Mit Mentalität, Torinstinkt und Leidenschaft

Profis
26.10.2019

Der SC Freiburg hat am neunten Bundesliga-Spieltag mit 2:1 (1:0) gegen RB Leipzig gewonnen. 

In einer ersten Hälfte, die von den Sachsen bestimmt wurde, traf Nicolas Höfler trotzdem zur Führung (45.+2). Nach der Pause verteidigte der SC clever und erzielte durch Joker Nils Petersen in der 90. Minute das 2:0. Lukas Klostermann konnte in der 94. Minute zwar noch einmal verkürzen, doch am Ende sicherte sich der Sport-Club durch leidenschaftliche Defensivarbeit die drei Punkte – und vorerst Tabellenplatz zwei.

Ein Fußballspiel, sagte Julian Nagelsmann kürzlich, sollte „Konzertcharakter" haben. Diesbezüglich waren mit makellosem Sonnenschein und milden Oktober-Temperaturen optimale Rahmenbedingungen beim Open-Air-Event zwischen dem Sport-Club und RB im ausverkauften Schwarzwald-Stadion geboten.

Und auch was den Unterhaltungswert betraf, auf den der Leipziger Trainer mit seinem Vergleich vor allem abzielte, gab es am Ende dieses Nachmittags keine Abstriche zu beklagen. Den überzeugenderen und lautstark umjubelten Auftritt auf der Freiburger Bundesligabühne bot mit einem Heimdreier und dem Vorrücken auf den zweiten Tabellenplatz - zumindest bis zum Sonntag - der SC.

Flekken im Tor, Debüt von Tempelmann

„Es war extrem schwierig, Leipzig war sehr ballsicher. Aber wir haben in engen Räumen gut verteidigt und sind durch ein Instinkttor von Chicco Höfler in Führung gegangen", sagte Christan Streich nach dem Schlusspfiff. „In der zweiten Halbzeit haben wir gut gespielt und keine Konter zugelassen. Es ist toll, was die Mannschaft geleistet hat, und wir hatten auch das nötige Quäntchen Glück, keine Frage", so der SC-Trainer. „Wir waren 38 Minuten sehr gut und dominant. Dann folgten ein, zwei Aktionen, die ich nicht nachvollziehen konnte", erklärte RB-Coach Nagelsmann. „Da kriegen wir das 1:0 und nach der Pause war es sehr schlecht. Wir hatten wenige Chancen und sind sehr träge in die Box gekommen."

Beim Sport-Club hatte es nach der 0:2-Niederlage bei Union Berlin zwei Veränderungen in der Startelf gegeben. Wie angekündigt vertrat Mark Flekken im Tor den verletzten Alexander Schwolow (Muskelfaserriss). Der Niederländer absolvierte sein zweites Spiel in der Ersten Bundesliga. Darüber hinaus bot das Trainerteam gegen die Sachsen auch einen Bundesliga-Debütanten auf. Anstelle von Amir Abrashi spielte im defensiven Mittelfeld der im Sommer in den Profikader aufgerückte Lino Tempelmann. Dessen Premiere dauerte schließlich aber nur eine gute halbe Stunde, dann kam Vincenzo Grifo (34.) für ihn in die Partie.

Bei den Gästen gab es nach dem 2:1-Erfolg in der Champions League gegen St. Petersburg am vergangenen Mittwoch drei Wechsel in der Anfangsformation. Für Nordi Mukiele kehrte der wiedergenesene Marcel Halstenberg in die Viererkette zurück. Anstelle von Kevin Kampl und Konrad Laimer begannen im defensiven Mittelfeld Diego Demme und Amadou Haidara.

Höfler mit der Führung kurz vor der Pause

In der Anfangsphase präsentierte sich der Sport-Club bissig, griffig und zweikampfstark. Die Gastgeber suchten in dem zunächst temporeichen Spiel den Weg nach vorne. Luca Waldschmidt (7.) gab den ersten Freiburger Torschuss ab, verfehlte jedoch das Ziel. Nach rund zehn Minuten wurden die Gäste jedoch stärker. Robin Koch klärte bei einer ersten Möglichkeit für RB gegen Willi Orban zur Ecke. Kurz darauf zwang Amadou Haidara Flekken mit einem Schuss aus der Distanz zur ersten starken Parade.

Der Niederländer hatte in der Folgezeit mehr zu tun, denn der SC vermochte seinen Anfangselan nicht beizubehalten und leistete sich dazu den einen oder anderen Abspielfehler im Aufbau. Leipzig erarbeitete sich nun mehr Ballbesitz und versuchte, mit schnellem, flachen Kombinationsspiel zu Chancen zu kommen. Wirklich klare ließ der Sport-Club aber nicht zu. Nach einem Kopfball von Sabitzer war Flekken zur Stelle. Eine Hereingabe von Emil Forsberg klärte Höfler und ein Schuss von Timo Werner wurde noch geblockt.

Der SC schien seinen guten Anfangsrhythmus vorerst verloren zu haben und musste nach einer halben Stunde auch den angeschlagenen Waldschmidt ersetzen. Für den bislang besten SC-Torschützen, der sich am Fuß verletzte, kam Nils Petersen (30.) in die Partie, kurz danach außerdem Grifo für Tempelmann, dessen Position im Mittelfeld jetzt Janik Haberer übernahm.

