Heimsieg trotz langer Unterzahl
Der Sport-Club bezwingt Werder Bremen nach einem frühen Tor von Niklas Beste (13.) mit 1:0 (1:0). Johan Manzambi sieht nach 52 Minuten die Rote Karte.
Bei strahlendem Sonnenschein sahen die 34.500 Zuschauerinnen und Zuschauer im Europa-Park Stadion vor Anpfiff zunächst, wie Matthias Ginter für sein 400. Bundesligaspiel geehrt wurde. Nur Manuel Neuer und Oliver Baumann haben unter den aktiven Bundesligaspielern mehr Einsätze absolviert. Bereits kurz nach Anpfiff blitzte die gesamte Erfahrung Ginters auf: Nach einem langen Schlag von Werder-Torhüter Mio Backhaus konzentrierte sich Gegenspieler Keke Topp nur auf das Spielgerät, während Ginter sich unbemerkt an ihm vorbeischlich und so ohne Mühe zuerst am Ball war.
Beim SV Werder Bremen stand an diesem Samstag ein neuer Mann an der Linie. Daniel Thioune hatte unter der Woche Horst Steffen abgelöst. „Wenn du zehn Spiele nacheinander nicht gewinnst, fehlt es an Leichtigkeit“, sagte Thioune, der in der Vergangenheit unter anderem den Hamburger SV und Fortuna Düsseldorf trainiert hatte. „Es geht um Energie und Überzeugung, aber auch um die nötige Bereitschaft.“ Taktisch beließ er es zunächst beim auch von Steffen präferierten 3-5-2-System.
Den Bremern gehörte auch die erste Chance der Partie: Nach einer Flanke von Romano Schmid von der linken Seite gelangte der Ball über Umwege zu Justin Njinmah, der aus 13 Metern zum Fallrückzieher ansetzte und Noah Atubolu zur Glanzparade zwang (13.). Der Sport-Club wiederrum nutzte seine erste Gelegenheit eiskalt aus. Im direkten Gegenzug an die Njinmah-Chance sah Igor Matanovic, dass Niklas Beste auf der rechten Seite gänzlich alleingelassen wurde. Der Freiburger Offensivspieler trieb den Ball in den Strafraum und schlenzte ihn aus halblinker Position unhaltbar in den Winkel – 1:0 für den SC (13.). Es war der erste Pflichtspieltreffer des 27-Jährigen im SC-Dress.
Backhaus verhindert zweiten Freiburger Treffer
„In der ersten Halbzeit war es ein ausgeglichenes Spiel“, sagte Julian Schuster nach Abpfiff. „Bremen ist eine Mannschaft, die mit Ball immer wieder gute Lösungen findet.“
In der im Vergleich zur 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart vier Positionen veränderten Startelf standen bei den Breisgauern unter anderem Christian Günter, Bruno Ogbus, Patrick Osterhage und Vincenzo Grifo anstelle von Jordy Makengo, Philipp Treu, Yuito Suzuki und Derry Scherhant. Treu saß aus Gründen der Belastungssteuerung an diesem Samstag nicht einmal auf der Bank.
Seine Mitspieler verdienten sich ihre frühe Führung nachträglich, weil sie in Hälfte eins klar die Spielkontrolle übernahmen und auch die besseren Chancen hatten. Viele SC-Fans im Stadion jubelten nach 17 Minuten bereits, als Backhaus einen gut gesetzten Kopfball von Matanovic gegen die Laufrichtung des Torhüters noch von der Linie kratzte. Sieben Minuten später profitierte Günter beinahe von einem Abstimmungsfehler in der Bremer Hintermannschaft, wieder blieb Backhaus aufmerksam und verkürzte den Winkel gegen den heranstürmenden Freiburger Kapitän geschickt. Es blieb die letzte nennenswerte Gelegenheit in Hälfte eins.
Manzambi sieht Rot
Ohne Wechsel kamen beide Teams aus der Kabine – und doch musste das Freiburger Trainerteam nur wenige Minuten nach Wiederanpfiff umstellen. Nach einem Zweikampf zwischen Johan Manzambi und Olivier Deman zeigte Schiedsrichter Deniz Aytekin Manzambi zunächst Gelb. Nach einem Hinweis der Videoassistentin Katrin Rafalski und nach Ansicht der Bilder entschied sich Aytekin für einen Platzverweis (52.). Der Sport-Club hatte nun 40 Minuten in Unterzahl vor sich.
Das Ballbesitzverhältnis änderte sich ab diesem Moment drastisch, Werder ließ den Ball teilweise minutenlang um den Freiburger Strafraum zirkulieren. Chancen gab es aber weiterhin auf beiden Seiten. Maximilian Eggestein verzog nach einem Freistoß von Beste knapp (58.), der eingewechselte Bremer Samuel Mbangula machte es ihm auf der Gegenseite nach einer Hereingabe von Jens Stage nach (67.). Eine abgerutschte Flanke von Senne Lynen (71.) musste Atubolu genauso von der Linie kratzen wie einen Fernschuss von Njinmah (80.). Suzuki hatte zu diesem Zeitpunkt bereits getroffen, sein Tor wurde jedoch aufgrund eines vermeintlichen Foulspiels im Vorfeld zurückgenommen (77.).
SC übersteht auch achtminütige Nachspielzeit
„Wir hatten auch nach der Roten Karte trotzdem noch vereinzelt Momente im Umschaltspiel. Kompliment an die Jungs, wie sie es trotz der langen Nachspielzeit verteidigt haben“, bilanzierte Julian Schuster auf der Pressekonferenz nach der Partie.
In der Schlussphase halfen unter anderem die eingewechselten Jordy Makengo und Anthony Jung mit, die knappe Führung über die Zeit zu bringen. Nach 98 Minuten und 30 Sekunden gingen die geballten Fäuste der SC-Fans und Spieler in die Höhe. Mit diesen drei Punkten mehr auf dem Konto bleibt der Sport-Club auf Platz sieben. Bereits am Dienstag (20:45 Uhr) geht es für die Breisgauer im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Hertha BSC weiter.
Marius Faller
Foto: SC Freiburg
Stenogramm
| Aufstellung SC Freiburg: Atubolu - Ogbus, Ginter, Rosenfelder, Günter (68., Makengo) - Eggestein, Osterhage (84., Scherhant) - Beste (68., Jung), Manzambi, Grifo (56., Suzuki) - Matanovic (84., Höler) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Müller, Irié, Höfler, Steinmann | |
| Aufstellung SV Werder Bremen: Backhaus - Malatini (62., Mbangula), Friedl, Coulibaly - Sugawara, Lynen (88., Milosevic), Deman (62., Agu) - Schmid (84., Puertas), Stage - Topp, Njinmah (84., Grüll) | |
| Trainer: Daniel Thioune | |
| Bank: Hein, Schmidt, Bittencourt, Covic | |
| Tore: 1:0 Beste (13.) | |
| Gelbe Karten: Schuster - Friedl | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: Manzambi | |
| Schiedsrichter: Deniz Aytekin | |
| Zuschauer/innen (Fahrradzahl): 34.500 (4.895) |

