Große Moral, keine Punkte
Die SC-Frauen unterliegen im letzten Heimspiel der Saison dem VfL Wolfsburg mit 2:4 (1:2). Selina Vobian brachte den Sport-Club zunächst in Führung, Alena Bienz sorgte für den zwischenzeitlichen Anschluss.
Der Wettergott zeigte sich zum Heimabschluss der Freiburger Bundesliga-Frauen nochmal gnädig: Rund 25 Grad, strahlender Sonnenschein und blauer Himmel wartete auf 5.770 Zuschauerinnen und Zuschauer im Dreisamstadion. Aber nicht nur das, schon vor Anpfiff vergnügten sich Klein und Groß vor der Südtribüne bei mehreren Aktionsständen, einer Autogrammstunde mit Tessa Blumenberg und Laura Benkarth oder bei der Besichtigung des SC-Mannschaftsbusses.
„Es war eine tolle Kulisse, wie wir sie immer im Dreisamstadion haben. Das macht etwas mit einem, das merkt auch das Team unten auf dem Platz“, sagt SC-Coach Edmond Kapllani. „Wir sind gut reingekommen, haben dann aber nach und nach ein wenig die Kontrolle verloren.“
Nicht nur abseits des Rasens war einiges geboten, sondern auch gleich zu Beginn der Partie auf dem satten Grün. Dort schickte der SC-Trainer eine leicht veränderte Formation aufs Feld: In der Innenverteidigung ersetzte Julia Stierli Ingibjörg Sigurðardóttir, auf der rechten Abwehrseite durfte Greta Stegemann in ihrem letzten Heimspiel im SC-Dress anstelle von Zoe Schick starten. Ins Mittelfeld rotierten Maj Schneider und Selina Vobian, dafür nahm Sophie Nachtigall auf der Bank Platz, Luca Birkholz musste mit muskulären Beschwerden passen. Ebenfalls fielen Nia Szenk (muskuläre Probleme), Tessa Blumenberg (Reha), Laura Benkarth (schwanger) und Ally Gudorf (persönliche Gründe) aus.
Vobian bringt den SC früh in Führung
Die Freiburgerinnen starteten schwungvoll in die Partie und nutzten bereits nach fünf Minuten einen Fehler der Wolfsburger Hintermannschaft zum frühen Führungstreffer aus: Einen zu unpräzisen Rückpass von Justine Kielland erlief Selina Vobian und schob überlegt zum 1:0 für den Sport-Club ein (5.).
Der Jubel auf den Rängen war groß, doch davon ließen sich die Gäste aus Niedersachsen nicht beeindrucken. Gerade in der ersten Halbzeit tat sich der Sport-Club schwer, sich aus dem Pressing und Druck der Wölfinnen zu befreien. Phasenweise schnürten die Gäste die SC-Frauen tief in der eigenen Hälfte ein, dennoch verteidigten die Freiburgerinnen leidenschaftlich und verhinderten viele Torannäherungen.
Nach 13 Minuten verzog zunächst Vivien Endemann knapp, in Minute 23 hielt SC-Keeperin Rebecca Adamczyk stark im Eins-gegen-Eins-Duell gegen Ex-Freiburgerin Janina Minge. Auch der zweite Abschluss von Lineth Beerensteyn konnte die SC-Defensive blocken. Machtlos war die Freiburger Schlussfrau dann beim 1:1-Ausgleich nach 33 Minuten. Nach einem Freistoß von Svenja Huth stieg Camilla Küver zwischen Lisa Karl und Julia Stierli höher zum Ball und köpfte für die Wölfinnen ein.
Karl verpasst, Wolfsburg dreht das Spiel
Kurz vor der Pause setzte der Sport-Club aber nochmal ein Ausrufezeichen: Svenja Fölmli, die im Sommer zur TSG Hoffenheim wechseln wird, tankte sich bis in den gegnerischen Strafraum durch und bediente per Hacke die mitgelaufene Lisa Karl. Der Abschluss der Kapitänin war dann aber zu zentral und kein Problem für VfL-Keeperin Stina Johannes.
Fast im Gegenzug bestraften die Wolfsburgerinnen allerdings die SC-Frauen für ihre nicht genutzte Großchance: Wieder war es Huth, die einen ruhenden Ball – dieses Mal nach Ecke – in den Strafraum brachte. Der SC konnte zunächst klären, die zweite Hereingabe von Sarai Linder landete dann aber auf dem Kopf von Lena Lattwein – und von dort erneut in den Maschen (45.+4).
