„Muss garantiert sein, dass alles erledigt ist“
Mein Job beim SC: Der Zeugwart
Welche Jobs gibt es beim Sport-Club, wer arbeitet hier, wo haben SC-Mitarbeitende ihre Einsatzorte? „Mein Job beim SC“ stellt Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen vor und erzählt von ihrer Arbeit und ihrem Alltag beim Sport-Club. Dieses Mal: der Zeugwart.
Max Beckmann wurde immer wieder der Spionage verdächtigt. Zumindest schaute der eine oder andere Trainer der gegnerischen Mannschaft skeptisch, wenn der Zeugwart des Sport-Club am Spieltag (zum wiederholten Male) an der gegnerischen Kabine vorbeilief. Der führt doch was im Schilde? Tat er nicht. Einzig die Architektur des Dreisamstadions war schuld.
„Beim Bau des Dreisamstadions wurde immer wieder improvisiert, da ist Vieles Stück für Stück dazugekommen. Mein Arbeitsbereich war unter der Haupttribüne auf der Seite, wo auch die Gästekabine war“, erinnert sich Beckmann. „Am Heimspieltag musste ich deshalb immer dort vorbei, wenn ich zum Beispiel was aus dem Wäscheraum holen musste. Bei Teams, die zum ersten Mal im Dreisamstadion waren, gab es oft verwunderte Blicke.“
Im Europa-Park Stadion ist das anders, die Räumlichkeiten sind größer und jetzt auch auf der richtigen Seite. „Trotzdem hatte das Arbeiten im Dreisamstadion natürlich seinen Charme“, sagt der 40-Jährige.
Ausbildung im Bundesarchiv
Beckmanns beruflicher Werdegang nahm vor zehn Jahren eine überraschende Wendung. Der Kontrast zwischen seinem Ausbildungsort im Freiburger Bundesarchiv, wo er eine Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste absolvierte, und den Fußballtempeln des Landes könnte kaum größer sein. Wie bei so vielen Jobs im Profifußball führten Umwege zum Ziel. Oder, wie in seinem Fall, der Hinweis eines Bekannten.
Tobias Schätzle war zu dieser Zeit Organisatorischer Leiter der Freiburger Fußballschule. Heute ist er Teammanager der Bundesliga-Mannschaft. Schätzle und Beckmann kennen sich schon lange, beide stammen aus Elzach. „Die Stelle wurde frei und die Verantwortlichen haben intern gefragt: ,Kennt ihr jemand, der das machen könnte?‘ Daraufhin hat mich Tobi gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Er wusste, dass ich SC-Fan bin, ich hatte auch eine Dauerkarte.“ 2016, kurz vor seinem 30. Geburtstag war das.
Beckmann arbeitete mittlerweile in der Verwaltung der Elzacher BDH-Klinik für neurologische Frührehabilitation. Nach Gesprächen mit Vorstand Jochen Saier, Sportdirekter Klemens Hartenbach und dem damaligen Trainer Christian Streich bekam er die Zusage, war von diesem Zeitpunkt an immer dabei – und ist es heute noch.
„Vince, mach gerne am Wochenende ein Freistoßtor“
„Zuverlässigkeit ist wichtig“, beschreibt Beckmann die Kernkompetenz in seinem Arbeitsfeld. „Es muss garantiert sein, dass vor jedem Training und jedem Spiel alles erledigt ist.“ Heißt, dass die Ausrüstung der Spieler, Trainer und des Funktionsteams in gutem Zustand bereitsteht. „Dafür muss man organisiert sein – für das Chaos sorgen dann schon die Spieler“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Innerhalb der Mannschaft ist Beckmann beliebt, tritt unter anderem in einer eigenen Liga bei einem virtuellen Bundesliga-Managerspiel gegen die SC-Profis an. „Unter der Woche fallen deshalb auch oft Sprüche. Da gehe ich auch mal zu Vince hin und sage ihm, dass er am Wochenende gerne ein Freistoßtor machen darf, weil ich ihn gerade im Kader habe.“
54 Pflichtspiele in der abgelaufenen Saison
In der abgelaufenen Spielzeit legte Beckmann insgesamt 54-mal Trikots und Stutzen zurecht – und das nur bei den Pflichtspielen. Hinzu kommen Testspiele, Trainingslager und der Trainingsalltag. Nur einmal hat er in all den Jahren gefehlt: im März 2022, beim 1:1 in der Bundesliga bei RB Leipzig. „Das war unser erfolgreichstes Spiel in Leipzig in den letzten zehn Jahren“, kommentiert er trocken.
Seit Beginn der Saison 2023/24 wird Beckmann von Josef Friedrich unterstützt. Bei den Auswärtsspielen helfen sowieso alle Staff-Mitglieder mit, die Zeit zwischen Abpfiff und Busabfahrt ist oft knapp. Welche Materialien in welchen Koffer kommen, koordiniert der Elzacher. Anpacken müssen alle.
Im heimischen Europa-Park Stadion hat sich vieles zum Guten verändert, eine Sache ist jedoch gleichgeblieben: Die Schuhe müssen die Spieler weiterhin selbst putzen. Langweilig dürfte Beckmann und seinen Kollegen jedoch auch in der neuen Saison nicht werden.
Dieser Text ist aus den Aussagen eines SC-Podcast-Interviews (Folge 19) entstanden, das in Audio-Form über die SC-Website, Spotify, Apple Podcasts und Amazon Music abrufbar ist.
Marius Faller
Fotos: SC Freiburg
