Noch eine große Aufgabe

Wo diese Bundesligasaison für den SC Freiburg endet, wird sich nach dem letzten Spieltag am Samstag zeigen, an dem der Sport-Club in der Allianz-Arena (15.30 Uhr, live bei Sky und im SC-Live-Ticker auf scfreiburg.com) beim alten und neuen Deutschen Meister FC Bayern München zu Gast ist.

So wie das Fußballjahr begonnen hat, so endet am Samstag auch die Saison für den Sport-Club: mit einem Duell gegen den Deutschen Meister FC Bayern München. Wobei die Vorzeichen und der Rahmen, abgesehen vom Spielort Allianz-Arena, freilich noch einmal andere sind als in der zweiten Januarhälfte. Damals reisten die Münchner als Tabellenführer und Meister der vergangenen Saison an die Dreisam und gewannen im letzten Spiel der Hinrunde am Ende glücklich mit 2:1. Am abschließenden Spieltag der Saison ist die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti nach wie vor Spitzenreiter, wird aber nach der Partie erneut die Schale für den insgesamt 27. Titel in Empfang nehmen. Den hatte sich der Rekordmeister am 31. Spieltag mit einem 6:0-Sieg beim VfL Wolfsburg einmal mehr vorzeitig und zum fünften Mal in Folge gesichert.

 

Als Sechster ins Abschlussrennen um Europa

 

Der SC stand im Hinspiel bereits auf einem eindrucksvollen achten Tabellenplatz, zeigte in der Rückrunde noch etliche weitere starke Auftritte und reist deshalb sogar als Sechster zum Rückspiel nach München. Dort wird die Mannschaft des Trainerteams um Christian Streich noch einmal von 7.300 SC-Anhängern unterstützt. Womit das komplette Kartenkontingent für den Gästebereich, das beim Vorverkaufsstart für das Saisonfinale innerhalb kürzester Zeit vergriffen war, ausgeschöpft ist. Die Fans des Sport-Club dürften auf den Rängen am Samstag auch immer wieder mit einem Auge oder Ohr die Spielstände auf den anderen Plätzen verfolgen. Schließlich besitzt der SC die Chance, diese Saison mit der Qualifikation für die Europa League abzuschließen. „Jeder bei uns will sich für Europa qualifizieren und so werden wir das Spiel angehen", hatte Torschütze Maximilian Philipp nach dem 1:1 im letzten Heimspiel gegen den FC Ingolstadt bekräftigt.

 

Dabei gilt: Verschiedene Wege führen nach Europa und das außerdem zu verschiedenen Zeiten. Die Verteidigung des fünften Tabellenplatzes würde für den Sport-Club den Einzug in die Gruppenphase der Europa League bedeuten. Der Tabellensechste steigt in der dritten von vier Qualifikationsrunden zur Gruppenphase ein. Anders wären die Modalitäten, wenn eine Woche nach dem Saisonende in der Bundesliga Borussia Dortmund das DFB-Pokalendspiel gegen Eintracht Frankfurt für sich entscheidet. In diesem Fall wäre auch der Bundesliga-Sechste direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert und der Siebte würde in die Qualifikation nachrücken. Holen dagegen die Frankfurter den DFB-Pokal, reicht der siebte Platz nicht für Europa.

 

Nicht verstecken vor der Meisterfeier

 

Reale Bedeutung werden die Regularien sowieso erst nach der Begegnung gewinnen. Deshalb, betonte Trainer Christian Streich auf der Pressekonferenz zur Partie in München, „sollten wir uns nur mit Bayern beschäftigen. Alles andere kommt dann wie es kommt und wir nehmen es an wie es kommen wird." Abgesehen davon, was man am Samstag noch selbst beeinflussen könne. Dass die Gastgeber bereits vor dem Spiel eher in Feierlaune sein werden und gemeinsam mit ihren Anhängern vor allem den erneuten Titelgewinn zelebrieren wollen, glaubt der SC-Coach keinesfalls: „Sie haben kein DFB-Pokalfinale und kein Champions-League-Endspiel mehr vor sich, aber sie verabschieden sich von den Fans wieder als Deutscher Meister. Und wer den Ehrgeiz und die Ansprüche der Bayern kennt, kann sich vorstellen wie sie gegen uns auftreten wollen, um sich gebührend von ihrem Publikum zu verabschieden." Zumal in der Begegnung Bayern-Kapitän Philipp Lahm und der Spanier Xabi Alonso jeweils ihr letztes Pflichtspiel bestreiten werden.

