Die Vielmöglichmacher

Nachhaltigkeit
08.01.2026

Als Bindeglied zwischen Verein und Fans wollen die Fanbeauftragten des SC Freiburg das Ausleben von Fankultur ermöglichen, müssen zugleich aber auch gewährleisten, dass gewisse Rahmenbedingungen eingehalten werden. Nicht immer leicht, und doch gelingt den mittlerweile vier hauptamtlichen Fanbeauftragten der Spagat jede Woche aufs Neue. Über eine langjährige Erfolgsgeschichte, die das Ausleben der Vereins- und Fankultur nachhaltig gefördert hat.

Die neuen Decken sind der Hammer. Manche sagen auch Teppich dazu. Wie auch immer: Hauptsache warm. Die Decken können die Mitfahrer/innen des SC-Mobils heute, an einem Spieltag mitten im Winter, jedenfalls besonders gut gebrauchen, weil die Temperaturen knapp unter null Grad Celsius liegen und der Fahrtwind in der offenen E-Kutsche sein Übriges tut.

„Der Service ist genial“, sagt Angelika Schindler, eine 64-jährige SC-Anhängerin, die „nicht mehr gut zu Fuß“ ist, wie sie selbst sagt, daher die Mitfahrgelegenheit über die 700 Meter gerne annimmt. Ohne das SC-Mobil, sagt die Waldkircherin, würde sie wohl nicht mehr ins Stadion kommen können. „Und dass es jetzt auch noch warme Decken gibt: Das ist der Hammer.“

Das SC-Mobil: ein tolles Angebot

Seit dem Umzug ins Europa-Park Stadion verkehrt das SC-Mobil an jedem Heimspieltag des SC Freiburg (seit Anfang des Jahres inklusive flauschiger Decken). Die Idee kam damals aus der Fanbetreuung: ein Fahrservice, um auch geheingeschränkten SC-Fans einen Stadionbesuch zu ermöglichen. Anfänglich noch zurückhaltend beäugt, wird das SC-Mobil heute rege in Anspruch genommen: Rund 30 SC-Fans, verteilt auf mehrere Fahrten, sitzen an einem Heimspieltag auf, fahren von der Haltestelle „Europa-Park Stadion“ bis zur Osttribüne und nach dem Abpfiff wieder zurück. „Wir freuen uns, dass wir ein tolles Angebot schaffen konnten – und die Fans es auch annehmen“, sagt Sina Wochner.

Sina Wochner ist seit dem Frühjahr 2023 Teil der hauptamtlichen SC-Fanbetreuung. Aktuell dienstälteste Fanbeauftragte im Team ist Sabrina Tröller. Andreas Wehrle und Sina Wochner kamen nach dem Umzug ins neue Stadion zum Team hinzu, das Anfang des Jahres 2025 nach der Verpflichtung von Tilman Buggle auf vier Personen angewachsen ist. Vier hauptamtliche Fanbeauftragte – eine stattliche Zahl. „Aber die braucht’s auch“, sagt Sina Wochner.

Von 80 zu 130 SC-Fanclubs

Man muss sich nur mal die Entwicklung der vergangenen Jahre angucken. Als Sabrina Tröller vor fast acht Jahren ihre Tätigkeit als Fanbeauftragte beim Sport-Club aufnahm, gab es rund 80 Fanclubs mit circa 2500 Mitgliedern. Heute sind es mehr als 130 SC-Fanclubs mit insgesamt über 5000 Fanclub-Mitgliedern. Auch die Ultragruppierungen und die Supporters Crew, eine Interessensgemeinschaft von aktiven Fans, sind um ein Vielfaches gewachsen. Die Mitgliederzahlen des SC Freiburg gehen gegen 80.000.

„Wir stehen jede Woche mit vielen SC-Fans in Kontakt“, beschreibt Sabrina Tröller eine der Hauptaufgaben der Fanbetreuung. „Und das nicht nur bei den Spielen der Profis im Europa-Park Stadion. Auch bei den Frauen und der U23 im Dreisamstadion – auch dort ist die Fanszene gewachsen.“

Allein die Bearbeitung aller eingehenden E-Mails nimmt viel Zeit in Anspruch, sagt Andreas Wehrle, der diese Aufgabe häufig übernimmt. Wo es im Umlauf vegane Würstchen und ob es die leckeren Käseknacker auch außerhalb des Stadions zu kaufen gebe. Außerhalb dieser kulinarischen Anfragen (die Antworten lauten übrigens: „auf Ost“ und „nein, Käseknacker gibt es nur im Stadion“) melden sich auch viele Besucher, die zum ersten Mal ins Stadion kommen: Von Familien, die wissen wollen, ob man Kinderwagen zwischenlagern kann. Von Menschen mit Behinderung, die sich über barrierefreie Zugänge informieren möchten. Und natürlich von der aktiven Fanszene – vor allem, wenn eine Choreo im Stadion geplant ist.

