Hochspannender Halbfinaleinzug
Der SC Freiburg hat sich im Viertelfinale des DFB-Pokals im Elfmeterschießen mit 5:4 (1:1, 0:0, 0:0) gegen Hertha BSC durchgesetzt und steht in der Runde der letzten Vier. Das Halbfinale wird am 22. Februar ausgelost und am 21. und 22. April ausgetragen.
120 Minuten, zwölf Elfmeter und Hochspannung bis in die letzte Sekunde: Die Pokalpartie gegen die Alte Dame aus Berlin hatte alles, was das Fußballherz begehrt – inklusive besserem Ende für den SC. „Heute war alles dabei, es war ein geiles Spiel. Es macht mich stolz, dass ich der Mannschaft in so einem wichtigen Spiel helfen konnte“, erklärte ein strahlender Florian Müller nach Spielende. Der Keeper, der seinem Team bereits vor dem Elfmeterschießen mehrfach mit starken Paraden geholfen hatte, wurde beim Shootout vor der Berliner Heimkurve mit zwei gehaltenen Elfmetern zum Matchwinner.
Fünf Änderungen und ein voller Gästeblock
Nach dem hart erarbeiteten 1:0-Ligasieg gegen Werder Bremen veränderte Julian Schuster seine Startelf auf fünf Positionen. Wie bereits in den vorangegangenen Runden gegen Darmstadt und Düsseldorf startete Müller anstelle von Noah Atubolu zwischen den Pfosten. Außerdem begannen Philipp Treu, Derry Scherhant, Yuito Suzuki und Jordy Makengo für Bruno Ogbus, Vincenzo Grifo, Johan Manzambi und Christian Günter.
56.743 Fans hatten sich Tickets für die Viertelfinalpartie besorgt. Gut 5.000 davon hielten es am Dienstagabend mit dem Gast aus dem Breisgau und sorgten vor Spielbeginn mit einer stimmungsvollen Choreographie für Pokalatmosphäre.
Der Sport-Club startete mit viel Ballbesitz und einem frühen Warnschuss Suzukis auf das Tornetz (3.) in die Begegnung beim Zweitligisten, bei dem im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Elversberg Dawid Kownacki, Márton Dárdai und Julian Eitschberger für Jan-Luca Schuler, Pascal Klemens und Deyovaisio Zeefuik in die Startelf rotierten.
Viele Chancen, keine Tore
Dass die Gastgeber ebenfalls gut in die Partie fanden, deutete sich bereits bei Marten Winklers Kopfball knapp neben den Kasten an (4.) und fand nach sieben Minuten seine Fortsetzung im vermeintlichen Führungstreffer durch Fabian Reese. Müller hatte einen Kopfball aus kurzer Distanz noch von der Linie gekratzt, der Flügelspieler nachgesetzt und den Abpraller verwertet. Eine ausgiebige Videoprüfung später wurde dem Treffer aufgrund einer Abseitsstellung die Gültigkeit verwehrt.
Der unterhaltsame Beginn mündete in eine gutklassige erste Halbzeit, in der der SC nach und nach die Oberhand gewann. Die Hertha suchte ihr Glück häufig durch das Zentrum oder die schnelle rechte Seite, für den Sport-Club bot sich Scherhant an alter Wirkungsstätte die große Gelegenheit auf das 1:0. Der Ex-Berliner machte einen feinen Chip von Matthias Ginter am Fünfer fest und scheiterte dann aus der Drehung am aufmerksamen Tjark Ernst (20.), der in der Folge auch gegen Suzuki (24.) und Igor Matanovic (30.) auf dem Posten war.
Die Gäste aus dem Breisgau agierten variabel, ballsicher und geduldig, mussten aber dennoch konstant auf der Hut vor den schnellen Gegenstößen des Hauptstadtklubs sein. Ein solcher endete kurz vor der Pause in einem Flachschuss von Michael Cuisance, der sein Ziel nur knapp verfehlte (43.). Zwei Zeigerumdrehungen später fischte Müller einen Kopfball von Linus Gechter aus dem Eck. Da auch Suzukis Sololauf in der Nachspielzeit nicht mit einem Treffer belohnt wurde, ging es torlos in die Kabinen.