„Das war für uns bitter, zeigt aber auch nochmal, wie abgeklärt und effizient Wolfsburg auftritt. Wir haben ihnen nicht so viele konkrete Chancen geboten, hatten selbst die Möglichkeit, vor der Pause nochmal in Führung zu gehen“, so Kapllani. „Stattdessen liegst du ein paar Minuten später zurück. Das ist bitter und tut weh.“
Der VfL erhöht, Bienz mit dem Anschluss
Die 2:1-Halbzeitführung für den VfL war zwar nicht unverdient, fühlte sich für alle, die es mit dem Sport-Club hielten, dennoch sehr ärgerlich an. Doch wie schon im ersten Durchgang zeigten sich die SC-Frauen auch nach Wiederanpfiff in den ersten Minuten brandgefährlich: Lisa Kolb brachte nur Sekunden nach dem Start in Halbzeit zwei einen guten Flankenball in den Strafraum, den Fölmli knapp verpasste (46.).
In der Folge egalisierten sich beide Teams, ehe Adamczyk, die sich zur kommenden Saison dem 1. FC Nürnberg anschließen wird, ein drittes Mal hinter sich greifen musste: Ein Abschluss von Linder (61.) an der Strafraumkante rutschte an der Freiburger Schlussfrau zum zwischenzeitlichen 1:3 vorbei.
Lange Zeit zum Ärgern ließ sich das Team von Edmond Kapllani aber nicht: Die SC-Frauen schüttelten sich kurz und zeigten große Moral. Maj Schneider schickte die eingewechselte Sophie Nachtigall in den rechten Halbraum. Dort setzte sich die Freiburgerin gegen Küver elegant durch und legte mit gutem Auge in den Rückraum auf Alena Bienz ab. Der Schuss der Schweizerin fand mit Hilfe des linken Innenpfostens den Weg ins Tor (63.) – und plötzlich war der Sport-Club wieder zurück im Spiel.
Vorentscheidung in Freiburger Drangphase
In der Folge drückte und drängte der SC, wie es zuvor die Wölfinnen getan hatte. Für Bienz und Karl ergaben sich weitere Abschlussgelegenheiten, auch die eingewechselte Leela Egli verpasste nach einem Eckball (72.).
Doch dann kam erneut der VfL: Wieder war es ein Standard, der die Wölfinnen zum Torerfolg brachte: Zunächst köpfte Minge an den Querbalken, ehe Ella Peddemors im zweiten Versuch auf 2:4 stellte (76.). Die Messe war gelesen, dennoch versuchten die Freiburgerinnen auch in der Schlussphase noch einmal alles, um vors VfL-Tor zu kommen. Doch es sollte bei der 2:4-Niederlage bleiben.
„Trotz der Niederlage muss ich meiner Mannschaft ein Kompliment aussprechen: Sie haben großen Willen gezeigt und haben alles reingeworfen. Am Ende hat die Qualität und Reife Wolfsburgs gesiegt“, sagte Kapllani nach Spielschluss.
Damit verabschieden sich die SC-Frauen zwar noch nicht in die Sommerpause – am kommenden Sonntag, 17. Mai, ist das Team noch auswärts bei der SGS Essen gefordert –, dennoch hieß es vorläufig Abschiednehmen vom Dreisamstadion – und von fünf Spielerinnen: Neben Fölmli und Adamczyk verlassen auch Greta Stegemann und Sarah-Lisa Dübel den Verein, Ally Gudorf beendet ihre aktive Fußballkarriere. Sie alle wurden nach Schlusspfiff genauso wie Mannschaftsarzt Markus Siegel von Bereichsleiterin Birgit Bauer-Schick und den lautstarken SC-Fans verabschiedet.
Niklas Batsch
Foto: Achim Keller
Stenogramm
| SC Freiburg: Adamczyk – Stegemann, Axtmann (78. Maas), Stierli, Karl – Kolb (78. Schick), Schneider (78. Ojukwu), Felde, Bienz (64. Egli), Vobian – Fölmli (54. Nachtigall) | |
| Trainer: Edmond Kapllani | |
| Bank: Dübel, Sigurðardóttir, Scherer | |
| VfL Wolfsburg: Johannes – Linder (62. Bjelde), Kleinherne (86. Kleinherne), Küver, Levels (86. Pujols) – Kielland (62. Peddemors), Minge – Huth, Lattwein, Endemann (73. Zicai) – Beerensteyn | |
| Trainer: Stephan Lerch | |
| Bank: Smolarczyk, Bergsvand, Vallotto, Popp | |
| Tore: 1:0 Vobian (5.), 1:1 Küver (33.), 1:2 Lattwein (45.+4), 1:3 Linder (61.), 2:3 Bienz (63.), 2:4 Peddemors (76.) | |
| Gelbe Karten: – / Zicai, Kleinherne | |
| Gelb-Rote Karten: – | |
| Rote Karten: – | |
| Schiedsrichterin: Sina Diekmann | |
| Zuschauer/innen: 5.770 |
