Aufholjagd in Bremen bleibt unbelohnt
Die Frauen des SC Freiburg haben am achten Spieltag der Google Pixel Frauen-Bundesliga beim SV Werder Bremen mit 3:4 (0:3) verloren. Nach einem deutlichen Pausenrückstand reichten die Tore von Selina Vobian (51./90.) und Sabah Seghir (90.+3) am Ende nicht mehr für Zählbares.
In der Fußballrepublik geografisch denkbar weit voneinander entfernt, in der aktuellen Bundesligatabelle Nachbarinnen: Das war die Konstellation vor dem vierten Auswärtsspiel der SC-Frauen in dieser Saison. Der Sport-Club reiste als Tabellenachter an die Weser, die Gastgeberinnen standen auf Platz sechs, beide Teams hatten bisher zehn Punkte gesammelt. In einem Spiel mit zwei unterschiedlichen Halbzeiten erarbeiteten sich die Gastgeberinnen vor der Pause einen klaren Vorsprung. Die SC-Frauen waren in der zweiten Hälfte das bessere Team, für einen Punktgewinn reichte es trotz einer beherzten Aufholjagd am Ende aber nicht mehr.
„Wir sind schlecht ins Spiel gekommen und haben den Gegner unnötig stark gemacht. Die drei Gegentore vor der Pause haben weh getan, zumal zwei nach Standardsituationen gefallen sind, was unnötig ist“, erklärte SC-Trainer Marco Konrad. „Trotzdem hat die Mannschaft eine tolle zweite Halbzeit gezeigt und ist zurückgekommen. Man hat aber auch gesehen, dass wir nicht in der Lage sind, die aktuelle personelle Situation mit den zahlreichen Ausfällen adäquat zu kompensieren.“
Mit Maas und Ojukwu in der Innenverteidigung
Nach der jüngsten Länderspielphase hatten die Bremerinnen zuletzt ein zusätzliches spielfreies Wochenende. Das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim war aufgrund einer Krankheitswelle bei den Hanseatinnen kurzfristig abgesagt worden. Der Sport-Club wiederum trat in Bremen auch ohne eine komplette Elf an: Neben Laura Benkarth, Ingibjörg Sigurðardóttir, Meret Felde (alle Schwangerschafts- bzw. Babypause), Zoe Schick (Kreuzbandriss), Tessa Blumenberg (Reha), Nia Szenk (Adduktorenprobleme), Jana Vojteková (muskuläre Beschwerden), Emma Memminger (Weichteilverletzung am sowie Johanna Hebben, die derzeit bei der U17-WM in Marokko im Einsatz ist, fehlten auch Julia Stierli (Rotsperre) und Alina Axtmann (Fußprobleme).
Dafür stand Mia-Lena Maas wieder zur Verfügung, neben der diesmal Nicole Ojukwu in der Innenverteidigung spielte. Gegenüber dem 0:3 gegen RB Leipzig in Unterzahl rückte außerdem die im Sommer aus Bremen zum Sport-Club gewechselte Amira Arfaoui neu in die Startelf, ebenso wie Luca Birkholz im Angriff.
Rückstand nach druckvollem Werder-Start
Bei stürmisch-regnerischem Wetter auf Platz 11 des Weserstadions kamen die Gastgeberinnen in der zweiten Minute nach einem Freiburger Ballverlust zur ersten Torchance. Luna Vanzeir setzte ihren Schuss aber knapp am Tor vorbei. Werder Bremen begann äußerst griffig und druckvoll, während die SC-Frauen noch die richtige Struktur in ihrem Spiel suchten. Früh gelang den Hanseatinnen dadurch der Führungstreffer. Nach einem ersten noch gebockten Schuss traf Lilli Purtscheller (12.) flach und platziert in die lange Ecke.
Ilayda Açıkgöz prüfte nach einer Viertelstunde aus der Distanz erstmals Werder-Torhüterin Vanessa Fischer. Kurz darauf leitete ein langer Ball von Ojukwu die erste Chance zum Ausgleich ein. Alena Bienz versuchte es beim Abschluss mit einem Heber über Fischer, die den Ball jedoch abfangen konnte (18.). Der Sport-Club hatte inzwischen besser in die Partie gefunden, während über dem Spielfeld die Sonne allmählich den Regen verdrängte.
Zwei weitere Bremer Tore vor der Pause
Das eigene Offensivspiel war nun besser in Schwung gekommen, was auch zur Entlastung nach dem entschlossenen Bremer Auftakt beitrug. Dennoch gelang auch der nächste Treffer den Gastgeberinnen – nach einer Standardsituation. Ein Freistoß von Isabella Jaron aus rund 20 Metern ging an die Querlatte, Sarah Gutmann reagierte am schnellsten und schoss den abgeprallten Ball aus wenigen Metern zum 2:0 ein (30.)