Intensiver zweiter Durchgang
Zwar nahm die Frequenz der Torchancen nach Wiederanpfiff zunächst ab, attraktiv blieb die Begegnung aber allemal. Dank Schiedsrichter Patrick Ittrichs großzügiger Linie ergaben sich nur wenige Verschnaufpausen, in der von beiden Seiten intensiv geführten Partie. Die beste Gelegenheit in dieser Phase bot sich Niklas Beste, der eine Flanke des eingewechselten Vincenzo Grifo mit dem Hinterkopf in die Arme von Ernst verlängerte (64.).
Deutlich enger wurde es in Minute 70, als Suzuki im Strafraum stark nachsetzte, den eroberten Ball zu Grifo querlegte und dessen abgefälschter Schuss aus elf Metern zur Bogenlampe wurde, die den Kasten der Alten Dame um Zentimeter verfehlte. Ein letzter aussichtsreicher Freistoß landete noch in der Mauer der Berliner, dann ging es in die Verlängerung.
Reese kontert Suzuki
In dieser bewahrte Müller sein Team in der 94. Minute zunächst mit einem tollen Reflex gegen einen scharfen Abschluss von Cuisance vor dem sicheren Rückstand, bevor der mitgereiste SC-Anhang die Führung bejubeln durfte. Von Matanovic unter Druck gesetzt spielte Gechter einen zu kurzen Pass zurück zu seinem Torwart, den Suzuki erlief. Der Japaner tanzte den Keeper aus, setzte die Kugel aus wenigen Metern ins verwaiste Tor und machte sich über die Tartanbahn des Olympiastadions auf den Weg in die Kurve der feiernden Gästefans (96.).
Die Freude über die Führung währte allerdings nicht lange. Reese hatte vor dem Strafraum viel Zeit und jagte die Kugel unmittelbar vor dem Ende der ersten Hälfte der Verlängerung unhaltbar für Müller aus 20 Metern in den Winkel. Der Ausgleich sorgte in der letzten Viertelstunde des Spiels zwar für Aufschwung beim Heimteam, ein Treffer fiel aber nicht mehr.
Im Elfmeterschießen schlug dann die Stunde des Man of the Match im Freiburger Tor. Nach Treffern von Grifo, Ginter, Eggestein, Höler und Suzuki, war es der zwölfte Elfmeter, der die Entscheidung bringen sollte. Pascal Klemens visierte das rechte Eck an, Müller parierte den Versuch vom Punkt und versetzte Mitspieler und Fans in Ekstase.
David Hildebrandt
Foto: Ottmar Winter
Stenogramm
| Aufstellung Hertha BSC: Ernst - Eitschberger (116., Klemens), Leistner (99., Dudziak), Gechter, Karbownik - Winkler (80., Schuler), Dárdai, Cuisance, Seguin, Reese - Kownacki (80., Brekalo) | |
| Trainer: Stefan Leitl | |
| Bank: Gersbeck, Jensen, Sessa, Andersen, Brooks | |
| Aufstellung SC Freiburg: Müller - Treu, Ginter, Rosenfelder, Makengo (78., Günter) - Beste (117., Irié), Osterhage (78., Manzambi), Suzuki, Eggestein, Scherhant (63., Grifo) - Matanovic (113., Höler) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Atubolu, Ogbus, Jung, Höfler | |
| Tore: 0:1 Suzuki (96.), 1:1 Reese (104.) Elfmeterschießen: 0:1 Grifo, 1:1 Reese, 1:2 Ginter, 2:2 Schuler, 2:3 Eggestein, Cuisance vergibt, Manzambi vergibt, 3:3 Brekalo, 3:4 Höler, 4:4 Seguin, 4:5 Suzuki, Klemens vergibt | |
| Gelbe Karten: Leistner, Seguin, Schuler - Grifo | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichter: Patrick Ittrich | |
| Zuschauer/innen: 56.743 |

