"Ich schlief nächtelang in den SC-Klamotten"
Die Freiburger Fußballschule feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Zum Jubiläum kommen im Stadionmagazin Heimspiel ehemalige Fußballschüler zu Wort, die sich an ihre Fußballschulzeit erinnern – und erzählen, wie ihr Leben nach dem Nachwuchsleistungszentrum weiterging. Dieses Mal mit Walter Adam.
Herr Adam, ohne groß nachzudenken: Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an die Freiburger Fußballschule denken?
Adam: Ich denke dann an eine sehr prägende Zeit, an viel Spaß, viel Fußball, an viel fußballerischen Input durch damalige Junioren-Trainer wie Klemens Hartenbach, Christian Streich, Lars Voßler oder Patrick Baier.
Sie stießen 2005 zur U14 des SC Freiburg. Wie kam’s?
Adam: Ich habe als Kind beim VfR Merzhausen gespielt, in der D-Jugend bei Eintracht Freiburg. Mit einer Auswahl des Südbadischen Fußballverbands bestritten wir einmal ein Sichtungsspiel gegen die D1 des SC Freiburg. Dabei muss ich die SC-Verantwortlichen von mir überzeugt haben, denn kurz danach kam die Anfrage, ob ich nicht zur C-Jugend des SC Freiburg wechseln wollte.
Wie war Ihre Reaktion?
Adam: Ich war natürlich mega stolz. Als junger Spieler aus der Region war es das Höchste, in der Freiburger Fußballschule unter diesen Top-Bedingungen trainieren zu dürfen. Ich schlief nächtelang in den neuen Trainingsklamotten mit dem SC-Logo.
Sechs Jahre lang waren Sie Nachwuchsspieler des SC Freiburg. Was waren Ihre größten Erfolge in dieser Zeit?
Adam: Ich wurde Jugendnationalspieler, erst für Deutschland in der U18, in der U19 dann für Rumänien, dem Heimatland meiner Eltern. Ich durfte – wie erwähnt – viele tolle Trainer erleben, zudem in meinem letzten Jahr öfter bei den Profis mittrainieren, dort zahlreiche Eindrücke sammeln. Außerdem darf ich mich Pokalsieger nennen: 2011 holten wir mit der U19 den DFB-Pokal der Junioren.
Welche Ziele hatten Sie sich in dem Alter gesetzt?
Adam: Als Nachwuchsspieler hatte ich den Wunsch, so hoch wie möglich zu spielen, das Maximale rauszuholen. Und das hieß natürlich, Profi zu werden, am liebsten eines Tages in der Bundesliga zu spielen.
Ehemalige Mitspieler aus der Freiburger Fußballschule sind Profis geworden: etwa Alexander Schwolow, Matthias Ginter oder Christian Günter. Warum nicht auch Sie?
Adam: Ich hatte natürlich ein gewisses Talent, sonst wäre ich nicht beim SC gelandet. Am Ende des Tages war der Kopf aber nicht bereit für höhere Aufgaben. Talent reicht eben nicht aus, um Profifußballer zu werden. Dem 18-jährigen Walter würde ich heute raten: Hol alles aus dir raus, wenn es dann nicht reicht, hast du wenigstens alles probiert.
Blicken Sie manchmal wehmütig auf die Günters, Ginters die sich den Traum vom Profifußball erfüllen konnten?
Adam: Überhaupt nicht. Mich freut es vielmehr, dass sie den schwierigen Weg bis in die Bundesliga gehen konnten. Top! Und total verdient. Und ich hatte ja auch eine schöne Zeit als Spieler beim Bahlinger SC.
Zum BSC wechselten Sie damals direkt im Anschluss an Ihre Zeit in der Freiburger Fußballschule …
Adam: Mit 19 Jahren wurde mir bewusst: Wenn ich nicht Profi werde, will ich in der Region bleiben und dort so hoch wie möglich spielen. Ich denke, dieser Weg ist für viele Talente aus unserer Region interessant: hier bleiben, studieren, eine Ausbildung machen, nebenher trotzdem noch hochklassig spielen – wenn auch nicht ganz, ganz hochklassig.
Dafür gibt es viele Beispiele: Ehemalige BSC-Spieler wie Vincent Keller, Tobias Klein, Dennis Müller, Yannick Häringer und noch viele weitere hatten eine SC-Vergangenheit.
Adam: Der Bahlinger SC profitiert bis heute vom Sport-Club und der Ausbildung in der Freiburger Fußballschule. Sehr viele Spieler sind den Weg zu uns an den Kaiserstuhl gegangen. Wenn heute Spieler zum Probetraining kommen, erkennt man sofort, wer von ihnen eine Ausbildung beim SC Freiburg genossen hat: Die Jungs sind technisch und taktisch top ausgebildet – und bereichern die Vereine in der Region, wie eben auch uns.
Interview: Christian Engel
Foto: Imago Images
Bildunterschrift: Walter Adam (33) kam 2005 in die Freiburger Fußballschule. Nach der U19 ging er zum Bahlinger SC, für den er elf Jahre lang als Verteidiger spielte (282 Partien). Im Anschluss war er dort drei Jahre lang Teammanager, seit Sommer ist er Sportvorstand.
