Die Zweifel weggewischt

Ein Bild und seine Geschichte

Verein
31.08.2026

Unzählige Male saßen sie am Spielfeldrand und anderen Orten zusammen, tüftelten an Aufstellungen und an taktischen Ideen, und an den Großprojekten Freiburger Fußballschule und SC Freiburg sowieso. Einer hörte auf. Einer machte weiter. Hier erinnert sich Klemens Hartenbach.

Bei diesem Bild habe ich mich schon mehrfach gefragt, in was für einer Situation es wohl entstanden ist. Wir sitzen ja  sehr entspannt da und beide mit einem Lächeln im Gesicht – was während eines Jugendspiels im Möslestadion eher untypisch war. Christian (Streich, Anm. d. Red.) und ich waren ja nicht für unsere große Euphorie bekannt, eher für unseren Realismus. Vielleicht liegen wir hier in Führung, dann war es wohl nicht gegen Bayern oder den VfB – da lagen wir meistens zurück. Aber egal.

Jetzt bin ich nicht mehr so oft im Möslestadion, weil ich überall unterwegs bin, um Spieler zu beobachten, und auch weil die U23 im Dreisamstadion spielt. Aber die Verbindung zur Fußballschule, die Verzahnung zwischen Profis und Nachwuchsleistungszentrum ist weiter sehr eng. Jochen (Saier, d. Red.) und ich haben feste Termine mit Martin und Andi (Schweizer und Steiert, Leiter der Fußballschule, d. Red.) und besprechen uns auch darüber hinaus sehr häufig, obwohl wir jetzt an verschiedenen Enden der Stadt sitzen.

Dass sie die Fußballschule vor 25 Jahren auf den Weg brachten, muss man den handelnden Personen von damals hoch anrechnen, das war Vordenkertum. In den vergangenen Jahren habe ich oft gedacht, dass wir jetzt irgendwann doch nicht mehr mithalten können: wegen der Qualität, die Spieler mitbringen müssen und wegen der finanziellen Power anderer Bundesligastandorte; auch wegen der Berater im Jugendbereich, brutalster Abwerbeversuche schon im U15- und U16-Bereich und wegen der gestiegenen sportlichen Qualität bei unserer eigenen ersten Mannschaft. Ich habe mich gefragt: Wie sollen die Jungs da noch schnell den Anschluss schaffen können? Und immer aufs Neue wurden und werden diese Zweifel weggewischt. Das freut mich unglaublich und macht mich stolz.

Die Qualität der Arbeit in der Fußballschule und die Offenheit der Verantwortlichen im Profibereich führen dazu, dass es doch immer wieder klappt. Zuletzt zeigten das die Beispiele von Johan (Manzambi) oder Noah (Atubolu), jetzt von Rouven und Karl (Tarnutzer und Steinmann, d. Red.). Auch die Offenheit der Menschen, die dem SC Freiburg nahestehen, ist Teil des Ganzen: wie sie akzeptieren, es toll finden, dass wir nicht nur Qualitätsspieler von außen dazuholen, sondern auf eigene Jugendspieler setzen. Ich liebe dieses Zusammenspiel von Nachwuchs und erster Mannschaft. Und wenn es erfolgreich ist, so Früchte trägt wie bei uns, kriege ich die Liebe quasi zurück – auch deshalb mache ich den Job so gerne.

Jetzt ohne Christian, was ich mir anfangs gar nicht vorstellen konnte. Aber dass er vor zwei Jahren aufgehört hat, war die richtige Entscheidung von ihm, vor der ich allergrößten Respekt habe. An erster Stelle steht die Gesundheit. Dass es für ihn der richtige Zeitpunkt war, hat mich getröstet. Dazu kommt: Auch wenn er mir fehlt, ist es in der täglichen Arbeit mit Julian so, dass ich mich von der grundsätzlichen Herangehensweise und Haltung, von dem, was tief in der Seele verankert ist, überhaupt nicht umstellen musste. Das hat alles viel einfacher gemacht.                  

Aufgezeichnet von Milena Janetzki

Dieser Text erschien erstmals in unserem Stadionmagazin Heimspiel, das es hier im Abo gibt. 

 

 
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