrschaft von Celtic Glasgow und den Glasgow Rangers zu brechen.

Schwolow: Was umso beeindruckender ist, wenn man sich anschaut, mit welchen Mitteln wir im Vergleich zu Celtic und den Rangers arbeiten. Die Verantwortlichen bei uns im Verein haben einen tollen Job gemacht und eine starke Mannschaft zusammengestellt. Auch, was die Charaktere im Team angeht. Es hat richtig Spaß gemacht.

Blieb denn in all dem Trubel die Zeit, die Saison des Sport-Club ein bisschen zu verfolgen?

Schwolow: Den SC verfolge ich natürlich nach wie vor. Wenn ich mir die Highlights aus der Bundesliga anschaue, dann immer zuerst den Sport-Club. Ich bin hier groß geworden, der SC Freiburg ist mein Verein. Deswegen fiebere ich da immer noch besonders mit.

Dein Wechsel aus dem Breisgau nach Berlin ist mittlerweile sechs Jahre her. Wie eng sind denn die Kontakte nach Freiburg und zum SC noch?

Schwolow: Unter anderem mit Chicco (Nicolas Höfler, Anm. d. Red.) habe ich in den vergangenen Jahren noch viel Kontakt gehabt. Insofern sitze ich immer noch ein bisschen an der Quelle.

Und wie hast du die Entwicklung des Sport-Club in den vergangenen Jahren generell wahrgenommen?

Schwolow: Es ging ja eigentlich nur noch stetig nach oben. Der Verein hat sich in der oberen Tabellenhälfte etabliert. Wie nachhaltig und strategisch klug die handelnden Figuren agieren, ist beeindruckend. Man weiß einfach, für was der Verein steht, was ihn auszeichnet. Das freut mich und ich hoffe, es geht noch weiter nach oben.

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die kommende Saison. Durch den zweiten Platz in der Liga nehmt ihr an der Qualifikation für die Champions League teil und trefft dort Ende Juli auf Sturm Graz. Wie blickst du auf die kommenden Monate und welche Chancen rechnest du euch international und in der Liga aus?

Schwolow: Das ist eine große Wundertüte. Wir haben unseren Topscorer und den Trainer verloren, dazu kommen weitere Abgänge. Da kommen große Herausforderungen auf uns zu. Aber ich bin mir sicher, dass es die Verantwortlichen, wie vor einem Jahr, schaffen werden, ein starkes Team auf die Beine zu stellen. Wir freuen uns jetzt auf jeden Fall erstmal darauf Champions-League-Luft zu schnuppern.

Interview: David Hildebrandt

Foto: Imago Images

 
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