„Ein tolles Gefühl, Dinge voranzutreiben“
Sandrino Braun-Schumacher (37) durchlief von 2000 bis 2009 die SC-Junioren und kehrte 2019 zurück in die zweite Mannschaft. Nach seinem Karriereende 2024 rückte er ins Trainerteam der SC-Frauen auf – und spricht im Interview über seine aktive Zeit, seinen neuen Job und seinen Coachingstil.
Sandrino, du hast 108 Spiele für die zweite Mannschaft des Sport-Club – 56 davon in der 3. Liga – absolviert. Was verbindet dich mit dem SC?
Ich habe in Offenburg das Fußballspielen gelernt, bin dann in der C-Jugend zum Sport-Club gekommen und habe hier den ganzen Nachwuchs durchlaufen. Damals wurde ich von SC-Minibussen am Offenburger Ei abgeholt, heute fahren die ja immer noch. Daher würde ich schon sagen, dass ich die SC-DNA in mir trage.
Zwischendurch warst du auch beim SC Pfullendorf, den Stuttgarter Kickers und Preußen Münster. Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, worauf bist du besonders stolz und was hast du aus deiner aktiven Zeit mitgenommen?
Ich durfte bei allen meinen Stationen immer einige Jahre bleiben. Ich bin eh ein großer Fan davon, über einen längeren Zeitraum an einem Standort zu sein. Dadurch sind auch viele Freundschaften entstanden, die mir viel gegeben haben. Bei allen meinen Vereinen konnte ich einiges mitnehmen und erleben – sei es das A-Jugend-Pokalfinale unter Christian Streich, mein Drittliga-Debüt bei den Kickers oder nach meiner Rückkehr zur U23 der Aufstieg in die 3. Liga. Das war schon herrlich.
Im Sommer 2024 hast du als Kapitän der Freiburger Zweitvertretung deine Karriere beendet. Wie schwer oder auch leicht ist dir diese Entscheidung gefallen?
Das war auf jeden Fall eine schwere Entscheidung. Einer meiner Trainer hat immer gesagt: „Genießt es, so lange es geht.“ Schlussendlich habe ich meine Leidenschaft aufgegeben. Umso froher bin ich, wenn ich heute mal bei einer Übung mit den Mädels aktiv mitmachen kann (lacht). Nichtsdestotrotz war ich fein mit der Entscheidung, zumal sich in jenem Jahr auch direkt eine neue Option ergeben hat. Was bis heute weh tut, ist die Tatsache, mit einem Abstieg die Karriere beendet zu haben. Im Jahr davor wurden wir mit der U23 noch Zweiter, hätten am letzten Spieltag sogar noch Meister werden können.
Hättest du gedacht, dass du dem Fußball ohne Pause fortgehend treu bleiben würdest?
Mir war klar, dass ich auch nach meiner aktiven Zeit weiterhin im Fußball-Business bleiben will. Dass ich dann die Option bei den SC-Frauen bekommen habe, war ein absoluter Glücksfall. Ehrlicherweise hatte ich mit dem Frauenfußball zu Beginn nur wenig zu tun und wusste auch nicht, ob ich hierhin passe. Umso glücklicher bin ich derzeit und habe sehr viel Spaß an meiner Arbeit. Es ist ein tolles Gefühl, Dinge vorantreiben zu können und Fortschritte zu sehen.
Du hast bei uns als Verbindungstrainer begonnen. Was ist das eigentlich?
Als Verbindungstrainer war ich die Person zwischen zwei Welten – zwischen der Bundesliga-Mannschaft und unserer U20. Da ging es vor allem darum, viele spannende Talente eng zu begleiten und zu fördern. Ich habe mit den Spielerinnen, die zwischen erster und zweiter Mannschaft gependelt sind, Videoanalysen gemacht, Trainingsinhalte abgestimmt und versucht, sie bestmöglich an den Bundesliga-Kader heranzuführen – mit dem Ziel, dass sie vielleicht irgendwann einmal in der ersten Liga ankommen.
