SC dreht Spiel zum Sieg am Millerntor
Nach einem 0:1-Pausenrückstand trifft Igor Matanovic nach der Pause doppelt und besiegelt den Freiburger 2:1-Sieg beim FC St. Pauli.
Es gab an diesem Sonntagabend einen VIP-Bereich der besonderen Art im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Zumindest temporär. Da der Hamburger Dom am Freitag vor der Partie gestartet war, konnten die Besucherinnen und Besucher, die sich zwischen 17:30 Uhr und 19:27 Uhr für eine Fahrt mit dem Fahrgeschäft „Evolution“, einem rotierenden Greifarm in luftiger Höhe, entschieden hatten, die Bundesligapartie zwischen dem FC St. Pauli und dem Sport-Club kurzzeitig aus der Vogelperspektive verfolgen.
Sie und die 29.546 Zuschauerinnen und Zuschauer im ausverkauften Millerntorstadion sahen, wie der Sport-Club nach drei Minuten das erste offensive Ausrufezeichen der Partie setzte: Yuito schickte Niklas Beste auf die Reise, der sich den Ball 16 Meter vor dem Tor nochmal auf den stärkeren linken Fuß legte und das Tor mit seinem Schlenzer nur um Zentimeter verpasste. Auf der Gegenseite leitete Eric Smith einen ersten Eckball des FC St. Pauli auf Mathias Rasmussen weiter, der aus der Drehung nicht mehr genügend Druck hinter seinen Abschluss brachte, um Noah Atubolu in Bedrängnis zu bringen.
Das Freiburger Trainerteam vertraute auf die gleiche Elf, die auch beim furiosen 5:1-Heimsieg gegen den KRC Genk am vergangenen Donnerstag beim Anpfiff auf dem Rasen stand. „Wir haben lange überlegt, wie wir heute reinstarten. Wir haben uns für diese Lösung entschieden, damit wir, wenn wir reagieren, mit frischen Kräften reagieren“, erläuterte Julian Schuster nach der Partie.
Die Gastgeber versuchten es in den Anfangsminuten immer wieder aus der Distanz, die Versuche von Joel Fujita (18.) und Rasmusen (22.) entschärfte Atubolu jedoch ohne Mühe. Gefährlicher war der Versuch von Vincenzo Grifo aus 14 Metern, den Nikola Vasilj gerade noch aus der langen Ecke kratzte.
St. Pauli trifft nach einer Ecke
Der Gastgeber zeigten in Hälfte eins, dass sie zurecht als heimstarkes Team gelten. Untypisch für ein Team, das gegen den Abstieg kämpft, agierte die Mannschaft von Alexander Blessin sehr offensiv und alles andere als abwartend. Diese Spielweise wurde nach 24 Minuten belohnt. Jordy Makengo konnte zunächst eine flache Hereingabe von links in höchster Not gerade noch zur Ecke klären, diese brachte jedoch die Führung für die Kiez-Kicker. Die Hereingabe von rechts landete auf dem Kopf von Tomoya Ando, der auf Danel Sinani ablegte. Die alleinige Sturmspitze traf den Ball im Fünfmeterraum erst nicht richtig, stocherte ihn im zweiten Versuch dann aber doch über die Linie.
Der SC brauchte eine Weile, um sich von diesem Rückstand zu erholen. Nach 39 Minuten verfehlte Johan Manzambi das St. Paulianer Tor per Kopf nach einer Flanke von Johan um zwei Meter. Sechs Minuten später war es Manzambi, der Ginter per Flanke bediente. Dessen Pass nach innen wehrte Vasilj mit dem Fuß ins Zentrum ab, wo weder Yuito noch Bruno Ogbus den Ball über die Linie drücken konnten. Es blieb beim 0:1 zur Pause.
Verändertes Gesicht nach der Pause
Mit Philipp Lienhart und Cyriaque Irié für Bruno Ogbus und Niklas Beste und deutlich mehr Elan kam der Sport-Club aus der Kabine. Zweimal Igor Matanovic (48., 52.) und Yuito (55.) näherten sich einem Freiburger Ausgleich früh im zweiten Durchgang an. Nach 65 Minuten dann die Erlösung für die mitgereisten SC-Fans im ausverkauften Gästeblock: Matanovic lenkte einen Schussversuch von Vincenzo Grifo mit dem Oberschenkel gegen die Laufrichtung von Vasilj ab und zum 1:1 ins Tor.
Noch besser sollte es nach 74 Minuten kommen – jedoch nur vermeintlich. Den Premierentreffer von Irié nach einem Freistoß des kurz zuvor eingewechselten Derry Scherhant nahm Schiedsrichter Florian Badstübner nach längerer Überprüfung wegen einer Abseitsstellung des Freiburger Rechtsaußen zurück. Irié zeigte sich davon unbeeindruckt und zog nur vier Minuten nach dem zurückgenommenen Tor aus halbrechter Position erneut ab. Der ansonsten gute St. Paulianer Keeper ließ den Schuss nach vorne abklatschen, Matanovic bedankte sich und schob zur Freiburger Führung ein (78.).
Die Gastgeber machten immer weiter auf, der Sport-Club konterte. Nach 87 Minuten hatte Johan Manzambi nach sehenswertem Zuspiel von Lucas Höler die Entscheidung auf dem Fuß, sein Schuss wurde aber im letzten Moment noch geblockt. Besser machte es Scherhant in der Nachspielzeit frei vor Vasilj, als er den Keeper überlupfte, auch dieser Treffer wurde aber postwendend wieder zurückgenommen. So mussten alle, die es mit dem SC halten insgesamt 100 Minuten zittern, ehe sie sich über den wichtigen Auswärtsdreier freuen konnten. „St. Pauli ist zurecht in Führung gegangen“, sagte Julian Schuster auf der anschließenden Pressekonferenz. „Mit den Reaktionen in der Halbzeit konnten wir den Druck erhöhen. So nochmal zurückzukommen, zeigt die Haltung der Jungs. Wir sind über die Haltung der Jungs sehr, sehr froh.“
Der Sport-Club bleibt auf Rang acht, rückt jedoch bis auf einen Punkt an Eintracht Frankfurt heran und empfängt nach der Länderspielpause den FC Bayern München im Europa-Park Stadion.
Marius Faller
Foto: Fabian Bimmer
Stenogramm
| Aufstellung FC St. Pauli: Vasilj - Wahl, Smith, Ando (89., Kaars) - Pyrka, Rasmussen (84., Metcalfe), Irvine, Ritzka (67., Oppie) - Fujita, Pereira Lage (84., Hountondji) - Sinani | |
| Trainer: Alexander Blessin | |
| Bank: Voll, Nemeth, Ceesay, Hara, Dzwigala | |
| Aufstellung SC Freiburg: Atubolu - Treu, Ginter, Ogbus (46., Lienhart), Makengo - Manzambi (89., Osterhage), Eggestein - Beste (46., Irié), Yuito, Grifo (68., Scherhant) - Matanovic (85., Höler) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Müller, Kübler, Höfler, Günter | |
| Tore: 1:0 Sinani (24.), 1:1 Matanovic (65.), 1:2 Matanovic (78.) | |
| Gelbe Karten: Ando - Yuito | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichter: Florian Badstübner | |
| Zuschauer/innen: 29.546 |
