Achtelfinale trotz später Niederlage
Der Sport-Club unterliegt am letzten Spieltag der UEFA Europa League beim OSC Lille mit 0:1 (0:0), zieht als Siebter aber dennoch direkt in die Runde der letzten 16 Teams ein.
Lediglich 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten an diesem Donnerstagabend die Decathlon Arena Stade Pierre Mauroy mit rund 50.000 Plätzen. Die Lautstärke im weiten Rund war eines letzten Spieltags der Europa-League-Ligaphase dennoch würdig, was auch am geschlossenen Dach des Multifunktionsstadions lag. Vor dem Anpfiff war die Rechnung einfach: Ein Unentschieden oder Sieg hätte dem Sport-Club das ungeschlagene Weiterkommen ins Achtelfinale gesichert. Nur bei einer Niederlage und gleichzeitig besonderen Konstellationen in den Parallelspielen wäre ein Abrutschen aus den besten Acht möglich gewesen. Der mit fünf Pflichtspielniederlagen in das Kalenderjahr gestartete OSC Lille brauchte einen Sieg, um die Play-off-Runde aus eigener Kraft zu sichern.
Beide Teams begannen zurückhaltend. Eine erste Annäherung der Gastgeber, ein flaches Zuspiel von Calvin Verdonk von der Grundlinie in Richtung des lauernden Matias Fernandez-Pardo, antizipierte und bereinigte Matthias Ginter (7.). Die „Doggen“, wie die Heimmannschaft aufgrund ihres Wappentiers genannt wird, hatten in der Anfangsviertelstunde rund 60 Prozent Ballbesitz, Noah Atubolu musste seine Handschuhe aber zunächst nicht benutzen.
Igor Matanovic, der beim Heimsieg gegen den 1. FC Köln am Sonntag das 2:1 erzielt hatte, nahm beim Sport-Club zunächst auf der Bank Platz. Für ihn begann Junior Adamu im Sturmzentrum. Für den am Knie verletzten Lukas Kübler rückte Christian Günter in die Startformation, Vincenzo Grifo und Johan Manzambi starteten zudem anstelle von Derry Scherhant und Patrick Osterhage. In der Innenverteidigung gab Bruno Ogbus sein internationales Debüt, Max Rosenfelder war aus Gründen der Belastungssteuerung gar nicht erst nach Nordfrankreich mitgereist.
Adamu mit der Chance nach der Pause
Es dauerte bis zur 23. Minute, ehe Hakon Haraldsson aus 20 Metern nur knapp verzog und damit den ersten Torschuss der Partie zu verzeichnen hatte. Der isländische Angreifer war im ersten Durchgang sehr auffällig, bot sich immer wieder im Aufbauspiel der Franzosen an und startete dann in die Tiefe. Olivier Giroud, mit 57 Treffern amtierender Rekordtorschütze der französischen Nationalmannschaft, sah zunächst von der Bank aus, wie der Sport-Club bis zur Pause vor allem mit Defensivaufgaben beschäftigt war, diese aber zuverlässig im Verbund erledigte.
„Vor allem in der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel ein Stück weit auf unsere Seite gezogen und hatten zwei gute Gelegenheiten“, sagte Julian Schuster im Anschluss an die Partie. Auch nach dem Seitenwechsel war die Begegnung zunächst nicht vom ganz großen Tempo geprägt, ein Fehler in der französischen Hintermannschaft ermöglichte Junior Adamu dann aber doch aus dem Nichts die Chance zur Führung: Nach einem weiten Schlag verschätzte sich Nathan Ngoy und legte den Ball mit dem Hinterkopf ungewollt in den Lauf des Österreichers, der im Strafraum des LOSC einen Moment zu lange brauchte. So kam Ngoy noch einmal an das Kunstleder und bügelte den eigenen Fehler in letzter Sekunde aus. Nur fünf Minuten später war es wieder Adamu, der sich nach schönem Zuspiel von Suzuki clever gegen den letzten Verteidiger durchsetzte, anschließend aus 13 Metern aber deutlich verzog. Auf der Gegenseite blockte Ogbus einen Schuss von Correia aus aussichtsreicher Position.
Eggestein fliegt vom Platz, Giroud trifft spät
Beide Mannschaften klappten Mitte der zweiten Hälfte immer mehr die Visiere hoch. Die Mannschaft von Julian Schuster verteidigte phasenweise sehr hoch, was ihr nach 64 Minuten beinahe zum Verhängnis wurde: Nach einem Schnittstellenpass war Fernandez-Pardo auf einmal ganz allein auf weiter Flur, hatte vor Atubolu sehr viel Zeit zum Nachdenken und entschied sich am Ende für einen halbhohen Lupfer, den Freiburgs Nummer eins locker parierte.
Die Schlussviertelstunde trübte den Abend aus Sicht der rund 1.700 mitgereisten SC-Fans. Zunächst kam Maximilian Eggestein im Zweikampf mit Fernandez-Pardo zu spät und traf den Offensivspieler mit offener Sohle am Knöchel. Der polnische Schiedsrichter Damian Sylwestrzak zückte sofort die Rote Karte (74.). In der Nachspielzeit kam dann auch noch Cyriaque Irié im Strafraum gegen Fernandez-Pardo zu spät. Der kurz zuvor eingewechselte Giroud ließ Atubolu vom Punkt keine Chance und sicherte seinen Farben den Heimsieg und den Einzug in die Play-off-Runde (90.+2).
„Auf der einen Seite ist da die Enttäuschung, dass wir das Spiel verloren haben. Auf der anderen Seite ist auch wichtig zu betonen, dass wir, als SC Freiburg, es geschafft haben, unter die ersten Acht zu kommen“, fasste Julian Schuster seine Gefühlslage auf der Pressekonferenz zusammen. Der Sport-Club trifft als Siebter der Abschlusstabelle in den Achtelfinalspielen am 12. und 19. März auf KRC Genk, den FC Bologna, Dinamo Zagreb oder Brann Bergen und hat im Rückspiel Heimrecht. Am Sonntag (15.30 Uhr) geht es in der Bundesliga beim für die Play-off-Runde der Europa League qualifizierten VfB Stuttgart weiter.
Marius Faller
Foto: Marco Steinbrenner (DeFodi Images)
Stenogramm
| Aufstellung OSC Lille: Özer - Thiago Santos, Mandi, Ngoy, Verdonk (82., Perraud) - Mukau, André, Bouaddi, Felix Correia (82., Giroud) - Haraldsson, Fernandez-Pardo | |
| Trainer: Bruno Genesio | |
| Bank: Lanssade, Bodart, Alexsandro, Mbemba, Baret, Boussadia, Broholm, Diaoune, Lachaab | |
| Aufstellung SC Freiburg: Atubolu - Treu, Ginter, Ogbus, Günter - Eggestein, Manzambi (82., Osterhage) - Beste (72., Irié), Suzuki (82., Jung), Grifo (60., Scherhant) - Adamu (60., Matanovic) | |
| Trainer: Julian Schuster | |
| Bank: Müller, Huth, Steinmann, Makengo, Höfler | |
| Tore: 1:0 Giroud (90.+2, FE) | |
| Gelbe Karten: André - | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: - Eggestein | |
| Schiedsrichter: Damian Sylwestrzak (Polen) | |
| Zuschauer/innen: 22.000 |

