Die Feier nach dem Frust

Männer
14.03.2026

Jeder Club hat seine Kultfiguren. Vor jedem Spiel präsentiert das Stadionmagazin Heimspiel eine Klublegende des SC-Gegners. Dieses Mal kommt Ronny Nikol vom 1. FC Union Berlin zu Wort. 

Herr Nikol, wir sprechen miteinander kurz nach der Auslosung der diesjährigen DFB-Pokal-Halbfinalspiele. In seiner Historie ist der 1. FC Union Berlin dort bislang zwei Mal vertreten gewesen: zuletzt vor vier Jahren, zuvor vor 25 Jahren. Beim ersten Mal waren Sie dabei – und wie! Welche Erinnerungen haben Sie an die Partie gegen Borussia Mönchengladbach im Februar 2001?

Nikol: Sehr, sehr viele schöne. Zunächst stand das Spiel damals ja auf der Kippe. Es hatte viel geschneit, der Platz war eigentlich nicht bespielbar. Dann hatten Union-Fans tags zuvor dazu aufgerufen, mitzuhelfen den Platz zu räumen. Und tatsächlich folgten viele dem Ruf, machten den Rasen mehr oder weniger spielbereit – ich glaube, heute würde man die Partie nicht anpfeifen. Aber es wurde gespielt. Dann schafften wir ein 2:2 in der regulären Spielzeit.

Auch nach 120 Minuten hieß es Unentschieden, es ging ins Elfmeterschießen. Hatten Sie und Ihre Mitspieler das im Vorfeld extra noch mal geübt?

Nikol: Unser Trainer Georgi Vasilev hielt davon nichts. Und ich finde auch, dass man solch einen Moment nicht wirklich trainieren kann. Klar, die Schusstechnik, die kann man üben. Aber solch eine Stimmung und diesen Druck zu simulieren, weniger. Mein Glück war, dass Gladbach gleich die ersten beiden Elfer versemmelt und wir in der Folge drei Mal getroffen hatten. Als vierter Schütze konnte mein Elfer alles entscheiden. Hätte ich aber danebengeschossen, hätten wir noch eine weitere Chance gehabt, das Elfmeterschießen für uns zu entscheiden.

Sie machten aber direkt alles klar, Union siegte im Elfmeterschießen 4:2 und zog ins Finale ein. Und das Stadion skandierte „Berlin, Berlin, wir bleiben in Berlin“?

Nikol: (lacht) Ja, das hätte gepasst. Wir mussten dann zwar im Stadion unseres Rivalen Hertha BSC spielen, aber es hieß fürs DFB-Pokal-Finale ja ganz neutral nur „Olympiastadion von Berlin“. Also ja, Heimspiel.

Das Besondere daran war, dass der 1. FC Union Berlin damals als Regionalligist im Finale stand. In den Runden zuvor hatten Sie namhafte und vor allem höherklassige Gegner ausgeschaltet: neben Mönchengladbach unter anderem den VfL Bochum und den SSV Ulm 1846 ...

Nikol: … und immer in der heimischen Alten Försterei. Nach einem unglücklichen Scheitern in der Relegation zum Aufstieg in die 2. Bundesliga in der Saison zuvor, lag in jener Spielzeit 2000/01 ganz klar das Augenmerk auf dem Aufstieg. Das war das große Ziel, das wir übrigens am Ende auch erreichten. Dass wir dann im Pokal Runde für Runde weiterkamen, war ein schöner Bonus für uns. Und dann wollten wir den Pokal am Ende natürlich auch holen, wenn wir schon mal im Finale standen.

Dort ging es gegen Vizemeister FC Schalke 04.

Nikol: Die Schalker hatten eine Woche zuvor die Deutsche Meisterschaft tragisch verpasst, als die Bayern ihnen den Titel in der Schlussminute noch entrissen. Wir wussten also, dass die Schalker auf eine Art auch angeknackst waren von dem Erlebnis, dass sie schlagbar waren. Und wir wussten von unserer Stärke, unserem Lauf. So selbstbewusst gingen wir die Partie dann auch an.

Laut „Kicker“ trumpfte Union „frech auf, spielte ruhiger und abgeklärter, und brachte die Königsblauen mehr in Verlegenheit, als ihnen lieb war“.

Nikol: Nach 23 Minuten traf Stürmer Harun Isa das Lattenkreuz – das wäre beinahe die Führung gewesen. Auch danach hatten wir noch zahlreiche Chancen auf das 1:0, kurz nach dem Seitenwechsel etwa traf Angreifer Bozidar Djurkovic das Torgebälk.

Aber dann kamen zwei Standards innerhalb von fünf Minuten – und ein Schalker Standardspezialist: Jörg Böhme.

Nikol: Die individuelle Klasse entschied das Finale. Erst zirkelte Böhme einen Freistoß in die Maschen, danach traf er per Elfmeter. Nach Abpfiff waren wir natürlich erst einmal frustriert, weil wir dem Bundesligisten lange Zeit die Stirn geboten hatten, weil wir richtig gut gewesen waren. Und natürlich willst du als Spieler sowieso jedes Spiel gewinnen. Aber klar, später feierten wir uns und die Saison noch ausgiebig. Schließlich waren wir erstmals in die 2. Bundesliga aufgestiegen, im DFB-Pokal-Finale gestanden – und als Sahnehäubchen durften wir in der Saison darauf im UEFA-Cup spielen, weil Finalgegner Schalke für die Champions League qualifiziert war. Das nächste Highlight für uns Spieler und den gesamten Verein.

Da all diese einmaligen Erlebnisse bald 25 Jahre her sind, würde sich doch eine zünftige Jubiläumsfeier anbieten, um noch mal darauf anzustoßen. Ist ein Ehemaligentreff geplant?

Nikol: Das wäre was, ja. Aber nein, bisher ist noch nichts geplant. Und doch bleiben diese Momente von 2001 für immer präsent im Verein. Ich bin häufig im Stadion und werde von Fans darauf angesprochen. Auch auf der 60-Jahr-Feier von Union Berlin Anfang des Jahres war das DFB-Pokal-Finale Gesprächsthema. Daran erinnern sich viele immer wieder gerne zurück.                  

Interview: Christian Engel

Foto: Imago Images

Bildunterschrift: Ronny Nikol (51) spielte zwischen 1997 und 2003 für den 1. Union Berlin (215 Pflichtspiele, zwölf Tore). Heute besucht er für Union Berlin Grundschulen und Kindergärten, um Kinder durch Fußball-AGs und Bewegungsangebote für Sport zu begeistern.

 

 
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