Bindeglieder zwischen Fans und Verein

Kleiner Ortswechsel, rüber ins Dreisamstadion. An einem ebenfalls eiskalten Februartag wuseln zehn Fans inklusive Fanbeauftragter Andreas Wehrle über die Nordtribüne. Man hört Gaffa-Tape reißen, Kabelbinder ratschen, dazwischen die Anweisungen von Frank Krauth: „Noch ein Stück höher. Weiter rechts. So passt‘s.“

Krauth hat sich eine Choreo für den Rückrundenauftakt der SC-Frauen ausgedacht. Drei Banner werden über die gesamte Tribünenbreite gespannt. Die Mitglieder des SC-Frauen-Fanclubs „Rote Füchse“ helfen dabei, lupfen, kleben, binden. Frank Krauth ist zufrieden. Auch Peter Geisert, Mitgründer der „Roten Füchse“ – nicht nur mit der Aktion im Stadion, sondern allgemein mit der Zusammenarbeit mit den Fanbeauftragten des SC Freiburg.

Möglichst vielen alles recht machen“

Jede Choreo – sowohl im Europa-Park Stadion als auch im Dreisamstadion – muss beim Verein angemeldet und letztlich auch genehmigt werden. Da geht es auch um die Inhalte, vor allem aber um Brandschutzauflagen. „Die Fanbeauftragten sind sehr kooperativ, hören uns zu, sind engagiert und versuchen immer alles möglich zu machen“, sagt Peter Geistert. Und spricht damit den Hauptwunsch vieler Fans und gleichzeitig eine der größten Herausforderungen für die Fanbeauftragten des SC Freiburg an: möglichst viel möglich und möglichst vielen Fans alles recht zu machen.

„Das“, sagt Andreas Wehrle, „haut nicht immer hin.“

Fanbeauftragte fungieren als Bindeglieder, sie müssen Positionen des Vereins übermitteln und umsetzen, auf der anderen Seite aber natürlich auch auf die Belange der Fans eingehen, also sozusagen das „Ausleben von Fankultur ermöglichen“, wie Sabrina Tröller es nennt. Sie wollen ein Stadionerlebnis für alle ermöglichen, müssen zugleich aber auch mal Spielverderber sein, wenn etwa Teile einer Choreo nicht genehmigt werden können (beispielsweise sind Luftballons im Europa-Park Stadion aufgrund der Nähe zum angrenzenden Flugplatz nicht erlaubt).

Fanbeauftragte sind auch Blitzableiter

Fanbeauftragte sind „Vielmöglichmacher“, zugleich aber auch Blitzableiter, wenn etwas aus Fansicht nicht wie gewünscht läuft, wenn etwa aufgrund des Fehlverhaltens weniger Fans eine Sektorentrennung zwischen Ost und Süd angeordnet wird, wie beim Spiel gegen Kiel in der vergangenen Saison. „Da kriegen wir dann den ganzen Frust ab“, sagt Sabrina Tröller. „Was da hilft: Kommunikation.“

Man müsse nah an den Fans sein, sagt Sabrina Tröller, auch, um Vertrauen aufzubauen. Und zuhören können. Viele Fans kämen mit konkreten Anliegen auf die Fanbeauftragten zu, erzählt Tröller. Sie denke dabei etwa an die Gestaltung des Umlaufs im Europa-Park Stadion oder an die Anregungen zum Thema Schutzkonzept im Stadion (dazu gleich noch mehr). „Dieses Miteinander, der Austausch, das hilft den Fans, letztlich dem gesamten Verein, um ein noch schöneres Stadionerlebnis für alle zu ermöglichen“, sagt Sabrina Tröller.

Nachhaltiges Optimieren

Das enge Miteinander von Verein und Fans (auch über die Fanbeauftragten als Bindeglieder) erlebt man etwa auch im Fanbeirat, den es seit mehr als zwei Jahren gibt. Vertreterinnen und Vertreter von Fanclubs und der aktiven Fanszene sowie die Fanbeauftragten sowie Gremienmitglieder und Mitarbeitende des Vereins kommen mehrmals im Jahr zusammen, um Verbesserungsvorschläge einzubringen, Kritik loszuwerden, über vereins- und sportpolitische Themen zu diskutieren, kurz: um den Verein gemeinsam – in kleinen und großen Schritten – nachhaltig weiterzubringen. „Dafür braucht es einen regelmäßigen und konstruktiven Austausch zwischen Fans und Vereinsvertretern“, sagt Andreas Wehrle. Nur so, sagt er, komme man voran.