 

„Das sind zwei Weltstars, die allerhöchste Ansprüche erfüllt haben und jetzt gegen uns das letzte Mal auflaufen", so Christian Streich. „Wir sind da eher das Beiwerk der Stars. Aber wir sind Sechster und wollen am Samstag zeigen, warum wir das sind." Anknüpfen kann man dabei an das Hinspiel, das Robert Lewandowski mit seinem Tor erst in der Nachspielzeit für die Münchner entschied und das für den Freiburger Trainer „eines unserer besten Saisonspiele" war. Andererseits, so Streich, „haben wir uns auch in der Vergangenheit in München nicht versteckt und probiert, vorwärts zu spielen wenn es geht." Lasse der Gegner dies weniger oft zu und attackiere selbst beharrlich, gelte es als Mannschaft kompakt zu bleiben: „Eine Topleistung von uns ist die Voraussetzung dafür, um noch etwas auf diese Saison draufzusetzen. Wenn Bayern gut drauf ist, wird es sowieso schwer. Aber ich bin zufrieden, wenn wir eine gute Leistung zeigen."

 

Personell viele Optionen, Bulut fehlt verletzt

 

Personell sind die Voraussetzungen für das Trainerteam dafür sehr gut. Fast alle SC-Profis waren in dieser Woche im Mannschaftstraining am Ball. Auch Mike Frantz, der in den beiden letzten Spielen wegen einer Fußprellung gefehlt hatte, steht wieder zur Verfügung. Ausfallen wird für die Partie am Samstag allerdings Onur Bulut, der sich eine Zehenverletzung zugezogen hat. Was dies für die letzte SC-Anfangsformation der Saison bedeutet, konnte Christian Streich noch nicht abschließend benennen. Einige Veränderungen gegenüber dem letzten Spiel, seien möglich, die konkreten Entscheidungen darüber aber noch nicht getroffen. So könnte anstelle von Onur Bulut Vincenzo Grifo wieder in die Startelf rücken, oder auch Mike Frantz in diese zurückkehren. „Derzeit gibt es personell noch einige Fragezeichen, wir wissen es noch nicht", sagte Streich zunächst.

 

Überzeugt ist der Coach davon, dass der FC Bayern, der sein letztes Auswärtsspiel bei RB Leipzig spektakulär und ebenfalls in der Nachspielzeit mit 5:4 gewann, gegen den Sport-Club „mit der absolut besten Besetzung" antreten wird. „Wie kommst du gemeinsam an den Ball?", laute deshalb angesichts der gekonnten Münchner Spielverlagerungen mit langen Diagonalbällen eine Frage, die es am Samstag zu beantworten gelte. Dazu nannte Christian Streich „enormen Laufaufwand und eine enorme Frustrationstoleranz" als unabdingbar, „um defensiv alles abzuarbeiten gegen den Ball." Anforderungen, die wiederum auch Einfluss auf die eigene Aufstellung haben könnten.

Mutig für eine letzte Überraschung arbeiten

 

Bisher in jedem Saisonspiel war Florian Niederlechner im Einsatz. Der mit elf Treffern beste SC-Torschütze und gebürtige Bayer tritt erstmals in der Bundesliga in der Allianz-Arena gegen den Rekordmeister an: „Das ist natürlich die schwerste Aufgabe, die man sich vorstellen kann", so der Angreifer. „Aber wir schauen einfach, was wir in München ausrichten können. In der Hinrunde hätten wir ja auch fast für eine Überraschung gesorgt."

 

Wenn diese dem SC dafür ganz am Ende der Rückrunde gelänge, könnten auch einige vergleichende Punkt- und Tabellenplatzrechnungen nach dem Schlusspfiff einfacher aufgehen. Auch Außenverteidiger Christian Günter macht der erste Saisonvergleich mit dem FC Bayern Mut für die letzte Auswärtsreise: „Wir haben zu Hause gezeigt, dass wir dagegenhalten können. Das ist unser Anspruch. Wir fahren nicht dorthin und sagen, wir wollen so wenige Tore wie möglich bekommen."

 

Dirk Rohde