Sprung vom Spielfeld ins Büro
Hasret Kayikci hat zum Ende der vergangenen Saison als SC-Rekordspielerin ihre Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Seit einem halben Jahr arbeitet die 34-Jährige nun hinter den Kulissen – und gibt einen Einblick in ihren Bereich Management und Scouting.
Hasret, ein halbes Jahr ist mittlerweile vergangenen, in dem du keinen Ball mehr am Fuß hattest. Wie fühlt es sich als Fußball-Rentnerin an?
Hasret Kayikci: Tatsächlich sehr gut. Ich habe einfach gemerkt, dass es an der Zeit war, dieses Kapitel zu beenden. Mein letzter Kreuzbandriss und die Erfahrungen aus den vergangenen Verletzungen haben da sicherlich auch eine große Rolle gespielt. Dadurch, dass ich schon als Kapitänin einige Themen außerhalb des Platzes betreut habe, war es für mich kein so extremer Cut. Vielmehr ist es schön, jetzt auch intensiver diese Themen bearbeiten zu können. Ich glaube, dass mir der Sprung vom Spielfeld ins Büro ganz gut gelungen ist.
Tut es dir denn nicht weh, wenn du bei Partien wie dem Jubiläumsspiel nicht auf dem Platz stehen kannst?
Kayikci: So etwas tut natürlich immer weh. Aber man sollte die Vergangenheit auch in der Vergangenheit lassen. Ich wollte diesen Schritt gehen und bin absolut fein damit. Ich habe jeden Moment auf dem Spielfeld genossen. Der Fußball hat mir immer viel gegeben. Aber jetzt kann ich neue Dinge angehen und gemeinsam mit dem Verein vorantreiben.
Als Kapitänin hast du ja schon einige Einblicke hinter die Kulissen bekommen. Die dürften sich ja jetzt nochmal deutlich verstärkt haben?
Kayikci: Als Spielerin war ich natürlich noch nicht so in alle Details involviert. Da habe ich jetzt viel mehr Einsichten. Aber ich kenne den Verein und die Abteilung schon so lange, dass ich natürlich grundlegend wusste, was auf mich zukommt. Jetzt das Große und Ganze zu sehen und gemeinsam an Zielen zu arbeiten, ist auf jeden Fall eine sehr spannende Aufgabe.
Wie sieht denn dein Aufgabengebiet aus?
Kayikci: Wir haben in den vergangenen Monaten begonnen, unser Scouting professionell aufzuziehen. Dafür mussten gewisse Strukturen geschaffen und Kommunikationswege definiert werden. Hierbei bin ich stets in engem Austausch mit unserer Bereichsleiterin Birgit Bauer-Schick und unserem Sportlichen Leiter André Malinowski. Wir haben beispielsweise auch damit begonnen, Daten für unser Kadermanagement zu zentralisieren.
Management ist ebenfalls ein gutes Stichwort…
Kayikci: In diesem Bereich versuche ich, Birgit und André hinsichtlich strategischen Themen für die Zukunft zu beraten. Als ehemalige Spielerin bringe ich natürlich nochmal eine andere Sichtweise mit, die die bisherigen Prozesse gut ergänzt. Auch hier sind wir in regelmäßigem Austausch, weil sich der Frauenfußball und die deutsche Bundesliga schnell entwickeln.
Wie kann man sich Scouting bei den SC-Frauen vorstellen?
Kayikci: Es ist kein Geheimnis, dass wir seit Jahren auf gute Nachwuchsarbeit setzen. Das hat sich nicht geändert und wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Für uns ist es wichtig, bereits in der Jugend gut zu arbeiten, Talente zu entdecken und sie professionell zu fördern. Da haben wir in den vergangenen Jahren schon sehr gute Arbeit geleistet und wollen daran auch in Zukunft anknüpfen. Auch jetzt sehe ich wieder einige spannende Nachwuchsspielerinnen. Hier geht es dann vor allem um die Fragen: Wann ist eine Spielerin interessant für die erste Mannschaft? Wann integrieren wir sie ins Training vom Bundesliga-Kader? Und wann ziehen wir sie schlussendlich fix in den Kader hoch? In unserer Kaderplanung spielt unsere Jugend immer eine zentrale Rolle. Wir verstärken uns extern mit jungen Talenten nur, wenn wir genau diese Spielerin nicht in unseren eigenen Reihen haben. Mit unserem Verbindungstrainer Sandrino Braun-Schumacher haben wir jemanden, der einen sehr guten Blick auf genau diese Schnittstelle zwischen Jugend und erster Mannschaft hat.
Ein aktuelles Beispiel für diesen Weg ist Mia-Lena Maas.
Kayikci: Genau. Wir haben sie schon in der vergangenen Saison immer wieder in unser Training integriert, als sie U20-Spielerin war. Seit dieser Saison ist sie nun fester Bestandteil des Bundesliga-Kaders. Im Laufe der Saison haben wir ihr immer wieder Einsatzzeiten gegeben, mittlerweile startet sie auch regelmäßig von Beginn an. Das ist der Freiburger Weg, für den wir stehen: ein ruhiges Umfeld, viele Chancen und Zeit, sich beweisen zu können.
Was muss eine Spielerin mit sich bringen, damit sie für dich interessant ist?
Kayikci: Ich bin großer Fan davon, wenn ich Spielerinnen sehe, die sich clever auf dem Feld bewegen und die Partie gut lesen können. Insgesamt geht es aber auch hier in erster Linie um die gesamte Mannschaft: Wir benötigen junge, hungrige Talente, aber auch erfahrene Spielerinnen, die die Liga kennen. Wenn ich eine Spielerin anschaue, interessiert mich vor allem ihr Impact auf das Spiel.
Derzeit absolvierst du auch die DFB-Fortbildung „Management im Profifußball“.
Kayikci: Für mich ist das eine große Chance, weil ich auf ein ganz buntes Teilnehmerfeld aus dem Männer- und Frauenfußball treffe. Das ist sehr hilfreich, um das eigene Netzwerk auszubauen und Erfahrungen von anderen Vereinen mitzubekommen. Inhaltlich geht es um vielfältige Themen rund um die Vereinsführung – sowohl in Präsenzphasen als auch in Online-Schulungen mit unterschiedlichsten Speakern.
Mit welchem Anspruch blickst du in die Zukunft?
Kayikci: Wir haben in den vergangenen Jahren einen richtig guten Weg eingeschlagen. Mit dem Dreisamstadion und den derzeitigen Umbaumaßnahmen für unsere Jugendteams haben wir einen professionellen Standort. Jetzt geht es darum, diesen Weg auch konsequent weiterzugehen und sich nicht auf dieser Entwicklung auszuruhen. Der Frauenfußball geht derzeit große Schritte. Die wollen und müssen wir mitgehen, um weiterhin eine gute Rolle in der Liga spielen zu können.
Interview: Niklas Batsch
Foto: Arne Amberg