Nur fünf Minuten später hatten die Hanseatinnen ihren Vorsprung weiter ausgebaut. Erneut ging dem Gegentor ein Standard voraus. Ein Eckball landete hinter dem langen Pfosten bei Jaron, die nach einem kurzen Dribbling mit einem Schuss in die kurze Ecke zum dritten Mal für die Grün-Weißen traf (35.). Auch die SC-Frauen, die weiter dagegenzuhalten und nach vorne zu spielen versuchten, kamen nach einem Eckball zur nächsten Gelegenheit. Der Schuss von Kapitänin Lisa Karl kurz vor der Pause wurde aber noch geblockt, sodass es auch zur Halbzeit bei dem klaren Rückstand blieb.
Vobian verkürzt, Elfmeterpfiff bleibt aus
Mit einer personellen Veränderung starteten die Freiburgerinnen in die zweite Hälfte. Für Arfaoui kam Selina Vobian in die Partie. Nur sechs Minuten später gelang der Offensivspielerin der erste Treffer für die SC-Frauen: Nach einer Flanke von der linken Seite von Carina Brunold verkürzte Vobian mit einem Kopfball (51.). Der Sport-Club besaß jetzt mehr Spielanteile und versuchte zu weiteren Chancen zu kommen, nach einer Stunde auch mit Sabah Seghir, die für Bienz eingewechselt worden war.
Die nächsten Möglichkeiten ließen aber zunächst auf sich warten, was auf beiden Seiten galt. Nach einer Flanke von Seghir kam erneut Vobian zum Abschluss, aber ihre Direktabnahme landete in den Armen von Fischer (70.). Dasselbe galt nach der nächsten SC-Möglichkeit und einem sehenswerten Angriffszug, den Seghir nach einer Hereingabe von Vobian abschloss (76.). Ungeahndet blieb einige Minuten später nach einer Freistoßflanke ein Foul der herausspringenden Fischer gegen Brunold im Strafraum. „Da kann man durchaus Elfmeter geben, aber die Schiedsrichterin hat mir gesagt, sie hätte die Szene nicht gesehen“, kommentierte SC-Trainer Konrad die Situation.
Drei weitere Treffer in der Schlussphase
In der Schlussphase waren dann zunächst wieder die Gastgeberinnen das gefährlichere Team. Zunächst wehrte Anna Reimann nach einem Werder-Konter mit einer starken Parade gegen die eingewechselte Mei Shimada ab. Zwei Minuten später war die 17-jährige Torhüterin aber ein weiteres Mal machtlos, als erneut Gutmann nach einer Ecke per Kopf zum 4:1 für Bremen traf (85.).
Für die SC-Frauen war dies aber kein Grund, sich bereits geschlagen zu geben. Mit zwei späten Treffern kam der Sport-Club wieder heran. Auf Zuspiel von Maj Schneider erzielte Vobian aus 13 Meter mit einem Schuss in den linken Winkel ihr zweites Tor (90.). Und in der Nachspielzeit verkürzte Seghir nach einer Hereingabe von Açıkgöz mit einem Kopfball und ihrem ersten Bundesligator weiter (90.+3). Trotz dieser Aufholjagd musste sich der Sport-Club an der Weser am Ende knapp und zum vierten Mal in dieser Saison geschlagen geben.
„Man hat in der zweiten Halbzeit gesehen, dass wir trotz der vielen Ausfälle eine richtig gute Mannschaft haben und das nehmen wir mit“, betonte Marco Konrad. Am kommenden Wochenende geht es für die SC-Frauen nicht um Punkte, sondern um das Weiterkommen im DFB-Pokal. Im Achtelfinale erwartet der SC Freiburg am Sonntag, den 1. November, den Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena. Spielbeginn im Dreisamstadion ist um 14 Uhr. Das nächste Bundesliga-Heimspiel folgt am Samstag, 7. November (12 Uhr), gegen den 1. FC Nürnberg.
Dirk Rohde
Foto: Mario Hommes (DeFodi Images)
Stenogramm
| SV Werder Bremen: Fischer – Weiß (77. Dhont), Ulbrich, Gutmann, Ziemiewicz – Hipp, Wirtz (86. Mühlemann) – Purtscheller (77. Shimada), Vanzeir (77. Sträßer), Jaron (67. T. Mahmoud) – Desic | |
| Trainerin: Friederike Kromp | |
| Bank: Farwick (Tor), Gmeineder, Penner | |
| SC Freiburg: Reimann – Karl, Maas, Ojukwu, Kolb (90.+1 Simmen) – Arfaoui (46. Vobian), Schneider, I. Açıkgöz, Bienz (61. Seghir) – Brunold (90.+1 Scherer), Birkholz (69. Vincze) | |
| Trainer: Marco Konrad | |
| Bank: Barth (Tor), Ihme, Jansen | |
| Tore: 1:0 Purtscheller (12.), 2:0 Gutmann (30.), 3:0 Jaron (35.), 3:1 Vobian (51.), 4:1 Gutmann (85.), 4:2 Vobian (90.), 4:3 Seghir (90.+3) | |
| Gelbe Karten: Gutmann, Wirtz, Hipp, Dhont – Kolb, Maas | |
| Gelb-Rote Karten: | |
| Rote Karten: | |
| Schiedsrichterin: Sina Diekmann (Dortmund) | |
| Zuschauer/innen: 1.572 |
