"Und wir waren Meister!"

Männer
31.01.2026

Jeder Club hat seine Kultfiguren. Vor dem Spiel beim VfB Stuttgart hat unser Stadionmagazin Heimspiel mit einer der Legenden des nächsten SC-Auswärtsgegners gesprochen: Andreas Buck. 

Herr Buck, auf ein Herzschlagfinale um die Deutsche Meisterschaft werden wir dieses Jahr mit Blick auf die Dominanz des FC Bayern München wohl verzichten müssen. Dafür dürfen Sie uns aber gerne berichten von jenen Zeiten, als es an der Tabellenspitze noch spannend war. Reisen wir zurück ins Jahr 1992.

Buck: Vor dem letzten Spieltag hatten sogar noch drei Vereine die Chance, Deutscher Meister zu werden: Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und wir, der VfB Stuttgart. Alle waren punktgleich, Frankfurt hatte die Nase aufgrund des besseren Torverhältnisses leicht vorne. Ach, was sag ich: deutlich vorn. Sie waren der große Favorit auf die Meisterschaft, weil sie in der Saison nicht nur den besten, schnellsten und attraktivsten Fußball gespielt, sondern am letzten Spieltag auch die vermeintlich leichteste Aufgabe von allen drei Teams vor sich hatten.

Die Eintracht spielte auswärts beim FC Hansa Rostock, der bereits als Absteiger feststand.

Buck: Und normalerweise hätten sie die Partie auch locker gewonnen. Aber Frankfurt geriet Mitte der zweiten Halbzeit in Rückstand, konnte dann zwar postwendend ausgleichen, jedoch nicht in Führung gehen.

Für den VfB lief es auch nicht besser …

Buck: Wir traten bei Bayer 04 Leverkusen an, die noch um die internationalen Plätze spielten. Unser Vorteil gegenüber Frankfurt war jedoch, dass wir nichts zu verlieren hatten. Wir gingen relativ entspannt in die Partie, weil wir mit einem deutlichen Eintracht-Sieg rechneten. Leverkusen schoss das 1:0, wir glichen kurz vor der Halbzeit durch Fritz Walter aus.

… was aber noch nicht reichte für die Tabellenführung, da es ja noch einen Dritten im Bunde gab: Borussia Dortmund.

Buck: Und die führten beim MSV Duisburg, der noch um den Klassenerhalt kämpfte. Damit rückte der BVB in der virtuellen Tabelle von Rang drei auf eins. Bis zur 85. Minute war Dortmund Meister.

Aber dann kam die 86. Minute: Dann kam Guido Buchwald und machte den VfB zum Deutschen Meister.

Buck: Sieben Minuten zuvor war Matthias Sammer mit Rot vom Platz geflogen. Wir waren in Unterzahl, Leverkusen drückte. Und dann wechselte Trainer Christoph Daum zehn Minuten vor Schluss auch noch Fritz Walter und Maurizio Gaudino aus, unsere besten Stürmer! Die Wechsel verstand damals schon keiner – und ehrlicherweise weiß ich bis heute nicht, was Daum damals geritten hat. Aber die Verwirrungstaktik half. Nicht nur wir waren verwirrt, sondern auch der Gegner. Die eingewechselten Manfred Kastl und Eyjolfur Sverrisson machten ordentlich Dampf, Kastl gelang gar ein Pfostentreffer – und dann traf Guido Buchwald vier Minuten vor Schluss zur Führung. Und die ganze Bank fing an zu feiern.

Ein bisschen voreilig, Frankfurt hätte beim Stand von 1:1 in Rostock ja noch treffen und dem VfB die Schale entreißen können …

Buck: Absolut! Noch so etwas, was ich bis heute nicht verstehe, warum sich alle auf der VfB-Bank schon Minuten vor dem Abpfiff in den Armen lagen und feierten. Schließlich drückte Leverkusen enorm. Aber irgendwann bekamen wir über Radio das späte 2:1 der Rostocker gegen die Eintracht mit, und unsere Fans stürmten den Platz, als sie einen Pfiff mit dem Abpfiff verwechselten. Es waren eigentlich noch zwei Minuten zu spielen, Schiedsrichter Hans-Peter Dellwing versuchte alles, die Menge wieder vom Platz zu kriegen. Als er merkte, dass das keinen Sinn machte, pfiff er einfach ab. Und wir waren Meister!

Und dann stiegen auch Sie in die Feierei mit ein, die auf der Bank schon zehn Minuten früher begonnen hatte.

Buck: Dann feierte auch ich. Aber ehrlicherweise habe ich den Triumph von damals erst später in meiner Karriere so richtig schätzen gelernt, als mir bewusst wurde, wie verdammt schwierig es ist, überhaupt Deutscher Meister zu werden. 1998 war uns das Kunststück auch mit dem
1. FC Kaiserslautern gelungen, zu dem ich erst ein Jahr zuvor vom VfB gewechselt war – damals als Aufsteiger. Bis heute ein Novum.

Zum VfB Stuttgart kamen sie zuvor vom SC Freiburg, für den Sie zwei Jahre in der 2. Bundesliga gespielt haben.  

Buck: Ja, 1990 zog es mich vom SC Freiburg zum VfB Stuttgart. Ich war 1988 beim Sport-Club gelandet und hatte eine tolle Zeit dort. In Freiburg lebt es sich schon sehr schön. Aber niemand dachte damals daran, dass der SC jemals in der Bundesliga spielen könnte, und als der VfB mich kontaktierte, wollte ich die Chance ergreifen, mal in der höchsten deutschen Spielklasse anzutreten.

Sie wurden Deutscher Meister, und der Sport-Club stieg 1993 doch noch auf.

Buck: Das hat mich riesig gefreut – und die Entwicklung des Vereins finde ich sowieso grandios. Ich erinnere mich auch noch gut an die Spiele gegen den SC Freiburg in der Bundesliga. Der Volker-Finke-Fußball war sehr sehenswert, aber als Gegner richtig furchtbar: Da war man nur am Hinterherlaufen.      

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift:

Andreas Buck (58) spielte zwischen 1990 und 1997 beim VfB Stuttgart. Für die Schwaben absolvierte er 185 Pflichtspiele, traf als Mittelfeldspieler dabei zwölf Mal, legte 29 Treffer auf. Für den SC Freiburg bestritt er zuvor 68 Spiele. Heute berät er ehemalige Sportler/innen bei Versicherungsangelegenheiten.

 
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