Dass der Sport-Club dennoch mit einer Führung in die Pause ging, lag an einem letzten entschlossenen Vorstoß in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs. Christian Günter enteilte auf der linken Seite dynamisch seinem Gegenspieler und flankte auf Lucas Höler. Dessen Schuss wurde von Halstenberg geblockt, doch Hölers zweiter, noch abgefälschter Versuch landete vor den Füßen des frei stehenden Höfler (45.+2), der keine Mühe hatte, einzuschieben. "Er läuft von hinten rein und macht es mit Instinkt", sagte Christian Streich über das Führungstor. "Das sieht einfach aus, ist es aber nicht."

Weiterer Wechsel und wenig Chancen zugelassen

In der zweiten Hälfte blieb es zunächst dabei, dass sich die Leipziger deutlich mehr Ballbesitz erarbeiteten. Viele Torchancen für die Gäste ließ der jetzt tiefer verteidigende und auf Kontergelegenheiten lauernde Sport-Club aber weiterhin nicht zu. Der SC verengte in der zunehmend intensiver werdenden Partie wirkungsvoll die Räume in der eigenen Hälfte, auch nachdem Nagelsmann mit Christopher Nkunku und Yussuf Poulsen, auf die später noch Matheus Cunha folgte, frische Offensivkräfte auf den Platz geschickt hatte.

Auch der Sport-Club wechselte noch einmal, zum zweiten Mal in diesem Spiel verletzungsbedingt. Höfler hatte bei einem Zweikampf eine Platzwunde am Kopf erlitten, die zunächst behandelt wurde. Kurz nachdem der Torschütze aufs Feld zurückgekehrt war, ging es für ihn aber nicht mehr weiter. Wie Christian Streich nach dem Spiel mitteilte, hatte der Mittelfeldspieler auch eine Gehirnerschütterung erlitten. Höfler wurde durch Nico Schlotterbeck ersetzt, der rechts in die Dreierkette rückte, Lienhart wechselte auf die zentrale Position und Koch von dort ins defensive Mittelfeld.

Der Stabilität im Abwehrverbund tat dies keinen Abbruch, wie auch das gesamte Team erneut eine starke Mentalität bewies und sich den Gästen mit großem Kampfgeist entgegenstemmte. RB wirkte zwar stets um den Ausgleich bemüht, das Leipziger Spiel verlor aber mit der Zeit seine Präzision und die Sachsen leisteten sich vermehrt Abspielfehler, die der SC zu Kontern nutzte.

Petersen erhöht, Anschluss in der Nachspielzeit

Wie Günter mit einem erneuten Antritt, dessen Schuss Gulasci gerade noch ins Toraus (75.) lenkte. Die fällige Ecke gab Schiedsrichter Harm Osmers allerdings nicht, da er die Szene anders wahrgenommen hatte. Kurz darauf rettete Halstenberg vor dem einschussbereiten Höler, bevor Petersen (88.) nach einem Eckball von Grifo die Vorentscheidung verpasste. Seine Direktabnahme ging knapp am langen Posten vorbei.

Umso genauer geriet kurz darauf sein Abschluss in der Schlussminute. Nach einer Balleroberung in der Leipziger Hälfte schickte Grifo Petersen in die Tiefe und der Stürmer erzielte mit einem Flachschuss in die linke Ecke aus rund 15 Metern nervenstark das 2:0 (90.).

In den turbulenten fünf Nachspielminuten kam Leipzig nach einer Ecke und der Kopfballverlängerung von Cunha durch Lukas Klosterman (90.+2) zum Anschlusstor. Aber auch Petersen hatte nach einem Konter noch die große Gelegenheit zum dritten SC-Treffer, scheiterte aber am stark parierenden Gulacsi. Am Ende erkämpfte sich der Sport-Club verdient den fünften Saisonsieg und den dritten Bundesliga-Heimsieg gegen RB Leipzig in Folge.

Zugabe-Rufe des restlos begeisterten Publikums waren nach dem Schlusspfiff zwar nicht zu vernehmen. Die meisten Fans dürften allerdings bereits am kommenden Dienstag (18.30 Uhr) wieder im Schwarzwald-Stadion mit dabei sein. Dann empfängt der SC Freiburg zum nächsten Pflichtspiel in der zweiten DFB-Pokalrunde den 1. FC Union Berlin. Der Aufsteiger unterlag in der Liga heute knapp mit 1:2 beim FC Bayern München.

Dirk Rohde

Fotos: Achim Keller

Stenogramm

SC Freiburg

Flekken - Lienhart, Koch, Heintz - Schmid, Höfler (67. Schlotterbeck), Tempelmann (34. Grifo), Günter (C) - Haberer, Waldschmidt (30. Petersen), Höler

Ersatzbank: Thiede (Tor), Gulde, Gondorf, Borrello, Sallai, Kwon

Trainer: Christian Streich

RB Leipzig

Gulacsi - Klostermann, Orban (C), Upamecano, Halstenberg - Forsberg (60. Poulsen), Haidara, Demme, Sabitzer (56. Nkunku) - Lookman, Werner (70. Matheus Cunha)

Ersatzbank: Mvogo (Tor), Ampadu, Laimer, Mukiele, Saracchi, Ilsanker

Trainer: Julian Nagelsmann

Schiedsrichter: Harm Osmers (Hannover) Zuschauer: 24.000 (ausverkauft)
Tore: 1:0 Nicolas Höfler (45.+2), 2:0 Nils Petersen (90.), 2:1 Lukas Klostermann (90.+2)
Gelb: Höfler, Haberer, Grifo / Upamecano
 

Die Bilder zum Spiel gegen Leipzig

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