Ähnlich wie Julian Schuster noch vor ein paar Jahren…
Das stimmt. Als ich zur U23 zurückgekehrt bin, war Julian Verbindungstrainer zwischen uns und den Profis. Das habe ich damals hautnah miterlebt: Diese Freude, wenn du als junger Wilder dann in Länderspielpausen ins Bundesliga-Training kommen und mit den Profis mittrainieren durftest. Für junge Spieler wie Noah Atubolu, Philipp Treu oder Max Rosenfelder war das ein Highlight. Jetzt spielen sie Bundesliga. Und bei uns in der Frauenabteilung leben wir das genauso.
Nach dem Wechsel von Co-Trainer Nico Schneck zum VfB Stuttgart bist du nun Co-Trainer der Bundesliga-Mannschaft.
Ich war auch schon in der vergangenen Saison immer nah dran an unserer Mannschaft und in engem Austausch mit dem Trainerteam. Ich habe auch viele Einheiten bei uns am Dreisamstadion mitgeleitet. Jetzt haben sich die Aufgaben ein bisschen verschoben, ich habe noch mehr Verantwortung rund um die erste Mannschaft und die Spielvor- und -nachbereitung übernommen. An meinen Aufgaben und dem Konzept, junge Spielerinnen an die Bundesliga heranzuführen, hat sich aber nichts geändert.
Was hast du aus deiner Zeit in der Fußballschule mitgenommen, was du nun auch hier auf den Platz bringen kannst?
Unter Christian Streich und Thomas Stamm habe ich wahnsinnig viel gelernt. Gerade in den vergangenen Jahren unter Thomas habe ich versucht, alles aufzusaugen. Als Kapitän und erfahrener Spieler hatte ich zu dieser Zeit auch nochmal einen anderen Blickwinkel auf den Fußball. Thomas hat wahnsinnig akribisch und detailliert gearbeitet, das hat mich beeindruckt und das versuche ich nun, in meiner neuen Rolle weiterzugeben. Jede Passform hatte damals schon einen gewissen Hintergedanken, der für die weiteren Übungen und den Spieltag relevant war. Dieses Detailverliebte und die intensive Arbeit auf dem Platz haben mich geprägt.
Du kennst sowohl die Spieler- als auch die Trainerperspektive. Inwieweit hilft dir das bei deiner tagtäglichen Arbeit?
Dadurch, dass mein Karriereende noch nicht allzu lange her ist, fällt es mir natürlich noch recht leicht, mich in die Spielersicht hineinzuversetzen. Gerade als junger Spieler hast du nicht immer alles hinterfragt. Aber als Trainer willst du immer nur das Beste für deine Mannschaft. Wichtig ist für mich, klar zu kommunizieren, auch mal offen zu kritisieren und zu fordern, vor allem aber empathisch aufzutreten. Ich bin auch noch ein junger Trainer, der recht neu in dieser Position ist und täglich dazulernen will. Das beschreibt mich aber sowohl als Spieler als auch als Trainer gut: Ich will immer hungrig sein.
Worauf legst du jetzt als Coach Wert?
Mir war es schon immer wichtig – auch als Spieler – mit vollem Fokus und Leidenschaft auf den Platz zu gehen, egal ob im Training oder im Spiel. Und generell bin ich auch jemand, der gerne Fußball spielt und den Ball nicht einfach nur weit nach vorne bolzt. Ich versuche, meine Erfahrungen an die Spielerinnen weiterzugeben – oftmals Kleinigkeiten, weil schon banale Details wie Positionierung und Andribbeln einen Unterschied machen können.
Welche Parallelen – oder auch Unterschiede – konntest du bislang zwischen Frauen- und Männerfußball feststellen?
Ich habe es zu Beginn schon gesagt und es ist kein Geheimnis: Vor zwei Jahren hatte ich einfach noch wenig Berührungspunkte mit dem Frauenfußball, habe mich dann aber immer mehr reingefuchst. Am Ende ist es eigentlich ganz simpel: Fußball ist Fußball. Egal, wer ihn spielt. Für mich gibt es nur einen klaren Unterschied und auch der ist mittlerweile kein Geheimnis: Körperlich sind die Jungs und Männer den Mädels und Frauen voraus. Das ist einfach genetisch so. Über alles andere müssen wir nicht mehr sprechen: Der Frauenfußball ist taktisch und technisch einfach gut geworden, das sehe ich jeden Tag im Training. Ich hoffe, dass diese positive Entwicklung weitergeht, weil der Fußball definitiv ansehnlich ist und Spaß macht.
Interview: Niklas Batsch
Foto: SC Freiburg
