Schuster: „Wir tragen soziale Verantwortung“
Im zweiten Teil des Interviews für den Nachhaltigkeitsbericht, der im Herbst 2025 erschienen ist, spricht Cheftrainer Julian Schuster über seine Überzeugung für die Vereinsidee, neben der Förderung von Talenten in der Spitze, die regionale Jugendarbeit auch in der Breite zu stärken.
Zu den Kernideen des Vereins zählt nicht nur, dass man Talente in der Spitze fördert, sondern auch die Breite stärkt, also versucht, die Jugendarbeit bis in die kleinen Vereine der Region hinein voranzubringen. Sogar in Kitas und Grundschulen geht der SC seit vielen Jahren mit eigenen Trainern – als Familienvater muss Ihnen das eigentlich ganz besonders gefallen.
Erst einmal ist es einfach Fakt, dass sich viele Kinder zu wenig bewegen. Schon im alltäglichen Leben, Kinder müssen ja nicht zwingend sofort in einem Verein aktiv sein. Aber sie klettern heute für mein Gefühl auch weniger auf Bäume, als wir das noch gemacht haben. Daher wollen wir Bewegungsangebote machen, und eben keineswegs nur fußballspezifische, es muss einfach zum Kindlichen und Spielerischen passen. Wir tun das, weil wir es als Teil unserer sozialen Verantwortung sehen. Wir sagen aber auch immer: Je mehr Kinder und Jugendliche regelmäßig Sport treiben und dabeibleiben, umso größer ist die Chance, dass darunter auch das ein oder andere besondere Talente ist, das dann vielleicht irgendwann bei unseren Bundesligateams der Männer oder Frauen ankommt.
Wie lief das jenseits vom Auf-Bäume-klettern bei Ihnen selbst mit Ihrer Entwicklung zum Fußballprofi?
In meiner Kindheit haben wir ganz viel gemacht und ausprobiert, auch ganz unterschiedliche Sachen, zum Beispiel Inline Hockey gespielt. Dadurch war ich beweglich, hatte später vielleicht auch deshalb wenig muskuläre Verletzungen, das hat mir auf jeden Fall geholfen. Dazu kam das Vereinsleben, das, wie ich glaube, Kindern und Jugendlichen grundsätzlich nicht nur dabei hilft, sich mehr zu bewegen, sondern auch dabei, füreinander da zu sein.
Der SC vertritt die Überzeugung, dass es zum Verständnis von Respekt, Fairness und Toleranz beiträgt, wenn man im Verein Fußball spielt. Diese Werte hat er sogar in seiner Satzung verankert.
Das Schöne ist, dass der Sport vieles davon quasi automatisch lehrt: Mit Niederlagen umzugehen. Verständnis füreinander zu entwickeln. Kein Einzelkämpfer zu sein, sondern gemeinsam Dinge zu erreichen und für andere da zu sein. Sich zu unterstützen, sich auszutauschen, zu kommunizieren und Verantwortung zu übernehmen. Das sind ganz viele Dinge, die parallel zur körperlichen Aktivität unbewusst ablaufen und vermittelt werden.
Um das zu vermitteln, werden beim Sport-Club mittlerweile auch die Spieler aus dem Profikader eingebunden, die Patenschaften für Kita- und Schulprojekte übernehmen können und dann auch mal persönlich vor Ort sind.
Für die Kids ist das natürlich ein Highlight, wenn einer der Spieler oder einer der Trainer kommt. Da können wir wirklich mit relativ wenig Aufwand sehr viel bewirken, schon indem wir Kinder einfach motivieren, Sport zu treiben.
Auch Juniorenspieler der Freiburger Fußballschule dürfte es zusätzlich motivieren, wenn jemand wie Matthias Ginter beim Training oder sogar mal beim Spiel mit dabei ist. Oder wenn ein Nicolas Höfler oder Ex-Spieler Michael Gregoritsch regelmäßig mit ihnen auf dem Trainingsplatz stehen, die alle gerade Trainerscheine machen und dafür in der Fußballschule hospitieren.
Ich war schon als Spieler der Meinung, dass man Profis anbieten kann und sollte, parallel schon Trainerscheine zu machen. Das hilft auch dabei, Verständnis zu entwickeln – oder sie entwickeln selbst Ideen dazu: Warum entscheidet sich der Trainer für das ein oder andere? Wie baut er ein Training auf? Da sehe ich viel Mehrwert. Und wenn Profis dann noch bei den Jugendmannschaften assistieren und dabei sind, ist das natürlich auch für unsere Jugendspieler eine hohe Motivation. Mal davon abgesehen, dass es für Profis eine tolle Sache sein kann, mit der sie einfach was zurückgeben können – ob über Patenschaften für Schulprojekte oder über Trainer-Hospitanzen bei unseren Junioren-Teams.
So wie Sie selbst davon schwärmen, ist es vermutlich eine rhetorische Frage, wie wichtig es Ihnen ist, in einem Verein zu arbeiten, der sich auch seiner sozialen Verantwortung so umfänglich stellt?
Für mich ist das tatsächlich total wichtig. Natürlich tragen wir wie jeder erfolgreiche Bundesligaclub soziale Verantwortung. Trotzdem finde ich es wirklich immer noch und immer wieder bemerkenswert, in welchem Umfang und mit wie vielen Details wir versuchen, dem gerecht zu werden. Deshalb danke ich auch allen im Verein, die sich dafür einsetzen und das mit einer großen Hingabe machen. Und ich bin überzeugt: Genauso wie das, was wir auf dem Rasen machen, sorgt es auch dafür, dass so viele Menschen sagen: Das ist ein Verein, den ich gut finde und gerne unterstütze.
Hier geht's zu Teil 1 des Interviews
Interview: Uli Fuchs