Optimieren könnte man dazu auch sagen. Das zumindest ist der Anspruch der Fanbeauftragten. Sina Wochner etwa hat sich dem SC-Mobil-Projekt angenommen. So kam es nach und nach auch zu den Decken, weil die Mitfahrenden im Winter frösteln. Oder zu den Klappstühlen am Abfahrtsort, weil die Wartezeit in die Beine geht. Oder zu den Platzkarten, damit die Wartenden wissen, wer als nächstes auf dem sechssitzigen Gefährt platznehmen darf.

Vom Fan-Talk bis zu Mitgliederforen

Auch an anderen Stellen setzen sich die Fanbeauftragten aktiv ein. Sie haben etwa einen Fan-Talk Frauenfußball ins Leben gerufen, bei dem Fans mit Vertreterinnen und Vertretern der Frauen- und Mädchenabteilung zusammenfinden. Nachdem dieses Angebot während der Corona-Pandemie ein wenig eingeschlafen war, wurde es Anfang des Jahres wiederbelebt und soll künftig im besten Fall wieder halbjährlich stattfinden.

Auch die seit 2022 regelmäßig stattfinden Mitgliederforen, an denen SC-Mitglieder zusammenkommen, um sich mit Vereinsvertretern über vereinsaktuelle Themen auszutauschen, unterstützen die Fanbeauftragten tatkräftig. Hinzu kommt die Organisation von Fanfesten, von Begegnungsmöglichkeiten zwischen Fans und Spielerinnen und Spielern, von Auswärtsfahrten inklusiver Fanclubs und vielem mehr. 

Kleinere Maßnahmen und größere Projekte

Mal sind es (vermeintlich) kleinere Maßnahmen, die die Fanbeauftragten anregen oder umsetzen: etwa Hygieneartikelspender oder ein Wickeltisch in den Stadiontoiletten. Mal sind es größere Projekte: darunter das Schutzkonzept „Fuchsbau“.

Zur Saison 2023/24 wurde das Konzept gegen sexualisierte Gewalt umgesetzt, zunächst in einer einjährigen Pilotphase im Europa-Park Stadion (mittlerweile ist das Konzept „Fuchsbau“ fest etabliert, auch bei Spielen der SC-Frauen und der U23 im Dreisamstadion). Die Idee dahinter ist, Betroffenen von sexualisierter Gewalt im Stadion schnell Schutz und Sicherheit bieten zu können. Konkret können Betroffene im Stadion jeden SC-Mitarbeitenden ansprechen, das Codewort „Fuchsbau“ nennen, um in der Folge schnelle und niederschwellige Hilfe zu erhalten. Alle SC-Mitarbeitenden wurden geschult und sind in der Lage, Betroffene an das Team Fuchsbau zu vermitteln.

Bis zu 20.000 Schritte pro Heimspieltag

Eine der häufigsten Fehleinschätzungen zur Arbeit der Fanbeauftragten sei es, dass diese während des Spiels entspannt von der Tribüne zuschauen würden, so Tilman Buggle. Das Gegenteil ist der Fall: Bis zu 20.000 Schritte geht ein Fanbeauftragter während eines SC-Spieltags. Bei Auswärtsfahrten können es noch mal mehr sein. Mindestens zwei Fanbeauftragte begleiten alle Auswärtsspiele, sind auch dort als Ansprechpersonen und Unterstützung der Fans dabei: Wenn es etwa um geplante Choreos geht, ums Aufhängen von Zaunfahnen oder um die Kommunikation mit dem Heimverein.

Es geht als Fanbeauftragter – sowohl bei Heimspielen als auch auswärts – darum, präsent zu sein, ohne aufdringlich zu werden. Mittendrin zu sein, und trotzdem eine gesunde Distanz zu wahren. Eine Vertrauensbasis zu schaffen, ohne seine Autorität zu verlieren. Ein Spagat, der jede Woche aufs Neue geübt werden muss. Sportlich! Aber das sind die Fanbeauftragten ja, bei den vielen Schritten, die sie an jedem Wochenende und auch unter der Woche gehen. Bei den vielen – den kleinen und großen – Schritten, mit denen sie den SC Freiburg und die Entwicklung der Vereins- und Fankultur unterstützt und vorangebracht haben. Die sie auch künftig mit großem Engagement weiterentwickeln wollen und werden. 

Zum Nachhaltigkeitsbericht

Autor: Christian Engel / Foto: Jasmyn Groeschke

 
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